Landrat setzt weiter auf kleine Wohneinheiten

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Der ehemalige Koniwirt in Breitbrunn ist derzeit die größte Unterkunft für Asylbewerber im Landkreis. Aktuell sind dort 17 Flüchtlinge untergebracht.

Rosenheim - Bei der Unterbringung von Asylbewerbern bleibt Landrat Josef Neiderhell seiner Linie treu, auch wenn das nicht immer bei allen Bürgermeistern auf Gegenliebe stößt.

Er kündigte in der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses an, auch künftig nicht an die Anmietung großer Sammelunterkünfte zu denken.

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Eine dezentrale Unterbringung der Asylsuchenden in kleineren Wohneinheiten ist seiner festen Überzeugung nach der "bessere Ansatz für die Integration dieses Personenkreises" als große Gemeinschaftsunterkünfte und Essenspakete. Der sogenannte "Rosenheimer Weg" sei auch deshalb sinnvoll, weil dem Landkreis nur Flüchtlinge zugeteilt würden, die eine berechtigte Hoffnung auf Anerkennung und das damit verbundene Bleiberecht hätten. Freimütig räumte Neiderhell ein, dass dieser Weg manchmal "mühevoll" sei; nicht zuletzt auch deshalb, weil der Landkreis zum Teil mit Zeitmietverträgen arbeiten müsse. Er nutzte deshalb die Sitzung auch, um Verständnis für die Haltung des Landkreises zu werben und die Bürgermeister um Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Quartieren zu bitten.

16 Unterkünfte

154 Asylbewerber leben nach Angaben des Landratsamtes derzeit im Landkreis Rosenheim. Sie sind auf insgesamt 16 Unterkünfte verteilt, die sich in 14 Gemeinden befinden. Die größte Unterkunft ist der ehemalige Koniwirt in Breitbrunn am Chiemsee, der nach Auskunft von Landkreis-Pressesprecher Michael Fischer eine Herberge für 17 Flüchtlinge bietet. Die aktuell kleinste Unterkunft ist eine Wohnung in Riedering, in der zwei Asylanten leben.

Wolfgang Berthaler, Rathaus-Chef in Flintsbach und Sprecher der Bürgermeister im Landkreis, meldete sich im Kreisausschuss zwar nicht zu Wort, bestärkt den Landrat jedoch ausdrücklich in seiner Haltung. "Der Landkreis geht den richtigen Weg", sagt er und findet diese Überzeugung in seiner eigenen Gemeinde bestätigt. Hier hat der Landkreis vor einigen Jahren ein mitten im Ort gelegenes Haus gekauft, in dem heute neben sozial Schwächeren rund ein halbes Dutzend Asylbewerber wohnen. "Die sind gut integriert und nie negativ aufgefallen", weiß Berthaler. Gäbe es in Flintsbach beispielsweise eine große Unterkunft mit 50 Asylanten, sähe er dagegen schon Probleme auf die Gemeinde zukommen. Was kritische Untertöne von Bürgermeister-Kollegen betrifft, die bei der Unterbringung von Asylbewerbern Spannungen mit den Einwohnern in ihrem Ort befürchten, führt Berthaler diese auf Ängste zurück, deren Basis Unwissenheit sei. Die Ängste seien jedoch meist unbegründet, "wenn das Mischungs-Verhältnis stimmt".

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Hamon Tanin, der ehrenamtlich bei der Initiative Migration in Rosenheim tätig ist, will die Vorteile der im Landkreis üblichen Praxis bei der Unterbringung von Flüchtlingen nicht in Abrede stellen, aber auch Probleme nicht verschweigen. Kleinere Wohneinheiten begrüßt Tanin uneingeschränkt. "Das ist ein großer psychischer Vorteil für die Menschen, weil sich nicht so viele unterschiedliche Kulturen und Launen auf engstem Raum treffen." Allerdings seien die Flüchtlinge vielfach auf sich alleine gestellt. So gebe es beispielsweise keine ausreichende Beratung in sozialen Angelegenheiten und Rechtsfragen, meint Tanin, der 1993 aus Afghanistan gekommen war und mittlerweile ein Bleiberecht in Deutschland hat. Auch das Dolmetscher-Netz im Landkreis sei lückenhaft, bemängelt der studierte Politikwissenschaftler, der derzeit an seiner Doktorarbeit schreibt.

Norbert Kotter (OVB-Heimatzeitungen)

Quelle: rosenheim24.de

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