Ausfälle und Verspätungen

So baden Fahrgäste die chaotische Kommunikation von Bahn und Meridian aus

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Landkreis Rosenheim - Beim Versuch, die Ursachen für das aktuell herrschende Chaos auf den Bahnstrecken zwischen München und Rosenheim zu finden, fällt vor allem eins auf: Meridian und Bahn werden sich nicht einig.

Wegen der Baustelle der Deutschen Bahn zwischen München und Rosenheim kommt es derzeit auf den Meridian-Strecken München - Salzburg, München - Kufstein und München - Holzkirchen - Rosenheim zu Verspätungen, Zugausfällen und Schienenersatzverkehr. Die Bahnhöfe Aßling, Ostermünchen und Großkarolinenfeld werden zeitweise gar nicht mehr angefahren. 

Ansagen und Apps unzuverlässig

rosenheim24.de hat seine Leser befragt, wie sie den Pendler-Alltag mit dem derzeitigen Bahnverkehr erleben und vor allem eines erfahren: Die Kommunikation von Meridian und Bahn ist alles andere als ideal. Ansagen, Beschilderungen und Apps sind unzuverlässig und teilweise falsch. Oft erfährt der Fahrgast erst, dass ein Zug ausfällt, wenn er schon längst hätte fahren sollen. 

Für die Schüler in der Region ist die Baustelle dagegen kein großes Problem. Das liegt vor allem daran, dass einerseits der Meridian zu den Stoßzeiten die Ausfälle so gering wie möglich hält und andererseits die meisten Schüler gar nicht Bahn, sondern Bus fahren. 

Generell ist zu sagen, dass Veränderungen der Bausituation vom Meridian teilweise recht kurzfristig mit Pressemeldungen angekündigt werden, unter anderem teilweise erst am Tag, bevor die Ausfälle eigentlich beendet werden sollten. Doch woran liegt das augenscheinlich unorganisierte Prozedere bei Baustellen und den damit einhergehenden Zugausfällen und -verspätungen?

rosenheim24.de hat bei Bahn und Meridian nachgefragt. Christopher Raabe, Pressesprecher beim Meridian erklärt, dass der Meridian erst mal mit der ursächlichen Baustelle nichts zu tun hat. Die Deutsche Bahn, die das Netz betreibt, führe Bauarbeiten durch, die sich natürlich auf den Fahrplan des Meridian auswirken, der dieses Schienennetz befährt. 

Wird der Meridian zu kurzfristig informiert?

In der ersten Pressemeldung vom 18. März, in der Meridian die Fahrplanänderungen ankündigte, wurde die Baustelle angekündigt. Am letzten Tag, an dem laut diesem Bericht noch mit Behinderungen zu rechnen war, wurde dann eine Verlängerung angekündigt. Auf unsere Anfrage, weshalb es zu der Verlängerung kam, erklärt Raabe, es handle sich hier nicht um die Verlängerung einer Baustelle. Raabe: "Vielmehr führt die Deutsche Bahn auf diesen Strecken mehrere Bauarbeiten durch, die in unterschiedliche Phasen eingeteilt ist, deren Auswirkungen auf uns und damit unsere Fahrgäste nach und nach kommuniziert werden." 

Was nach und nach genau bedeutet, bleibt unklar, doch eines deutet Raabe an: Auch der Meridian wird häufig erst kurz vor knapp über Änderungen informiert. "Wir stehen in engem Austausch mit der Deutschen Bahn, denn auch wir haben ein Interesse daran, dass die Schieneninfrastruktur modernisiert wird. Oftmals kommen die Anweisungen über Baustellen jedoch zu kurzfristig, weswegen wir dann unter vollem Einsatz aller Abteilungen daran arbeiten, die Informationen schnellstmöglich auch an die Fahrgäste zu geben."

Alle Änderungen werden dann an die Apps und Websites, wie www.meridian-bob-brb.de kommuniziert, so Raabe. Auf die Frage, weshalb diese so unzuverlässig seien, gibt er keine konkrete Auskunft. Fahrgäste, die Kritik üben wollen, können dies jedoch gerne per E-Mail an auskunft@der-meridian.de tun

Die Pressemeldungen der Deutschen Bahn beinhalten andere Zeiträume für die Baustellen, als in denen des Meridian. Der Startzeitpunkt der Baumaßnahmen liegt zwei Tage hinter dem Datum, dass der Meridian angegeben hatte. Dafür wurde in der Meldung der Bahn die gesamte Bauzeit verkündet, nicht nur der erste Abschnitt. Die Information, dass es einen zweiten Bauabschnitt geben werde war also bekannt und öffentlich gemacht worden, dennoch kam vom Meridian die Pressemeldung über den zweiten Bauabschnitt erst an dem Tag, an dem eigentlich die Einschränkungen als beendet angekündigt waren. 

Das sagt die Deutsche Bahn

Bernd Honerkamp, Sprecher der Deutschen Bahn AG erklärt rosenheim24.de gegenüber, dass Meridian und Bahn schon vor Monaten über die geplanten Baumaßnahmen gesprochen hätten. Dennoch wurden Fahrgäste erst sehr kurzfristig informiert, woran dies liegt, beantwortete er nicht. Weitere Baumaßnahmen seien geplant, hieß es weiter.

Eines wird bei dem Versuch, Licht ins Baustellenchaos zu bringen, klar: Bahn und Meridian werden sich nicht einig. Die Kommunikation zwischen den beiden Unternehmen scheint nicht zu funktionieren, was bereits daran deutlich wird, dass die Baudaten in den jeweiligen Pressemeldungen nicht übereinstimmen. Auch über den Zeitpunkt der Informationsweitergabe bekommt man auf Nachfrage sehr unterschiedliche und verwaschene Antworten. Verantwortlich für die Unzufriedenheit der Fahrgäste will niemand sein. Diese baden letztlich wohl die fehlende Kommunikation zwischen Bahn und Meridian aus.

jv

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