So erleben Gemeinden der Region den Ausflugsansturm

Aschauer Bürgermeister: „Berge sind offenbar für manche eine riesengroße Fun-Arena!“

Simon Frank (Zukunft für Aschau), Bürgermeister von Aschau im Chiemgau beklagt das Verhalten der zahlreichen Wintersport- und Bergtouristen in seiner Gemeinde.
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Simon Frank (Zukunft für Aschau), Bürgermeister von Aschau im Chiemgau beklagt das Verhalten der zahlreichen Wintersport- und Bergtouristen in seiner Gemeinde.

Wie erleben die Gemeinden der Region den derzeitigen Ansturm von Wintersport- und Bergtouristen? Wir haben uns erkundigt und sehr unterschiedliche Situationen berichtet bekommen.

Aschau im Chiemgau - „Wir stellen einen sehr starken Ansturm in diesem Sektor fest. Insbesondere die Anwohner, die heimischen Wälder und die Wildtiere sind derzeit einer besonders hohen Belastung ausgesetzt“, berichtet Simon Frank, Bürgermeister von Aschau im Chiemgau gegenüber rosenheim24.de. „Müll wird oft liegen gelassen. Zu jeder Tages- und Nachtszeit durchstreifen Schneeschuh- oder Tourengeher die Wälder, oft ohne Rücksicht oder Demut gegenüber Natur und Umwelt. Meist sind sehr helle Stirnlampen im Einsatz. Es wurden auch schon Jugendliche mit ‚Soundanlagen‘ gemeldet“, schildert das Gemeindeoberhaupt weiter. „Die Berge sind offenbar für manche Leute mittlerweile eine riesengroße Fun-Arena! Leider!“


„Fahrzeuge werden teils auf privaten Flächen, Hofeinfahrten und landwirtschaftlichen Grundstücken abgestellt, was auch Flurschäden verursacht. Sollten Rettungswege zugeparkt werden, wird konsequent zu Maßnahmen, wie Abschleppen in Absprache mit der Polizei, gegriffen. Auffällig zeigt sich auch der hochfrequente Verkehr im Priental: morgens in die Berge, abends wieder nach Hause.“

Aschau im Chiemgau & Reit im Winkl: Deutlicher Ansturm von Berg- und Wintersporttouristen verzeichnet


Kürzlich sorgten Zustände am Schliersee und dem Spitzingsee für Schlagzeilen. Diese erlebten am Wochenende einen Ansturm von Ausflüglern. Auch am Sonntag war die Situation stellenweise außer Kontrolle. Der Ansturm ist enorm“, sagte der Bürgermeister von Schliersee, Franz Schnitzenbaumer. Hunderte Schlittenfahrer tummelten sich selbst auf kleinen Hügeln und die Skipisten bevölkerten Tourengeher. Auf Nachfrage von chiemgau24.de berichtete Michael Holzner, stellvertretender Regionalleiter der Bergwacht Chiemgau, das Einsatzgeschehen halte sich noch in Grenzen für die Retter der Wacht. Mit Besorgnis werde allerdings das verstärkte Risiko schlimmer Rodel-Unfälle auf Grund der Vereisung der Rodelpisten gesehen.

„Insbesondere im Bergsteigerdorf Sachrang sind die öffentlichen Parkplätze stark ausgelastet und meist überfüllt. Einige Privat-Leute haben Parkplätze eröffnet und stellen jene gegen Gebühr zur Verfügung“, berichtet Aschaus Bürgermeister Frank weiter. „Das Parken an der St2093 wird zwar praktiziert, beispielsweise bei der Langlaufloipe oder dem Geigelsteinaufstieg. Jedoch stellt dies eine Ordnungswidrigkeit in Form des Parkens außerhalb geschlossener Ortschaften an Staatsstraßen dar.“ Auch Maria Richter von der Touristinformation Reit im Winkl berichtet Ähnliches. „Wir stellen hier ebenfalls viele Tagestouristen fest. Den Parkplatz an der Winklmoosalm mussten wir zeitweise sperren.“

„Bei uns ist es weniger dramatisch“, berichtet dagegen Fritz Schmuck von der Touristinformation Siegsdorf. „Es gibt eine merkbare Zunahme der Leute, die zum Rodeln auf dem Hang des Wolfsbergs unterwegs sind. Aber die Parkplätze reichen vollkommen aus.“ Auch in Bergen hat man keinen merkbaren Anstieg verzeichnet: „Es gibt sicherlich viele Wanderer und Tourengänger. Aber wir verzeichnen bislang keine Zunahme des Verkehrs oder gar einen Ansturm.“

„An Feiertagen und am Wochenende sind viele Menschen in der Natur unterwegs. Das ist an und für sich nicht außergewöhnlich und war auch in den Vorjahren so. Dieses Jahr fallen ja sogar die Wintergäste weg“, berichtet auch Teresa Hallinger vom Zweckverband Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee. „Die Parkplätze an den Wanderwegen und an Rodelstrecken beziehungsweise an Skitourenstarts sind bei Sonnenschein am Wochenende stark ausgelastet.“

hs

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