Stadt betont: Ist nur als Übergangslösung gedacht

Neubau der Mühldorfer Obdachlosenunterkunft: Reicht Mindestausstattung?

Mühldorf am Inn - Reicht eine Mindestausstattung für die neue Obdachlosenunterkunft? Darum drehte sich die Debatte im Mühldorfer Stadtrat.

„Die momentane Unterkunft ist bei Leibe nicht das schönste Gebäude“, erklärte Stadtbaumeisterin Birgit Weichselgartner dem Stadtrat. Dieser beschloss in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich die Errichtung eines Neubaus der Obdachlosenunterkunft in Systembauweise. Dabei handelt es sich um ein Bauverfahren, bei dem das Gebäude aus vorgefertigten Bauteilen oder Modulen zusammengesetzt wird. Die Bauteile werden in einem Werk gefertigt, dann zur Baustelle transportiert und nach dem Baukastenprinzip zusammengesetzt.


Nur als Übergangslösung gedacht: Reicht Mindestsstattung bei Mühldorfer Obdachlosenunterkunft?

Die Stadt Mühldorf unterhält an der Altöttinger Straße, zwischen Rennbahn und Kläranlage, eine Obdachlosenunterkunft. Das Gebäude stammt aus dem Jahr 1962. In dem Gebäudekomplex befinden sich auf drei Stockwerken insgesamt 24 Wohnungen. Es handelt sich um eine Mischung aus Ein-, Zwei- und Dreizimmer-Wohnungen. Davon sind 16 derzeit von 19 Personen belegt, 15 Männern und vier Frauen. „Der Standard der Wohnungen ist sehr einfach, mit jeweils einer eigenen Toilette, einem Waschbecken mit fließend Kaltwasser und einer Küchenspüle mit Kalt- und Warmwasser“, so die Stadtverwaltung. „Geheizt wird über Holz-Einzelöfen.“


Wir sind auf rechtlicher Grundlage verpflichtet, obdachlosen Personen eine Notunterkunft auf Zeit zuzuweisen, dafür ist das Angebot auch stets ausreichend. Die Betroffenen sollen dort nur so lange übergangsweise wohnen, bis sie alleine oder mit Hilfe von Angeboten, beispielsweise der Caritas, des Landratsamts oder des Jobcenters ein dauerhaftes Heim gefunden haben“, so die Stadtverwaltung weiter. „Die Personen, die das nutzen, sind dazu aus allen möglichen Gründen gezwungen und entsprechend vielfältig sind die Bewohner. Beispielsweise sind darunter auch Leute, die zwangsgeräumt wurden oder aus einem sonstigen Grund ihr Obdach verloren haben. Aber auch anerkannte Flüchtlinge oder Personen, die nach einer Entlassung aus der JVA noch keinen Ort zum Leben haben.“

Abriss statt teurer Sanierung und Ersatz durch Neubau in Systembauweise

Die Gebäude hätten jetzt ein Alter erreicht, das einige umfangreiche Sanierungs-Maßnahmen nötig mache. „So müsste das gesamte Dach erneuert. Auch die Fassade, das Dach und die Kellerdecke müssten wärmegedämmt, sowie die Fenster erneuert werden. Auch stellt die Beheizung mit Holz-Einzelöfen ein Sicherheitsrisiko dar, da die Nutzer teilweise sehr fahrlässig damit verfahren. Um diese Gefahr zu verhindern, wäre der Einbau einer Zentralheizung erforderlich.“ Diese Maßnahmen würden erhebliche finanzielle Mittel erfordern.

„Alternativ dazu wurde geprüft, ob die Notunterkunft auch in einem neu zu errichtenden Systemgebäude kostengünstiger untergebracht werden kann“, so die Verwaltung weiter. „Dieses soll nach den Mindeststandarts in Größe und Ausstattung geplant und errichtet werden. Der Mindesplatzbedarf ist dabei mit zehn Quadratmetern festgelegt. Die Unterbringung soll, getrennt nach Geschlechtern, in Dreibett-Zimmern erfolgen.“ Nur bestimmte Personen sollen Einbett-Zimmer erhalten.

Kritik an Mindestausstattung

Mehrere Stadträte meldeten Kritik daran an, dass das Gebäude nur die Mindeststandarts erfüllen soll. „Wir sind doch eine große Stadt und könnten uns etwas besseres leisten!“, kritisierte etwa Angelika Kölbl (SPD). „Da könnte man doch ein bisschen Geld in die Hand nehmen, um es schöner zu gestalten“, bemerkte auch ein weiterer Grünen-Stadtrat. „Die Sache ist: Das soll ausdrücklich nur eine Übergangslösung sein, bis eine dauerhafte Bleibe gefunden ist“, entgegnete Ordnungsamts-Leiter Fritz Waldinger. „Manche ziehen es vor, dauerhaft dort zu wohnen. Aber dafür ist es ja eigentlich nicht gedacht.“

„Warum wird es Paaren nicht möglich gemacht, dort zusammen zu wohnen?“, erkundigte sich Claus Debnar (Linke). „Das würde dann die Problematik eröffnen, dass wir immer wieder entscheiden müssten, was denn nun als ‚Paar‘ zu verstehen ist. Da gibt es ja neben der klassischen Ehe alle möglichen Modelle und das würde zu unnötigen Komplikationen führen“, betonte Waldinger. „Zudem wurde das bisher noch nie kritisiert, den Leuten scheint es also so recht zu sein.“ „Es muss ausdrücklich gesagt werden: Das ist einfach nicht als dauerhafte Wohnlösung gedacht und darum wird es auch nicht dafür gebaut“, betonte auch Erster Bürgermeister Michael Hetzl (UM) abschließend.

hs

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