So entwickelt sich die Landwirtschaft im Kreis Rosenheim

"Es zeigen sich die Grenzen des Wachstums"

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Landkreis Rosenheim - Immer weniger Betriebe, die aber intensiver wirtschaften. So lässt sich die derzeitige Entwicklung der Landwirtschaft in der Region zusammenfassen, aber die Grenzen des Wachstum zeigen sich allmählich.

"Ohne Landwirte geht es nicht", zitiert das Oberbayerische Volksblatt (OVB) Landrat Wolfgang Berthaler bei seinem Auftritt vor kurzem beim Kreisbauerntag in der Rosenheimer Inntalhalle. Als erfreulich sah er die positive Entwicklung im Bereich des Nachwuchses. Mit 120 Studierenden in fünf Klassen ist die Zahl der Auszubildenden in der Landwirtschaftsschule Rosenheim so hoch wie nie zuvor, sie ist sogar bayernweit führend. "Wir mussten in den letzten Jahren aufgrund der hohen Anmeldezahlen meist ein Auswahlverfahren durchführen", berichtet Wolfgang Hampel, Behördenleiter des Amts für Landwirtschaft, Ernährung und Forstwirtschaft (AELF) Rosenheim im Gespräch mit rosenheim24.de.

Die Entwicklung der Zahl gemeldeter landwirtschaftlicher Betriebe im Vergleich:

Anmerkung: Es werden die Bereiche der AELF Töging (Zuständig für die Landkreise Mühldorf und Altötting) sowie Traunstein (Zuständig für die Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land) verglichen. Im Rahmen der Agrarreform 2005 wurden in diesem Jahr die sogenannten Zahlungsansprüche zugeteilt. Dies war der Grund dafür, dass in diesem Jahr mehr, vor allem kleinere Betriebe einen Mehrfachantrag gestellt haben.Statistisch gesehen kommt es dadurch zu einer Zunahme der Betriebe im Jahr 2005. Von 2005 zu 2006 kam es dann aber wieder bereits zu einem überdurchschnittlichen Rückgang .

Die Zahl landwirtschaftlicher Betriebe nimmt auch in der Region langsam aber stetig von Jahr zu Jahr ab. "Das ist aus der jährlichen Mehrfachantragstellung, bei der verschiedene Förderprogramme zu einem Antrag zusammengefasst werden, feststellbar", erklärt Hampel. Die Gründe für die Aufgabe der Landwirtschaft sind vielfältig. Oft sind keine Hofnachfolger vorhanden, die weitermachen wollen. "Der Arbeitsmarkt bietet in der Region gute Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft mit geregelten Arbeitszeiten und guten Verdienstmöglichkeiten", erläutert Hampel, "Zudem empfinden viele Landwirte neben der vielen Arbeit und den schwankenden Erzeugerpreisen auch die fehlende Anerkennung ihrer Arbeit durch die Gesellschaft als belastend."

Die Entwicklung der Zahl der Betriebe im Vergleich (nach rechts ziehen)

Jahr AELF / Bezirk

1998

1999

2000

2001

2002

2003

2004

2005

2006

2007

2008

2009

2010

2011

2012

2013

2014

2015

2016

2017

Summe Bayern

153.540

149.710

144.422

137.585

133.517

129.674

126.004

133.073

128.626

124.616

122.018

119.983

117.085

114.849

113.099

111.817

110.475

109.071

107.765

106.717

Oberbayern

36.008

35.301

34.146

32.879

32.142

31.480

30.820

32.726

31.757

30.995

30.422

30.009

29.588

29.112

28.763

28.515

28.299

28.012

27.717

27.568

Rosenheim

3.738

3.645

3.533

3.410

3.348

3.290

3.231

3.371

3.218

3.154

3.105

3.077

3.030

3.001

2.981

2.962

2.924

2.898

2.899

2.891

Töging

4.020

3.905

3.791

3.655

3.544

3.491

3.423

3.667

3.557

3.484

3.421

3.390

3.326

3.270

3.235

3.203

3.187

3.163

3.136

3.138

Traunstein

4.853

4.802

4.670

4.568

4.513

4.421

4.348

4.565

4.466

4.377

4.280

4.251

4.204

4.153

4.096

4.062

4.038

3.991

3.972

3.945

Trotzdem falle auf, dass der Rückgang der Landwirtschaft in Stadt und Landkreis Rosenheim geringer ausfalle, als in anderen Regionen und dem bayerischen Durchschnitt. "Über einen längeren Zeitraum betrachtet, liegt die durchschnittliche Aufgabquote in Rosenheim bei etwa einem Prozent pro Jahr." Die aufgegebenen Flächen werden in der Regel an andere Landwirte verpachtet. "Verkauft wird eher selten", so Hampel. Dadurch steigt langsam aber stetig die durchschnittliche Betriebsgröße. Diese nahm von 2007 bis 2017 von 21,6 auf 23,3 Hektar je Betrieb zu, was eine Zunahme von acht Prozent bedeutet. Bayernweit war es durchschnittlich eine Zunahme von 25,9 auf 30 Hektar pro Betrieb, also eine Zunahme von 16 Prozent. 

"Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die Entwicklung der Flächenverluste durch Bebauungen aller Art, ökologische Ausgleichsflächen und vor allem bei Almen die Verbuschung", so Hampel. Im Landkreis Rosenheim ging innerhalb der letzten zehn Jahre 1,1 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche verloren, bayernweit waren es 0,8 Prozent. 

Die Entwicklung der Milcherzeugung im Vergleich: 

Im Bereich der Viehhaltung ist bayernweit in den letzten Jahrzehnten eine starke Spezialisierung im Gang. Insgesamt hat sich die Milchviehhaltung auf die Grünlandregionen zurückgezogen und wurde dort intensiviert. Dagegen die Schweinehaltung in größeren Beständen ist heute in den Ackerbauregionen zu finden. "Dabei ist die Futtersituation von entscheidender Bedeutung", so Hampel, "In unserem Landkreis bestehen hervorragende Ertragsbedingungen für Grünfutter und Silomais!"

Entwicklung der Milcherzeugung  im Vergleich

Region/Tonnen

1995

2000

2015

1995 zu 2015

2000 zu 2015

Bayern

7 772 970

7 650 205

8 126 471

+4,3

+5,9

Oberbayern

2 278 006

2 251 557

2 434 728

+6,4

+7,5

Altötting

108 463

105 561

109 158

+0,6

+3,3

Berchtesgadener Land

74 966

76 821

98 854

+24,2

+22,3

Mühldorf a. Inn

188 815

187 217

209 151

+9,7

+10,5

Rosenheim

327 802

347 055

421 437

+22,2

+17,6

Traunstein

269 283

264 285

306 684

+12,2

+13,8

Auch bei der Viehhaltung ist ein Rückgang der Betriebe bei einer gleichzeitig intensiveren Nutzung zu beobachten. Beispielsweise ist die Zahl der Schafhalter im Zeitraum von 1999 bis 2016 von 298 auf 176 bei 7114 statt 9244 Schafen zurückgegangen.  Allerdings ist der Durchschnittsbestand von 31 auf 40 Tiere gestiegen. Ähnlich ist es bei den Milchviehhaltern. Deren Zahl nahm im selben Zeitraum von 2664 zu 1677 ab. Allerding blieb die Zahl der gehaltenen Tiere mit 64541 Tieren 2016 gegenüber 64565 Tieren 1999 stabil, gleichzeitig aber kamen statt 24,2 1999 im Jahr 2016 38,5 Milchkühen pro Halter, eine Zunahme von 59 Prozent. Gleichzeitig nahm die Milchleistung pro Kuh um 20 Prozent zu.

"In den letzten Jahrzehnten wurden zur Arbeitserleichterung und Verbesserung der artgerechten Haltungsbedingungen viele Laufställe gebaut", so der Behördenleiter, "Dies erforderte hohe Investitionen, die oftmals betriebliche Erweiterungen nach sich zogen." Im Jahr 2015 wurde außerdem die Milchquote abgeschafft. Insgesamt ist die Milcherzeugung im Landkreis in den letzten 20 Jahren um 22,2 Prozent angestiegen, bayernweit nur um 4,3 Prozent. 

Grenzen des Wachstums zeigen sich

"Allerdings zeigen sich auch immer mehr die Grenzen des Wachstums!", betont Hampel, "Die landwirtschaftliche Fläche für Wachstumsbetriebe wird knapper und die Pachtpreise klettern in die Höhe!" Auch Biogasbetriebe treten als zusätzliche Konkurrenten am Pachtmarkt auf. "Zwischenzeitlich geht der Aufwuchs von sieben Prozent der Fläche unmittelbar in derzeit 100 Biogasanlagen im Landkreis." Außerdem würde die neue Düngeverordnung zu spürbaren Restriktionen bei der Ausbringung von Wirtschafts- und Handelsdünger führen. "Dies wird auch langfristig Auswirkungen auf die Zahl der Rinder im Landkreis haben." 

hs

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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