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Südlich der Lerchenberger Straße

Stolperei oder konstruktive Planung? Zweite Chance für Haager Baugebiet

Das Baugebiet „Südlich der Lerchenbergerstraße II“ soll eine neue Chance bekommen. Mit einem neuen Planungsbüro und vielen Vorgaben soll es dieses mal klappen.
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Das Baugebiet „Südlich der Lerchenbergerstraße II“ soll eine neue Chance bekommen.

Totgesagte leben länger, dieser Spruch könnte auch auf die Bauleitplanung „Südlich der Lerchenberger Straße II“ in Haag zutreffen. Denn das eigentlich bereits abgelehnte Baugebiet bekommt eine neue Chance. Dieses Mal soll es klappen.

Haag in Oberbayern– Seit etwas mehr als zwei Jahren beschäftigen sich die unterschiedlichen Gremien der Gemeinde mit dem Baugebiet. Immer wieder kam es dabei zu Streitigkeiten, unter anderem über die Erschließung, die Breite der geplanten Straßen, den Lärmschutz. Knackpunkt war allerdings die Entwässerung. Anwohner und Teile des Gemeinderates befürchteten bei Starkregen, eine Überflutungsgefahr in Altdorf. Im Februar wurde schließlich das Verfahren auf Eis gelegt. Zu groß waren für viele die Bedenken. Nun stand das Baugebiet aber erneut auf der Tagesordnung des Bauausschusses.

Zweite Chance im beschleunigten Verfahren

„Wir haben die Möglichkeit, das Baugebiet mit unserem Ansiedelungsmodell im beschleunigten Verfahren neu aufzulegen“, erklärte Bürgermeisterin Sissi Schätz (SPD). Dazu werde ein Planungsbüro von der Gemeinde beauftragt – bislang gingen die Planungen vor allem vom Investor und den Grundstückseigentümern aus –, das die Gutachten zum Lärmschutz und zur Überflutungsgefahr zu berücksichtigen habe. Diese seien derzeit in Arbeit und würden bis zum Billigungsbeschluss vorliegen.

Weiterführung oder Neuauflage?

Um das Verfahren weiter voranzutreiben, seien allerdings einige grundlegende Punkte zu klären. Unter anderem, inwiefern die bisher aufgestellte Planung fortgeführt werden könne oder, ob das neue Büro von vorne anfangen sollte. „Ich denke, es handelt sich hier um Änderungen, die eingepflegt werden können“, erklärte Schätz. Das sah Dritter Bürgermeister Florian Haas (PWG) jedoch anders. Er plädierte dafür, den „mutigen Schritt zu gehen und einen Neuanfang zu wagen“: „Es sind in diesem Baugebiet Problempunkte erst später aufgetreten“, erklärte Haas, unter anderem das Problem der schlechten Versickerung. „Man hat immer versucht, nachzubessern. Doch jetzt hätten wir die einmalige Chance, nach zwei Jahren und neuen Erkenntnissen neu anzufangen und aus unseren Fehlern zu lernen.“

„Stolperei“ oder konstruktive Planung?

Stefan Högenauer (CSU) sah dies ähnlich: „Bei dem Verfahren sind wir Schritt für Schritt weitergestolpert und irgendwann in einer Sackgasse gelandet. Aus meiner Sicht muss man hier zurück auf Los gehen und neu starten.“

Dem widersprach jedoch: Herbert Zeilinger (WFH): „Das war keine Stolperei. Wir haben hier konstruktiv versucht, das Bauvorhaben weiter und zum Ende zu bringen.“ Es gebe bestimmte Punkte, die noch einmal überdacht werden sollten, unter anderem die Breite der Straßen, die zu groß sei, aber einen Neuanfang brauche es nicht. „Aus meiner Sicht ist hier händeringend nach Gründen gesucht worden, das Verfahren zu verzögern“.

Haas verbat sich jedoch diese Kritik. Er und Zweiter Bürgermeister Högenauer hätten mit dem Investor vor einigen Wochen das Gespräch gesucht. „Wenn wir hier etwas verhindern wollen würden, hätten wir wohl nicht mit ihm gesprochen.“ Zudem habe der Investor schon im März alternative Planungsvorschläge vorgelegt. „Ein Neuanfang heißt also nicht, dass das Ganze hinausgezögert wird.“

Weitere Erschließung über die Wieskappelle?

Dr. Bernhard Grabmeyer (FWG) verwies darauf, dass „das Ringen, um einen Kompromiss eigentlich positiv“ sei. Schließlich seien die Gremien von den Bürgern beauftragt, „die „Dinge von allen Seiten zu betrachten.“ Weiterhin problematisch sah er die Erschließung des Baugebiets und fragte, ob es nicht doch eine Möglichkeit gebe, die Straße „ An der Wieskapelle“ in die Planung mit einzubeziehen. Schätz erklärte, dass derzeit ein Erschließungsvertrag mit den Grundstückseigentümern rund um die Wieskapelle aufgesetzt werden. „Es fehlt eigentlich nur noch einer, der ist aber abgabebereit.“

Viele Vorschläge zu berücksichtigen

Die Stimmung im Ausschuss fasste sie als „wohlwollend für das Baugebiet“ zusammen und bat um konkrete Vorschläge, die dem neuen Planungsbüro auf dem Weg gegeben werden sollten. Und davon gab es viele.

Klaus Breitreiner (CSU) verwies auf die schlechte Versickerung. „Das ist das Hauptproblem und die Flächenversiegelung von 80 Prozent.“ Diese liege vor allem an den Tiefgaragen. Schätz gab zu bedenken, dass diese vor allem für die geplante Senioren-Tagespflege gedacht seien. „Die halte ich schon für sinnvoll.“

Haas plädierte für mehr Mehrfamilienhäuser, allerdings nicht wie die derzeit geplanten „großen Kästen.“ Außerdem wäre er für mehr Doppelhäuser. Generell solle man sich bei der Planung an die Vorgaben des Baugebiets Haag Nord-Ost halten.

Stich- statt Ringstraßen?

Högenauer stimmte zu, ergänzte jedoch, dass sich das Gremium bei Haag Nord-Ost noch mehr Gedanken gemacht habe. Beispielsweise über ein Verbot von fossilen Brennstoffen und eine Solarpflicht. Bürgermeisterin Schätz verwies darauf, dass dieser Beschluss zwar gefasst wurde, aber einem Beschluss des Gemeinderats aus dem Jahr 2020 widerspreche. „Dann sollte man sich darüber mal Gedanken machen und das erneut einbringen“, erklärte Christine Sax (Grüne).

Andreas Sax (CSU) brachte erneut die Straßenführung ein und schlug vor, dem Büro den Auftrag zu erteilen, einen Plan ohne Ring- und stattdessen mit Stichstraßen vorzulegen.

Grabmeyer fragte nach, wie es mit der Planung von Gewerbe aussehe und bat um Klärung.

Schlussendlich fasste der Rat mehrere Beschlüsse, die dem Planungsbüro mit auf den Weg gegeben werden sollten (siehe unten). Eine generelle Aufstellung der Bauleitplanung im beschleunigten Verfahren befürwortete das Gremium einstimmig.

Die Beschlüsse

Planung von mehr Mehrfamilienhäusern mit maximal acht Parteien: zugestimmt mit acht zu zwei von Herbert Zeilinger (WFH) und Dr. Bernhard Grabmeyer (FWG).

Planung von mehr Doppelhäusern: zugestimmt mit einer Gegenstimme von Herbert Zeilinger (WFH).

Planung von mehr Dreispannern: zugestimmt mit einer Gegenstimme von Herbert Zeilinger (WFH).

Flächenversiegelung soll verringert werden: einstimmig.

Möglichkeit einer ortsnahen Versickerung, unter Verwendung von beispielsweise Mulden-Rigolen-Systemen und Retentionszisternen, soll geprüft werden: einstimmig.

Eine Solarpflicht soll eingeführt und die Verwendung von fossilen Brennstoffen verboten werden: zugestimmt mit sieben gegen drei Stimmen von Josef Hederer (PWG), Sissi Schätz (SPD) und Herbert Zeilinger (WFH).

Planung einer Tagespflege für Senioren soll weitergeführt werden: einstimmig.

Nutzung von unverträglichem Gewerbe, wie Tankstellen, soll ausgeschlossen werden: einstimmig.

Einer Planung mit einer Erschließung mit Stichstraßen soll vorgelegt werden: zugestimmt mit acht zu zwei.

Straßenbreite soll geringer geplant werden: abgelehnt mit drei zu sieben.

Nur Satteldächer sollen zulässig sein: abgelehnt mit drei zu sieben Stimmen..

Blechdächer sollen ausgeschlossen werden: abgelehnt mit fünf zu fünf.

Alle Dachformen sollen erlaubt sein: zugestimmt mit sieben zu drei.

Eine Grünordnung, die die Planung von Bäumen auf freien Flächen und ein Verbot von Steingärten vorsieht, soll berücksichtigt werden: einstimmig.

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