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Stadt installiert eigenen Blitzer an Staatsstraße 2078

70 Raser pro Stunde, der Schnellste mit 152 Sachen in der 50er-Zone – Jetzt greift Kolbermoor durch

Vorsicht Blitzer: Die Stadt Kolbermoor installiert an der Staatsstraße 2078 im Bereich des Fußgängertunnels den ersten stationären, kommunalen Kontroll-Tower – ein Pilotprojekt in Bayern.
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Vorsicht Blitzer: Die Stadt Kolbermoor installiert an der Staatsstraße 2078 im Bereich des Fußgängertunnels den ersten stationären, kommunalen Kontroll-Tower – ein Pilotprojekt in Bayern.

70 Raser pro Stunde passieren die Staatsstraße 2078 auf Höhe des Fußgängertunnels. Der Schnellste donnerte mit 152 Sachen durch die 50er-Zone. Jetzt greift Kolbermoor durch und installiert einen Blitzer. Das ist nicht nur eine Erziehungsmaßnahme, sondern füllt auch das Stadtsäckel.

Kolbermoor – Als erste Kommune im Freistaat Bayern will Kolbermoor eine stationäre Geschwindigkeitsmessanlage installieren. Der Stadtrat begrüßte das Pilotprojekt mit einem einstimmigen Beschluss. Der Blitzer wird an der Staatsstraße 2078 auf Höhe des Abschnittes 580 – also unmittelbar am Fußgängertunnel Pfarrer-Birnkammer-Straße – Albert-Schalper-Straße – aufgebaut. Er nimmt beide Fahrtrichtungen ins Visier.

Wollte die Stadt Kolbermoor bisher den fließenden Verkehr überwachen, konnte sie das nur über Vollstreckungsbehörden – entweder den Zweckverband Kommunale Dienste Oberland oder über die Polizei. Nun gibt es eine neue Zuständigkeitsverordnung des Bayerischen Innenministeriums, die es den Kommunen erlaubt, innerhalb geschlossener Ortschaften selbst Geschwindigkeitskontrollen durchzuführen und Verstöße zu ahnden.

Es gibt viele Problemstellen

„Mess-Stellen sollten dort sein, wo es Probleme gibt“, betonte Bürgermeister Peter Kloo (SPD). Probleme gibt es reichlich, nicht nur an den Staatsstraßen in Kolbermoor und Pullach, sondern auch in Lobholz. „Wir haben geprüft, welche Standorte sich für stationäre Geschwindigkeitsmessanlagen eignen würden“, informierte Ordnungsamts-Chef Thomas Rothmayer die Räte. Als Brennpunkte wurden die Staatsstraße 2078 auf Höhe des Gasthofes zur Post, die St2078 im Bereich des Fußgängertunnels und die St2089 in Pullach mit Experten von Zweckverband und Polizei überprüft.

Die Wahl fiel auf die St2078 im Bereich des Fußgängertunnels. Die Notwendigkeit einer „Erziehungsmaßnahme für Verkehrsteilnehmer“ in diesem Bereich, wie es der Bürgermeister nannte, wurde durch eine versteckte Verkehrsüberwachung untermauert. Diese fand vom 10. bis 25. Mai statt. Den Abschnitt passierten am Tag 220 669 und in der Stunde 662 Fahrzeuge. Zehn Prozent aller Autofahrer hielten sich nicht an die Verkehrsregeln. Der Schnellste donnerte mit einer Geschwindigkeit von 152 Kilometern pro Stunde durch die 50er-Zone. „Wir haben an dieser Stelle 70 Verstöße pro Stunde, weil wir nicht überwachen“, ordnete Rothmayer das Ergebnis ein: „Wissen die Verkehrsteilnehmer aber, dass dort überwacht wird, gehen die Verstöße erfahrungsgemäß drastisch nach unten.“

Geplant ist ein Tower. Der sieht den Maut-Kontrollsäulen des Bundesamtes für Güterverkehr zum Verwechseln ähnlich. Daher werden auch Verkehrsschilder angebracht, die auf die Geschwindigkeitskontrolle aufmerksam machen.

Der Stadtrat befürwortete das Pilotprojekt. „Ich bin froh, dass wir zu den Ersten gehören, die solch ein Projekt umsetzen. Es ist auch ein Lärmschutz für die Anwohner“, betonte Andrea Rosner (Grüne). Das sei der erste Schritt, um Disziplin einzufordern, ergänzte Zweiter Bürgermeister Dieter Kannengießer (Parteifreie): „Der nächste Schritt ist die Regulierung des ruhenden Verkehrs.“

Den Standort am Fußgängertunnel befürwortete Sebastian Daxeder (CSU). Er plädierte aber auch für einen stationären Blitzer in Pullach, denn: „Die Leute haben echt ein Problem.“ Bürgermeister Kloo versprach, dass mit dem Pilotprojekt erst Erfahrungen gesammelt werden sollten, ehe dann auch andere „prädestinierte Stellen“ folgen könnten. Pullach und Lobholz wurden von mehreren Räten vorgeschlagen.

Dagmar Levin-Feltz (SPD) hatte schon eine Antwort für potenzielle Kritiker parat, die den Blitzer als „Abzocke“ einstufen könnten: „Haltet Euch an die Regeln, dann werdet Ihr auch nicht abgezockt!“

Der Stadtrat stimmte der stationären Geschwindigkeitsmessanlage an der Staatsstraße 2078 auf Höhe des Abschnittes 580 einstimmig zu. Die Verwaltung wurde beauftragt, das Projekt umzusetzen. „Die Stellungnahmen der Fachaufsicht, des staatlichen Bauamtes und der Polizei liegen uns bereits vor“, informierte Thomas Rothmayer. Angebote würden gerade eingeholt. Dann brauche es noch die Zustimmung der Regierung Oberbayerns, ehe der Stadtrat den Auftrag vergeben kann. „Ich denke, dass wir es nicht mehr vor der Sommerpause schaffen“, schätzte er ein.

Bußgelder fließen direkt ins Stadtsäckel

Wann der Blitzer installierte werden kann, hängt aber auch von den Lieferzeiten der Hersteller ab. Rothmayer rechnet nicht vor Frühjahr 2023 mit der Umsetzung des Projektes. Geplant ist, an der Staatsstraße eine Säule zu installieren, in die Messtechnik für beide Fahrtrichtungen eingebaut wird. Damit können Fahrer nicht erkennen, welche Seite scharf geschalten ist. Wann geblitzt wird, könnten laut dem Ordnungsamt die Stadtverwaltung und der Zweckverband entscheiden.

Die Kosten für den Blitzer werden auf 40 000 Euro geschätzt. Die Bußgelder, die an dieser Stelle aufgrund überhöhter Geschwindigkeiten anfallen, fließen dann direkt ins Kolbermoorer Stadtsäckel.

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