Experte erklärt

Darum ist die Immobilien-Blasen-Gefahr im Kreis Mühldorf "kritisch"

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Landkreis Mühldorf am Inn - Warum ist ausgerechnet im Landkreis Mühldorf am Inn die Immobilien-Blasen-Gefahr "kritisch"? Wir haben uns beim Autor der Studie erkundigt.

Kürzlich veröffentlichte das Beratungshauses "Empirica" eine Analyse zum Risiko von Immobilien-Blasen in Deutschland. In Bayern wird dort ausgerechnet für den Landkreis München die Gefahr nur als "mäßig" eingestuft. Dagegen Landkreise wie Unterallgäu und Schwandorf, aber auch Mühldorf am Inn werden als "kritisch" eingestuft. "Wir haben drei wesentliche Indikatoren betrachtet", erläutert Diplom-Volkswirt Dr. Reiner Braun, der Autor der Studie. "Zum ersten den sogenannten Kaufpreis-Vervielfältiger, also wie viele Jahresmieten im Kaufpreis einer Immobilie stecken. Zum zweiten, ob der Kauf einer Eigentumswohnung mit dem regionalen Einkommen machbar ist und drittens die Zahl der Fertigstellungen pro 1000 Einwohner." 

Im Fall des Landkreis Mühldorf gelte:

  • 2005 seien es noch 23 Jahresmieten für eine neue Eigentumswohnung gewesen, mittlerweile 32, also fast die Hälfte mehr. In den zwölf größten deutschen Städten liege er bei 33.
  • Das Preis-Einkommens-Verhältnis wiederum habe sich von 3,6 zu 5,1 Jahreseinkommen vermehrt. "Das kann sich der Durchschnittverdiener nicht mehr leisten." 
  • Die Zahl der Fertigstellungen betrage 6,6 pro 1000 Einwohner. "Das ist deutlich mehr als der Bedarf" Im Bundesdurchschnitt sind es drei.
Die Blasengefahr wachse, wenn die Schere zwischen Kaufpreisen und Mieten weiter aufgeht. "Wenn die Zahl der Jahresmieten, die man für einen Kaufpreis aufbringen muss, sehr stark steigt, kann das auf eine spekulative Übertreibung hindeuten", so Braun. Kritisch würde es, wenn sich Privathaushalte zur Finanzierung ihrer Immobilienkäufe zunehmend verschulden müssten. "Der Wohnungsmarkt ist dann enorm anfällig, wenn es zu einer wirtschaftlichen Krise oder Verschlechterung kommt." Der Einbruch würde zudem begünstigt durch die übermäßige Fertigstellung neuer Wohnungen aber auch staatliche Eingriffe wie einen Mietendeckel oder die Mietpreisbremse. Eine genaue Prognose, wann es zum Platzen der Blase kommen könnte, sei aber nicht möglich, betont Braun.

Immobilien-Preis-Problem schon länger bekannt

Das die Immobilienpreise im Landkreis Mühldorf enorm angestiegen sind, ist schon länger Thema in der Region. Im Mai warnten Experten bereits vor steigenden Immobillienpreise angesichts der A94-Eröffnung im Oktober. "Die Nachfrage nach Wohnungen wird dadurch steigen, das ist immer so", erklärt auch Braun, merkt aber an: "Das heißt aber nicht, dass dadurch auch die Blasengefahr verschärft. Denn das ist nur der Fall, wenn der Kaufpreis schneller steigt, als die Mieten." 

Quelle: innsalzach24.de

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