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Abschied von Reinhard Tomm

40 Jahre Grenzerfahrungen: Leiter der Rosenheimer Bundespolizei geht in den Ruhestand

„Mein Arbeitsleben war bis zum letzten Tag spannend“, sagt Reinhard Tomm, Leiter der Bundespolizei Rosenheim. Seinen Schreibtisch wird er zum Ende des Monats räumen.
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„Mein Arbeitsleben war bis zum letzten Tag spannend“, sagt Reinhard Tomm, Leiter der Bundespolizei Rosenheim. Seinen Schreibtisch wird er zum Ende des Monats räumen.
  • Katrin Woitsch
    VonKatrin Woitsch
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Reinhard Tomm ist seit 40 Jahren bei der Bundespolizei. Er war bei den großen Demonstrationen in Wackersdorf im Einsatz, beim G7-Gipfel in Elmau, im Flüchtlings-Herbst 2015. Nun geht seine Amtszeit als Leiter der Bundespolizei Rosenheim zu Ende – leise und mit Corona-Kontrollen.

Rosenheim – Als Reinhard Tomm seinen ersten Arbeitstag hatte, gab es noch stationär eingerichtete Grenzübergänge. Das Schengen- Abkommen wurde erst Jahre später unterzeichnet. Die Uniformen waren grün, die Dienstwagen lange nicht so PS-stark wie heute. Und Mobiltelefone oder digitale Datenbanken waren 1979 noch kaum vorstellbar.

Wenn Tomm also sagt, dass er vier Jahrzehnte denselben Beruf hatte, dann meint er einen Beruf, der sich ständig gewandelt hat. „Bei der Polizei wird es nie langweilig“, sagt er und lacht. „Der Beruf stellt einen immer wieder vor neue Herausforderungen.“

Ohne Umarmung, ohne Handschütteln

Tomm hat in den vier Jahrzehnten erlebt, wie die Grenzen geöffnet wurden – und in seinen letzten Berufsmonaten auch, wie sie wegen der Pandemie wieder undurchlässiger wurden. Der Polizeidirektor und Leiter der Bundespolizei Rosenheim geht Ende April in den Ruhestand.

Es wird ein leiser Abschied. Ohne Feier, ohne Ansprachen, ohne Handschütteln und Umarmungen. Er wird am kommenden Freitag die letzten persönlichen Dinge in seinem Büro zusammenpacken – und dann das letzte Mal die Tür hinter sich zuziehen.

Freude auf mehr Zeit mit den Enkelkindern

Wie emotional das wird, kann er selbst nicht einschätzen. Einerseits freut er sich. Darauf, nicht mehr 24 Stunden am Tag erreichbar sein zu müssen. Auf die Zeit mit seinen beiden Enkelkindern. Das ist ihm viel wert – denn seine Frau und seine Kinder mussten wegen seines Berufs oft auf ihn verzichten. Aber die Kollegen und die vielen sozialen Kontakte werden fehlen, das weiß er jetzt schon.

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Statt Dienstbesprechungen zu leiten und Einsätze zu koordinieren, wird der 62-Jährige künftig seinen Enkeln beim Homeschooling helfen. Und sich mehr auf sein Amt als Stadtrat in Rosenheim konzentrieren. „Vielleicht finde ich ja auch noch neue Aufgaben, in die ich meine Erfahrungen aus meinem Beruf einfließen lassen kann“, sagt er.

Als Zugführer bei den Groß-Demonstrationen in Wackersdorf

An Erfahrungen hat er jede Menge gesammelt. Tomm war als junger Kommissar bei den Groß-Demonstrationen in Wackersdorf im Einsatz. „In Wackersdorf war ich Zugführer“, erzählt er. Manchmal, wenn er sich die alten Fotos ansieht, denkt er, dass sich so viel gar nicht geändert hat. Damals ging es um Atomkraft, heute eben um Corona-Maßnahmen.

„Die Beamten auf den Demos tragen heute andere Uniformen“, sagt er. „Aber sie müssen denselben Spagat hinbekommen: den Bürgern ihr Recht auf Demonstrationsfreiheit ermöglichen und gleichzeitig schützen.“

An vielen Standorten in Deutschland im Einsatz

Reinhard Tomm hat an vielen Standorten in Deutschland gearbeitet – oft weit von seiner Familie entfernt. Seine letzte berufliche Station war dort, wo er begonnen hatte. In seiner Heimat. Er hat die Leitung der Rosenheimer Inspektion 2010 übernommen – und dort elf spannende Jahre gehabt. Besonders das Jahr 2015 hatte es in sich, erzählt er. Es begann mit dem anderthalb Jahre lang geplanten Einsatz beim G7-Gipfel in Elmau.

Auch Kanzlerin Angela Merkel (Mitte) hat Reinhard Tomm, hier in Begleitung seiner Frau Silvia, in Rosenheim begrüßen können.

„Das war der größte Polizeieinsatz, den es in Bayern bisher gegeben hat“, erzählt Tomm. Für ihn und seine Kollegen auch sehr angespannte Tage. Aufgabe der Bundespolizei war neben den Grenzkontrollen, die Anreise von Demonstrationsteilnehmern zu überwachen. Tomm war damals zehn Tage vor Ort in einem eigens eingerichteten Bürokomplex für den Führungsstab.

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Nur einige Wochen später, als er grade sonntags beim Frühstück saß, kam der Anruf des Vizepräsidenten der Bundespolizeidirektion München. Innenminister Thomas de Maizière plane, noch am selben Tag die Grenze zu Österreich zu schließen, sagte er. Genauso kam es auch.

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Vom Gipfel der Staats- und Regierungschefs ging es für Tomm und seine Mitarbeiter also fast nahtlos über in den Flüchtlingssommer. „Es gab an den Autobahnen damals keine Infrastruktur für Grenzkontrollen mehr“, erzählt er. Für die ersten Grenzkontrollen mussten die Bundespolizisten ihre Fahrzeuge zur Beleuchtung nutzen. Tomm war damals an manchen Tagen von 9 Uhr morgens bis 3 Uhr nachts im Einsatz und sah genau wie seine Mannschaft jeden Tag unfassbares Elend. „Das war eine Zeit, in der es schwer war, ruhig zu schlafen“, sagt er.

„Fluchtproblem noch nicht gelöst“

Die Szenen ließen auch langerfahrene Polizisten nicht kalt – und brachten viele Beamte an die Leistungsgrenze. Damals zeigte sich, wie gut die Bundespolizei zusammenarbeitet. „Wir bekamen Unterstützung von überall aus Deutschland“, berichtet Tomm. Das ist bis heute so.

„Das Fluchtproblem ist nach wie vor nicht gelöst“, sagt er. Noch immer greifen seine Kollegen Schleuser auf. Und Tomm fürchtet, dass die Pandemie für viele Menschen aus ärmeren Ländern ein weiterer Grund sein könnte, nach Europa zu flüchten, wenn sich hier die Situation stabilisiert hat.

Sein Vater war bei der Grenzpolizei

Als junger Polizist hätte sich Reinhard Tomm nie träumen lassen, dass seine Laufbahn bei der Bundespolizei mit zeitweise geschlossenen Grenzen zu Ende gehen würde. Es beweist ihm aber, dass sein Vater – damals selbst bei der Bayerischen Grenzpolizei in Kiefersfelden im Einsatz – Recht hatte. Als Tomm als junger Mann überlegt hatte, zur Polizei zu gehen, versprach ihm sein Vater, dort werde es nie langweilig werden. Heute kann der 62-Jährige das bestätigen: „Mein Arbeitsleben war bis zum letzten Tag spannend.“

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