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Hotspot Mühldorf

Coronaflucht leicht gemacht - Kritik an unterschiedlichen Coronaregeln in Altötting und Mühldorf

Es wird leer: Erich Rudhof ist Geschäftsführer im FTZ, das heute zum Teil in den Lockdown muss. Denn der Therapiebereich, immerhin zwei Drittel des Betriebs, gelten die strengen Regeln nicht. Wer aber im Fitnessbereich sportlich aktiv war, muss pausieren oder in den Landkreis Altötting wechseln. Denn dort gelten die Regeln nicht.
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Es wird leer: Erich Rudhof ist Geschäftsführer im FTZ, das heute zum Teil in den Lockdown muss. Denn der Therapiebereich, immerhin zwei Drittel des Betriebs, gelten die strengen Regeln nicht. Wer aber im Fitnessbereich sportlich aktiv war, muss pausieren oder in den Landkreis Altötting wechseln. Denn dort gelten die Regeln nicht.

Wer in Mühldorf keinen Schweinsbraten im Wirtshaus mehr bestellen kann, fährt nach Altötting, aus Buchbach geht es zum Sporteln nach Dorfen: Trotz großer Nähe und hoher Zahlen gelten Coronaregeln nicht überall gleich.

Mühldorf – Ein Problem der neuen Hotspotregelung kann Friseurobermeisterin Helga Wimmer sehr plastisch beschreiben.

Sie betreibt ihr Geschäft in Neuötting und damit im Landkreis Altötting.

Corona-Flucht-Tourismus ist leicht möglich

Corona-Flucht-Tourismus. Der ist möglich, weil für Nachbarlandkreise mit ähnlich hoher Corona-Inzidenz unterschiedliche Regeln gelten. Mühldorf: über 1000, Altötting, Erding, Ebersberg: leicht darunter.

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Dass es diesen Corona-Flucht-Tourismus bei den Friseuren nicht geben wird, ist nach Wimmers Angaben den massiven Interventionen des Verbands zu verdanken. Zahlreiche Brandbriefe an Politiker und den Landtag hätten am Montag Wirkung gezeigt. „Augenscheinlich mit Erfolg“, sagt Wimmer. „Wir sind sehr glücklich“, sagt Pierina Savo, die ihr Haarstudio in Waldkraiburg betreibt, denn ihre Kunden müssen nicht den Landkreis verlassen oder verwildern.

Wirtshäuser bleiben im Nachbarlandkreis offen

Fast vergessen ist der Stress, seit Ende vergangener Woche alle Termine absagen und jetzt wieder zurückrudern zu müssen. Sicherheitsbedenken hat sie nicht. „Bei uns ist es immer sehr sauber, wir kontrollieren, die Kunden tragen Masken und wir stehen ja auch nie direkt voreinander.“

Zum Sport nach Töging

Für andere gilt dagegen die Lockdownregel, obwohl sie den Corona-Flucht-Tourismus verstärken könnte. Das macht Barabara Lang, Betreiberin des Fitness-Studios „Mei Energy“ in Mühldorf deutlich. Natürlich schließt sie in Mühldorf, Kunden hätten aber trotzdem die Möglichkeit zu trainieren. Denn sie betreibt ein Studio in Töging, Landkreis Altötting.

Keine Sorgen um Pandemieförderung

Bedenken, damit zur Pandemie beizutragen, hat sie nicht: „Bei uns werden größere Abstände eingehalten als beim Friseur. Doch der darf öffnen, wir nicht.“ Dabei sei Fitness Gesundheitssport.

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Ob sich die ungleichen Regeln auf die Gastronomie auswirken werden, ist unsicher. Stephanie Nomeier, die die Bastei in Mühldorf leitet, spricht von ohnehin rückläufigen Besucherzahlen. „Der Sommer war sehr gut, die Leute wollten raus, das hat man gemerkt.“ Doch zuletzt sei es anders gewesen: „Die Leute sind seit drei Wochen vorsichtiger geworden, es kamen viel weniger.“ Die Bastei stellte zunächst den Mittagstisch ein und schloss Sonntagsabends. „Wir hätten auch ohne Lockdown zugemacht“, sagt Nomeier, „es hat sich nicht mehr gelohnt.“ Ihre 26 Mitarbeiter schickt sie in Kurzarbeit.

Aktuelle Artikel und Nachrichten finden Sie in unserem Dossier zur Corona-Pandemie

Eine landkreisübergreifende Zusammenarbeit mit freiwilligen Maßnahmen wie vor einigen Wochen wird es diesmal trotz dieser Phänomene nicht geben. Das teilte das Landratsamt gestern auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen mit. Zur Begründung verwies die Behörde auf die Infektionsschutzverordnung und den Inzidenzwert 1000 als Grenze. „Solange die Voraussetzungen in Altötting nicht vorliegen, gelten dort auch nicht die Verschärfungen“, heißt es. „Über die Vorgaben der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung hinausgehende Verschärfungen sind aufgrund der Grundrechtseingriffe eines partiellen Lockdowns nur sehr schwer zu begründen.“

Mühldorfs Landrat Heimerl verteidigt Vorschriften

Dazu reicht wohl auch das gemeinsame Klinikunternehmen der beiden Landkreise und die damit auf alle Krankenhäuser verteilte Belastung nicht als Grund. Gestern lagen dort in den drei Akutkliniken Altötting, Burghausen und Mühldorf 91 Coronapatienten, zwölf weniger als am Vortag. 23 wurden auf der Intensivstation behandelt und beatmet.

Coronainzidenzwert liegt bei 1160

Der Inzidenzwert betrug im Landkreis Mühldorf laut Robert-Koch-Institut 1160, gestern kamen 259 Fälle dazu.

Landrat Maximilian Heimerl, der stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender des Inn-Klinikums ist, zeigt Verständnis für die neue Regelung: „Ein harter Lockdown, wie er in den Hotspots vollzogen wird, ist ein strenger Eingriff in die Grundrechte, der klar definiert und begründet sein muss“, sagt er. „Dafür hat die Staatsregierung die 1000er-Inzidenz in den Landkreisen als Maßstab gesetzt. Das ist nachvollziehbar.“

Friseure ja, Kinder nein

Enttäuscht von der Entscheidung des Landtags, Kindern Vereinssport in Turnhallen zu untersagen, ist Sebastian Lang, Vater von Buben im Alter von vier und sechs Jahren. Er hatte in der vergangenen Woche zusammen mit Vereinsvertretern aus dem Landkreis den Landtag aufgefordert, Kinder nicht vom Hallensport auszuschließen. Er ist nach der Parlamentssitzung und den Beschlüssen tief enttäuscht. Bundes- oder Landeskader und Profisportler seien von dieser Regel ausgenommen und dürften weiter trainieren. „So sieht aus meiner Sicht Diskriminierung aus“, sagt Lang. Nach seiner Ansicht ist das Risiko minimal, das für Kinder und Jugendliche durch die Tests in der Schule auch Nachmittagssport sicher sei.

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