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Zum 100. Geburtstag des Künstlers

Bernau: Eine Eiche für Joseph Beuys

Der philosophische Samen des berühmten Bildhauers und Aktionskünstlers Joseph Beuys geht in Bernau auf. Neben groß gewachsener Linde, Birke und Kastanie wird im Herbst im Kurpark ein zartes Eichenbäumchen in die Erde und ein Basaltstein in den Boden gesetzt – als Zeichen für einen achtsamen Umgang mit der Natur.

Bernau – Der Baum erinnert an Beuys‘ Kunst-Pflanzaktion „7000 Eichen, Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ im Jahr 1982 in Kassel. Die Museumsstiftung „MAXIMUM“ in Traunreut ehrt den Künstler seit 2015 mit dem überregionalen Projekt „Eichenpflanzungen zu Ehren von Joseph Beuys“. Bernau wird Teil des Projekts.

Die Idee stieß auf offene Ohren

Galeristin Jutta Strohmeyer-Haider bemüht sich seit sieben Jahren um diese Eichenpflanzung, wie sie im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung erzählt. Die Galeristin stieß sowohl im Kunstkreis Bernau als auch bei Kulturreferentin Michaela Leidel und dem früheren Bürgermeister Philipp Bernhofer von Beginn an auf offene Ohren.

So, wie ein Baum langsam und stabil wächst und sich entfaltet, war es auch mit dem Projekt. Beuys wäre heuer im Mai 100 Jahre alt geworden. „Nun ist es soweit die Eichenpflanzung in die Tat umzusetzen“, erklärt dazu Museumsleiterin Dr. Birgit Löffler gegenüber den OVB-Heimatzeitungen.

Die Vision vom Leben im Einklang mit der Natur

Damit werde das Lebenswerk eines Künstlers geehrt, dessen Arbeit im zunehmenden ökologischen Bewusstsein aktueller sei, denn je: „Er ist unserer Zeit so nah.“

Die Vernetzung und das gute Zusammenleben der Menschen mit den Tieren und den Pflanzen im Sinne der Natur, sei eine Grundforderung von Beuys gewesen. Er habe damit den neuen Kunstbegriff „Soziale Plastik“ geschaffen.

Strohmeyer-Haider war mit Beuys Werken das erste Mal vor 30 Jahren in Berührung gekommen, wie sie erzählt. Die gebürtige Münchnerin, die seit 14 Jahren in Bernau lebt und auf deren Initiative hin sich der Kunstkreis gründete, bezeichnet dies als Bereicherung.

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„Mich fasziniert in seiner Kunst das Tieferschauen und spüren, was im Menschen verankert ist“, schildert sie. Das, was man dort finde, sei nicht immer angenehm und nehme den Menschen in die Verantwortung. „Das kann einen an seine Grenzen bringen“, ist sie überzeugt.

Anders lagen die Dinge bei Kulturreferentin Leidel. Sie habe sich erst aufgrund der Aktion näher mit Beuys und seinen Werken befasst und Bücher über ihn gelesen, erzählt sie. „Wenn man seinen Lebenslauf – er war Kriegsteilnehmer – und seine Philosophie kennt, kann man die Werke anders einordnen. Beuys erschließt sich nicht auf den ersten Blick.“ Aus dem originalen Steinbruch der Eichenpflanzung von Kassel konnte das MAXIMUM die letzten 23 natürlichen Basaltsteine erwerben.

Ein Baum für jedes der 64 Lebensjahr von Beuys

„Neben dem wachsenden, lebendigen Baum steht jeweils ein Million Jahre alter Basaltstein als Mineralienspender und stabiler Wächter“, so Löffler. Im Laufe der Zeit kehrten sich die Proportionen um, der Stein werde von der Eiche größenmäßig überholt und „bewacht“.

Da für jedes der 64 Lebensjahre von Beuys eine Eiche samt Stein gesetzt werden soll, organisierte die Stiftung das fehlende Kontingent von einem Steinbruch aus Thüringen. Projektpartner aus ganz Bayern haben sich laut Löffler gefunden, davon einige in den benachbarten Landkreisen. Alle 64 Eichen seien zwischenzeitlich reserviert.

Laut Leidel unterstützen auch die jetzige Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber und ihr Stellvertreter Gerhard Jell das Projekt. Der Bauhof wird den Platz pflegen und die Gemeinde habe auch finanzielle Unterstützung signalisiert, sofern dies notwendig wäre.

Pflanzpartner und Helfer gesucht

Wer möchte, kann Pflanzpartner werden und das Projekt in Bernau finanziell oder bei der Pflanzung am 7. November mit Muskelkraft unterstützen. Der Kunstkreis spendete Geld, das aus der Aktion „Himmlische Runde“ im Skulpturengarten vor drei Jahren stammt.

Im Mai waren die Bernauer Pflanzpartner, Vertreter des Kunstkreises, Kulturreferentin Leidel, Tourismus-Chef Christoph Osterhammer und Projektunterstützer in Traunreut und suchten die Basaltstele für Bernau aus. Leidel weiß, dass es Fangemeinden gibt, die zu den Orten reisen wollen, an denen Eichen im Rahmen der Aktion zu Ehren Joseph Beuys gepflanzt worden sind. Sie rechnet auch in Bernau mit Besuch.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte / dpa

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