Corona-Impfzentren je Landkreis: Erste Details aus dem Kreis Altötting

Neuötting rüstet Hallenbad für 400 Impfungen täglich - Dr. Döllein: „Das ist ziemlich cool bei uns...“

Allgemeinarzt Dr. Döllein über neues Corona-Impfenztrum im Hallenbad Neuötting
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Allgemeinarzt Dr. med. Jan Erik Döllein über den Standort des neuen Corona-Impfenztrums im Hallenbad Neuötting.

Neuötting - Der Corona-Impfstoff rückt näher. Bis 15. Dezember sind die Landratsämter aufgerufen, einen geeigneten Standort für die speziellen Impfzentren je Landkreis zu finden und entsprechend auszustatten. Im Kreis Altötting steht dieser Ort schon fest. Allgemeinarzt Dr. med. Jan Erik Döllein kann uns mehr darüber erzählen.

Es wird gewerkelt, umgebaut, analysiert, damit bis Mitte Dezember alles steht: Das Kreishallenbad in Neuötting ist bereits Corona-Teststation und wird nun um das Impfzentrum erweitert. Diese konkreten Pläne bestätigte zunächst Markus Huber vom Landratsamt Altötting gegenüber innsalzach24.de: „Das Zentrum wird im Schwimmbereich des Hallenbads untergebracht, räumlich getrennt von der Teststation.“


Das Gebäude in der Badstraße zentral gelegen im Herzen von Neuötting kennen die Leute, es habe „ideale Voraussetzungen“, sei „seitens der Infrastruktur sehr geeignet“ und weise „genügend Parkplätze und Fläche für die Menschen“ auf. Damit ist der Landkreis Altötting den Nachbarkreisen Mühldorf, Traunstein, Berchtesgadener Land und Rosenheim, die sich derzeit noch mit logistischen Fragen für einen geeigneten Standort eines solchen Impfzentrums beschäftigen, einen Schritt voraus.

Corona-Impfzentrum bis zum 15. Dezember im Hallenbad Neuötting einsatzbereit


Dass die Vorbereitungen für das Impfzentrum in Neuötting soweit in geordneten Bahnen laufen, kann auch Dr. Döllein bestätigen. Er war im Frühjahr Versorgungsarzt im Katastrophenfall und ist jetzt seit 18. November koordinierender Arzt in der Funktion des Versorgungsarztes wie im Katastrophenfall als Bindeglied zwischen Landratsamt und Medizinern.

Im Gespräch mit innsalzach24.de erzählt er von den Plänen und dem aktuellen Stand: Im Hallenbad wurde das große Sportbecken mit Trockenbau überbaut, sodass auf dieser Fläche acht Impfkabinen, zwei Schockräume und ein großer Wartebereich für die Zeit nach der Impfung, um auf mögliche Unverträglichkeiten reagieren zu können, realisiert werden können. Zudem wurden Räumlichkeiten geschaffen, an denen der Impfstoff zum Verimpfen aktiviert werde kann.

Begegnungsverkehr zwischen den Patienten des Test- und des Impfzentrums soll es aufgrund einer Einbahnstraßenregelung nicht geben. Das Testzentrum ist wie bisher über den Hallenbad-Haupteingang erreichbar, das Impfzentrum kann an der Ostseite bei den Sportplätzen über den vorderen Notausgang der Schwimmhalle betreten werden.  Das Impfzentrum soll montags bis freitags von 13 bis 17 Uhr geöffnet sein. Bis zur Frist zum 15. Dezember wird die Station einsatzbereit sein, ist sich Dr. Döllein sicher.

Wichtiger als die räumliche Ausstattung ist für den Allgemeinarzt aus Neuötting die personelle Aufstellung. Grundsätzlich wolle man das Personal zum Impfen aus dem Kreis der niedergelassenen Ärzte und Arzthelfer zusammenstellen. „Das ist ein Ansatz, den traut sich sonst keiner und ist ziemlich cool bei uns. Aktuell haben wir bereits 75 Rückmeldungen von Arzthelfern, die bereit wären, in der Impfstation zu helfen, 20 Ärzte sind dabei.“

In jedem Landkreis gibt es auch einen großen Teil an Patienten - gerade im Hochrisikobereich - die aufgrund von Immobilität nicht ins Impfzentrum kommen können. Hier kommen mobile Teams zum Einsatz, die beispielsweise in Kliniken oder Heimen impfen.

Ideale Lagerbedingungen der Wirkstoffe in den Corona-Impfzentren

Hintergrund, warum der Wirkstoff - wie bei der Influenza-Impfung üblich - nicht in den Hausarztpraxen gelagert und verimpft wird sind in erster Linie die Lagerbedingungen des mRNA-basierten Impfstoffes der Firma Biontech bei Minus 70 Grad. Der zweite Impfstoff des US-Biotechkonzerns Moderna, der aktuell im Gespräch ist, könnte dann bei den mobilen Impftrupps zum Einsatz kommen, da er keine ultrakalte Lagertemperatur benötigt.

Bei der freiwilligen Impfung - einen Impfzwang wird es nicht geben, unterstreicht Dr. Döllein - richtet sich die Priorisierung nach dem Corona-Impfkonzept. Sobald eine Zulassung erfolgt, sollen am stärksten gefährdete Menschen sowie Fachpersonal zuerst geimpft, wie das Gesundheitsamt bereits offenbarte. Wie viele Leute dann tatsächlich den Weg ins Impfzentrum finden, darüber kann man Dr. Döllein zufolge aktuell nur spekulieren: „Das Potential liegt bei circa 400 Impfungen pro Tag in vier Stunden. Wenn man es zeitlich ausweitet, kann sogar noch mehr geimpft werden.“

Hallenbad dient voll und ganz für Pandemie-Zwecke - Kritik seitens der Bürger

Das Hallenbad hat sich damit schon seit dem Frühjahr dem Dienste der Pandemie verschrieben. Testzentrum, Schwerpunkt-Praxis, die auf Abruf bereit steht, sollten wegen Corona-Befall zu viele Praxen wegbrechen und nun auch noch Impfzentrum - Kritik von Seiten der Bevölkerung blieb da nicht aus - das weiß auch Dr. Döllein.

Er kann den Unmut mancher Bürger durchaus nachvollziehen: „Wenn man bedenkt, dass das Hallenbad ja eigentlich für jene gedacht ist, die gerne schwimmen gehen, kann man es schon verstehen, dass die bisserl auf die Barrikaden gehen. Gerade als ersichtlich wurde, dass wir an dieser Stelle neben der seit März bestehenden Teststation nun auch das Impfzentrum unterbringen. Mittlerweile aber glaube ich - angesichts der hohen Infektionsraten und auch des erneuten Teil-Lockdowns - ist es jedem einleuchtend, dass wir das jetzt nun mal so machen müssen. Das Hallenbad wäre derzeit auch ohne unser Nutzung für Pandemie-Zwecke geschlossen.“

mb

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