Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Wie das Abfüll-Projekt verhindert werden soll

Kampf um wertvolles Pollinger Tiefenwasser: Jetzt formiert sich Widerstand

Lena Koch vor dem Werk Weiding: Dort stellt die Firma Innfood Babynahrung her. Künftig will das Unternehmen auch Mineralwasser abfüllen. Dagegen mobilisiert sich Widerstand.
+
Lena Koch vor dem Werk Weiding: Dort stellt die Firma Innfood Babynahrung her. Künftig will das Unternehmen auch Mineralwasser abfüllen. Dagegen mobilisiert sich Widerstand.

Sechs Millionen Liter Wasser will die Firma Innfood aus Tiefbrunnen in Weiding im Landkreis Mühldorf als Mineralwasser abfüllen. Dagegen formiert sich Widerstand. Jetzt begann eine erste Aktion.

Mühldorf/Polling – Eine Initiative aus dem Landkreis will mit einer Petition an den Landtag die Herstellung von Mineralwasser in Weiding verhindern. Damit soll das dort geförderte Grundwasser aus großer Tiefe weiterhin ausschließlich für die Produktion von Babynahrung verwendet werden dürfen. Die Petition geht über das konkrete Vorhaben der Firma Innfood aber hinaus und will bayernweit Tiefenwasser für künftige Generationen reservieren.

Wasser zur Herstellung von Babynahrung

Seit Jahrzehnten nutzen verschiedene Firmen in Weiding Tiefenwasser zur Herstellung von Babynahrung. Jetzt will die Firma Innfood einen Teil dieses Wassers als Mineralwasser abfüllen.

Dagegen regt sich nicht nur in Polling Protest, inzwischen soll eine bayernweite Petition das Vorhaben stoppen. Ins Leben gerufen haben sie die Grünen Lena Koch aus Polling und Stephan Schinko aus Mühldorf. „Wir wollen die Mineralwasserabfüllung verhindern“, nennt Koch als Ziel. „Es soll dort nicht in PET-Flaschen abgefüllt werden.“

Für spätere Generationen

Dabei beruft sich Koch auf eine Aussage aus dem bayerischen Umweltministerium aus dem Jahr 2017: „Tiefenwasser ist eine eiserne Reserve für die Versorgung der Bevölkerung in besonderen Not- und Krisenfällen“, heißt es dort.

Koch macht deutlich, dass damit auch die Wasserversorgung der Zukunft gemeint ist. „Wir wollen das Tiefenwasser schützen für unsere Enkelkinder.“ Unterstützung erhält Koch vom Umweltreferenten des Mühldorfer Stadtrats Stephan Schinko. Der Grünen-Kommunalpolitiker betont: „Man sieht, dass die Grundwasserspiegel dramatisch sinken. Wir müssen uns deshalb mit der Thematik befassen, wie wir mit diesem Absinken umgehen.“

An den meisten Pegelstellen sinkt das Grundwasser

An 70 bis 80 Prozent aller Grundwassermessstellen sei ein Absinken des Pegels feststellbar. „Das ist eine dramatische Entwicklung.“ Seine Forderung: Weniger Grundwasser verbrauchen, vor allem von dem, das in großer Tiefe lagert.

Die drei von Innfood genutzten Brunnen reichen nach Angaben von Pollings Bürgermeister Lorenz Kronberger bis in maximal 180 Meter Tiefe. Zum Vergleich: Die Brunnen in Mößling zur Versorgung der Mettenheimer Gruppe mit Trinkwasser erreichen eine Tiefe von zehn Metern. Die Brunnen in Weiding fördern insgesamt 1,6 Millionen Kubikmeter Wasser.

Infood will 600.000 Kubikmeter, das ist knapp ein Drittel des in Weiding geförderten Wassers, als Mineralwasser verkaufen. Insgesamt stehen dort 1,6 Millionen Kubikmeter zur Verfügung. „Damit könnten wir Millionen Menschen mit Wasser aus dem Hahn versorgen“, sagt sie. Zusätzlich belasten die Transportfahrten mit Lastwagen die Nachbarn und die Region. Nach ihrer Rechnung unter Berufung auf Zahlen der Innfood sind das 144 Lastwagen, die rund um die Uhr das Werk anfahren und wieder verlassen.

Neues Genehmigungsverfahren nötig

Vor die Abfüllung von Mineralwasser hat der Gesetzgeber allerdings ein neues Genehmigungsverfahren gestellt, bestätigt das Landratsamt. „Der jeweils genehmigte Verwendungszeck umfasst nicht die Abfüllung von Mineralwasser“, heißt es auf Anfrage. „Sollte dies zukünftig umgesetzt werden, ist ein neues wasserrechtliches Verfahren sowie eine komplette Neubeurteilung der wasserwirtschaftlichen Verhältnisse nötig.“

Öffentlichkeit soll beteiligt werden

Genau an diesem Punkt setzt die Petition an, die Koch vertritt. „Wir wollen eine Beteiligung der Öffentlichkeit, die derzeit nicht vorgesehen ist.“ Sie hofft, dass sich der Bayerische Landtag dieser Forderung anschließt.

Noch kein Antrag im Landratsamt

Ein Antrag der Innfood liegt nach Angaben des Landratsamts aber noch nicht vor, das bestätigt auch ein Sprecher des Unternehmens. Damit kann die Behörde auch noch keine Auskunft darüber geben, wie das rechtliche Verfahren für eine Genehmigung aussieht und ob die Öffentlichkeit beteiligt wird.

Nicht betroffen von der Ablehnung sei die Verwendung des Tiefenwassers zur Herstellung von Babynahrung, betont Petitions-Initiatorin Koch. „Es geht nur um die Abfüllung von Mineralwasser in PET-Flaschen.“ Zur Petition hat sich das Unternehmen gestern trotz Anfrage nicht geäußert.

Sollte die Petition zustande kommen, muss sich der Umwelt- und später der Petitionsausschuss des Landtags damit befassen. Über 2000 Unterschriften hat die Initiative nach eigenen Angaben bereits gesammelt. Sie und weitere sollen am 14. September dem Landtag übergeben werden.

Gemeinde Polling ermöglicht Bau der Abfüllanlage

Die Gemeinde Polling hat die notwendige Änderung des Flächennutzungs- und Bebauungsplans im Gemeinderat knapp mit acht zu sechs Stimmen beschlossen. Diese Änderung ist notwendig, damit die Firma Innfood eine Abfüllanlage bauen kann. Denn die Anlage soll auf einem Grundstück entstehen, das ursprünglich für die Erweiterung der Kläranlage vorgesehen war. Innfood-Geschäftsführer Christian Sommer betonte vor dem Pollinger Gemeinderat, dass das Familienunternehmen die derzeit genehmigte gesamte Fördermenge von insgesamt 1,6 Millionen Kubikmeter auch künftig nicht überschreiten wolle. Ein Teil davon, solle aber für die Mineralwasserproduktion genutzt werden.

Innfood will regionale Vermarktung des Mineralwassers

Marketingleiterin Anna Katharina Jostock, deren Familie das Unternehmen Innfood gehört, betonte im Gemeinderat den regionalen Ansatz: „Es ist doch besser, regionales Wasser zu trinken, als teures Wasser aus den Vogesen herzuschaffen.“ Sie sagte zu, dass Innfood den Grundwasserstand ständig überwachen werde.

Kommentare