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Das „Top Team“ der Stadt Mühldorf

Die Jugend-Filmschmiede am Inn – Warum Günther Knoblauch einst Filme für Israel produzierte

Günther Knoblauch (links) mit seiner „Film-Crew“, von denen 1987 einige auf „Tour“ in Israel unterwegs waren, was auch der damalige Bürgermeister von Mühldorf Josef Federer (rechts) zu würdigen wusste. (Von links) Günther Knoblauch, Karl Obermeier, Raimund Drechsler, Christian Schelske, Erika Fischer, Nadja Weißflogg, Werner Zaglauer, Renate Hinterseer, Josef Federer.
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Günther Knoblauch (links) mit seiner „Film-Crew“, von denen 1987 einige auf „Tour“ in Israel unterwegs waren, was auch der damalige Bürgermeister von Mühldorf Josef Federer (rechts) zu würdigen wusste. (Von links) Günther Knoblauch, Karl Obermeier, Raimund Drechsler, Christian Schelske, Erika Fischer, Nadja Weißflogg, Werner Zaglauer, Renate Hinterseer, Josef Federer.

Einige Jahrzehnte ist es her, als Günther Knoblauch als Jugendreferent der Stadt Mühldorf die Jugendgruppe „Top Team“ auf den Weg gebracht hat. Zusammen mit den Jugendlichen hat er nicht nur überregional bekannte U-16-Diskos im Mühldorfer Alabama gestemmt. Auch ein Filmprojekt mit einem damit verbundenen Israel-Abenteuer ließ vor 35 Jahren aufhorchen.

Mühldorf – Wie die Jungfrau zum Kinde gekommen ist Günther Knoblauch als Gesicht des Biennale Bavaria Filmpreises ganz sicher nicht. Man muss geschichtlich nur etwas tiefer graben und wird fündig, wo man es nicht glaubt: Vor rund 35 Jahren hat der Altbürgermeister von Mühldorf in seiner damaligen Funktion als städtischer Jugendreferent mit Jugendgruppe und Verein „Top Team“ zwei Filme produziert und die sogar während und nach einer Israel-Tour vorgeführt.

„Egal, ob es nun die Biennale ist oder die Jugendarbeit – es geht doch immer darum, junge Leute zu Engagement zu motivieren“, erzählt Knoblauch. Ob er mit dem 1987 gedrehten Kurzfilm für einen lokalen Friseurladen am Stadtwall, der wiederum in Verbindung mit einem israelischen Kosmetikhersteller vom Toten Meer stand, die Kriterien für den Kurzfilm-Contest der nächsten Biennale erfüllen würde? Knoblauch winkt mit einem Schmunzeln ab.

Mit dem Film den Verein unterstützen

Damals sei es vor allem um Geldeinnahmen für die Jugendarbeit gegangen, erzählt Knoblauch. Immerhin 3 000 D-Mark habe das Filmwerk damals als Auftragsarbeit, das letztendlich Kosmetik-Produkte vermarkten helfen sollte, gebracht. Für das Film-Equipment gesorgt hat Sony in Unterhaching, das dem Top Team eine top-moderne Kamera samt Schnittprogramm für dieses Projekt zur Verfügung gestellt hatte. Kostenlos.

Das „Top Team“ traf sich im Keller von Günther Knoblauchs Privathaus. Von links: Stefan Porkert, Georg Rettenbeck, Hermann Brugger, Vorsitzender Christian Schelske, Raimund Drechsler, Marianne Bauer, Werner Salzberger, Mario Drechsler, vorne sitzend Günther Knoblauch und Luise Ruhland.

Wie man damit umgeht, hat Knoblauch bei einem Tagesbesuch im Unternehmen kurzerhand gelernt. Dann ging es los mit den Dreharbeiten im Salon, auf dem Stadtplatz, am Flugplatz – Kamera, Schnitt und Musikauswahl: Günther Knoblauch. Mit dabei war unter anderem seine damalige Nachbarin, die eine Friseurkundin mimt; dazu drei Friseurinnen, die sich selbst spielen.

Der Film begeistert als Werbefilm freilich nicht mit einer tiefsinnigen Handlung. Es geht um das pure Lebensgefühl der 80er-Jahre mit den damals doch sehr peppigen Outfits vor ausgesuchten Kulissen der Inn-Stadt, die den Film zu einem Hingucker machen. Ganz anders der zweite, direkt in Israel gedrehte Film, der eine Dokumentation aus dem Heiligen Land ist. Auch hier lohnt sich ein Blick auf ein lebendiges Zeitdokument – Bethlehem oder Jerusalem, wie sie Ende der 80er-Jahre waren.

Vom Friseur am Stadtwall zum Tempelberg

Wie man an so einen Film rangeht? „Fragen Sie mich etwas Leichteres. Wir haben viel ausprobiert“, so das Mühldorfer Urgestein mit einem Grinsen. Ideen seien ihm ja nie ausgegangen. Dennoch: „Ein Film, das war etwas Neues. Nächte lang habe ich im Keller die Aufnahmen geschnitten, Bilder gemischt“, erinnert er sich.

Vor allem die musikalische Untermalung musste ins Schwarze treffen. Zum Beispiel mit einem Cover von Maurice Williams & The Zodiacs Kracher aus den 60-er-Jahren „Stay“, das gerade um 1987 herum mit Dirty Dancing die Kino-Leinwand weltweit erobert hatte, holte Günther Knoblauch das aktuelle Lebensgefühl der Zeit in seinen Film. Kein Wunder, waren doch das „Hauptgeschäft“ des Top Teams die U-16-Jugend-Diskos im Mühldorfer Alabama, wofür man mit den neusten Musik-Videos, die per Beamer auf Leinwand gezaubert wurden, von CBS versorgt wurde. Die ganze Technik – neben Beamer eine Lautsprecheranlage und eine Leinwand – lagerte bei Günther Knoblauch im Keller.

Musik-Videos bei Jugend-Diskos

Von den rund 80 000 Mark, die Knoblauch und seine Truppe damals bei Sony auf den Tisch legen durften, kam einiges von der städtischen Jugendförderung zurück in die Vereinskasse; auch das Bräu Erharting, das damals den Stadtsaal gebaut und betrieben hat, stockte noch ein wenig oben drauf. Den Rest der Schulden baute das Top Team mit diversen Veranstaltungen und Disko-Partys – und ja, mithilfe eines Filmprojekts – wieder ab.

Gemeinsames Abenteuer Israel

Eine Win-Win-Situation, vor allem auch für einen Teil der Film-Crew, die eine außergewöhnliche kulturelle Begegnung in Israel obendrauf erhalten hat. „Wir kamen in Bethlehem an und ein großer 500er Mercedes mit sieben Plätzen und einem Chauffeur stand für uns am Flugplatz bereit“, erinnert sich Günther Knoblauch an das Abenteuer. Selbst dem langjährigen Bürgermeister Bethlehems Eljas Freij waren er und sein Team im Rahmen der Film-Vorführung in einem Hotel über den Weg gelaufen. Für Mühldorfs Altbürgermeister eine der großen Erinnerungen.

So etwas passiere eben nur dann, wenn man gemeinsam etwas auf die Beine stellt, betont Knoblauch: „Allein bist du ein Depp. Miteinander kann man viel mehr erreichen.“ Und das gelte auch für die Biennale Bavaria, mit der Knoblauch nun verstärkt in die Schulen und Vereine gehen möchte.

In seinem Mühldorfer Biennale-Bavaria-Büro erinnert sich Günther Knoblauch an seine eigenen Zeiten als Filmemacher.

Wenn man die Chance nutzt und sich oder seine Arbeit in einem Kurzfilm für das Festival produziert, komme man vielleicht nicht unbedingt nach Israel, so der Vereinsvorsitzende „Internationales Festival des Neuen Heimatfilmes“. Aber: „Man kommt ins Kino und kann sich dann darüber austauschen.“

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