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Im historischen Gewand

Auf den Spuren der Hofwirtin: Historikerin Martina Stoib führt in der Dämmerung durch Aschau im Chiemgau

Maria Anna Schropp vor der Seitentür der Residenz Heinz Winkler. Zu ihrer Zeit war sie die Hofwirtin und ihr gehörte das Gebäude.
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Maria Anna Schropp vor der Seitentür der Residenz Heinz Winkler. Zu ihrer Zeit war sie die Hofwirtin und ihr gehörte das Gebäude.

„Ich bin die Hofwirtin Maria Anna Schropp.“ Die Schropperin (1697-1777) hat rund um den Dorfkern Niederaschaus ihre Spuren hinterlassen. Die Historikerin Martina Stoib lässt das damalige Niederaschau aus Sicht der Schropperin auf einer Führung durch das heutige Niederaschau lebendig werden. Kirche, Wirt und Himmelsleiter sind dabei der Mittelpunkt.

Aschau im Chiemgau – Zuerst hatte sie die Idee, im Rahmen des diesjährigen Aschauer Mottos „Aschau is a Schau“, wie ein Nachtwächter rund um den Kirchberg und die illuminierte Himmelsleiter zu führen. Mit Herbert Reiter, Leiter der Tourist-Info spann Martina Stoib den Gedanken weiter: Eine weibliche Persönlichkeit der Gemeinde sollte es werden, und da sie als Kirchenführerin an Maria Anna Schropp nicht vorbeikommt, lag es schnell nahe, diese auch zu verkörpern.

Sichtung von historischem Material

Die Historikerin machte sich an die Arbeit, las sich noch eingehender in die Chronikbände Aschaus ein, tauschte sich mit Dr. Margot Hamm vom Haus der Geschichte und mit Alexander Wandinger, Fachberater Trachteninformationszentrum beim Bezirk Oberbayern, aus, sichtete Bildmaterial, und rekonstruiert so Stück für Stück die Aschauerin.

Herausgekommen ist eine Führung, die sicher ihresgleichen sucht, denn man wandelt nicht nur auf den Spuren der Maria Anna Schropp, sondern erfährt gleichzeitig auch mehr über ihr Leben und Wirken und wie sich das Dorf von einst zum heutigen Aschau gewandelt hat.

Sie war zweimal verheiratet

Ein Stopp liegt an der Preysing-Grundschule: „Ich war noch in der Benefiziatenschule, meine Enkel waren dann schon im Vorgängerbau der heutigen Grundschule.“ Los geht die Runde allerdings beim Hofwirt, den sich Thomas Mayr, Eisenbergwerksbesitzer am Prüller See und Weinhändler und Vater der Maria Anna, 1676 ersteigerte und ihr später vermachte.

Die Schropperin, erst verheiratet mit Johann Georg Pföß, mit dem sie 16 Kinder hatte, von denen nur drei Töchter überlebten, dann mit dem Braumeister Benedikt Schropp. Die zwei Ehen waren in der damaligen Zeit wohl eine Ausnahmeerscheinung. Damals traten die Frauen kaum in Erscheinung, Schropp hingegen war anders, musste sie doch, vermögend und geachtet, als Hofwirtin resolut agieren und tat dies bis ins hohe Alter von 80 Jahren.

Spenden für die Kirche

Der Hofwirt ist heute die Residenz Heinz Winkler, die unteren zwei Stockwerke und die beiden Erker sind noch original aus der damaligen Zeit und das Posthorn an der Außenwand kündet von seiner damaligen Bedeutung als Postkutschen-Station. Die Schropperin war Chefin über Tavernwirtschaft und Postkutschenstation, der Ertlhof (heute der Resthof) gegenüber war die Ökonomie für ihre Hofwirtschaft.

Die Schropperin stiftete die Kreuzkapelle – sichtbar gemacht durch die Familienwappen in den Chorbögen – und den rechten Seitenaltar der Pfarrkirche Darstellung des Herrn. Was es sonst noch mit dem Altar und der Kreuzkapelle auf sich hat, wie die Familien Weninger und Hündl, deren Steintafel an der Außenwand der Kirche beziehungsweise der Kapelle hängen, mit der Schropperin zusammenhängen, und wie sich die Wege mit den Schloßherren Preysing und von Cramer-Klett mit der Schropperin und ihren Nachkommen kreuzen, sei hier nicht verraten. Das mögen die geneigten Besucher selbst herausfinden.

Mit selbst genähtem Gewand

Es lohnt sich, schon allein, weil sich Martina Stoib für die Führung in Schale werfen wird: In Seidenschurz, den sie selbst genäht hat und Miedergewand, dazu noch Barock anmutende Schuhe – „aus meinem eigenen Fundus“ – und Trachtenhut mit weißem Tuch. „Ich bin ja schließlich unter der Haube“, mit Rosenkranz und samtenen Stulpen geschmückt, wird sie als Schropperin durch die Dämmerung führen. Hin zur illuminierten Himmelsleiter – auch ein Weg nach oben, nur eben moderner.

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