Sonst drohen Schließungen und Versorgungsprobleme

Neuöttinger Hausarzt: „Bei Corona-Verdacht bloß nicht in die Praxis kommen“

„Wir sind alle in einer gewissen Habachtstellung. Die Leute rennen uns aber nicht die Türen ein, sind eher zurückhaltender", berichtet der Allgemeinarzt Dr. med. Jan Erik Döllein.
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„Wir sind alle in einer gewissen Habachtstellung. Die Leute rennen uns aber nicht die Türen ein, sind eher zurückhaltender", berichtet der Allgemeinarzt Dr. med. Jan Erik Döllein.

Landkreis Altötting – Was tun bei einem Verdachtsfall? Welche Probleme gibt es derzeit für Hausärzte? Im Gespräch mit innsalzach24.de spricht der Allgemeinarzt Dr. med. Jan Erik Döllein aus Neuötting über das Coronavirus.

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Ein großes Problem könnte für viele Hausärzte in naher Zukunft auftreten. „Wenn man einen Abstrich ohne die vorgeschriebene Schutzausrüstung durchführt und der Patient wird positiv auf das Coronavirus getestet, dann wird die Praxis zwei Wochen unter Quarantäne gestellt“, berichtet Döllein gegenüber innsalzach24.de. Im Landkreis gibt es derzeit rund 70 Praxen. Wenn davon beispielsweise 30 wegbrechen würden, dann komme es zu einem Versorgungsproblem in der Primärmedizin. Laut Döllein sei es zu erwarten, dass es zu bestätigten Fällen auch im Landkreis Altötting kommt und diese steigen werden.


„Das große Problem für jede Hausarztpraxis ist, dass kaum eine Praxis die erforderlichen Schutzmittel besitzt, um einen Abstrich zu machen“, so der Allgemeinmediziner. Seine Praxis in Neuötting hätte beispielsweise noch FFP2-Masken und Handschuhe, allerdings keine Einmal-Schutzkittel. In der hausärztlichen Tätigkeit würden diese nicht benötigt werden.

Bei Verdacht: Anruf in der Praxis

Döllein selbst habe bisher zwei Hausbesuche wegen Corona gemacht und Abstriche durchgeführt, die beide negativ ausgefallen sind. Bisher seien schätzungsweise zehn Personen mit Verdacht auf Corona bei ihm gewesen. „Bei eine m möglichen Verdacht soll unbedingt im Vorfeld die Praxis angerufen werden und man sollte nicht persönlich vorbeikommen“, rät Döllein. Im Gespräch könne die Gefahr einer Infektion schon mal abgeschätzt und das weitere Vorgehen besprochen werden.


Ein Abstrich sollte durch einen Fahrdienst der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) erfolgen, den man beim ärztlichen Bereitschaftsdienst bestellen kann (Telefonnummer: 116117). Zudem gebe es Überlegungen, eine zentrale Stelle im Landkreis aufzubauen, wo die Abstriche abgenommen werden.

Am Mittwoch fand im Landkreis Altötting ein großes Treffen statt, bei dem sich die niedergelassenen Ärzte und Ärzte der Krankenhäuser getroffen haben. Dort hat der Leiter des Gesundheitsamtes Altötting, Dr. Franz Schuhbeck, alle auf den neuesten Stand gebracht. Dabei wurden beispielsweise die zu erwartenden Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung thematisiert.

Döllein: "Noch nie da gewesene Situation"

Grundsätzlich sei die derzeitige Situation eine noch nie da gewesene, egal ob für alle Beteiligten im Gesundheitswesen oder auch für alle Bürger. Sei es Schulschließungen oder die Absage von Veranstaltungen jeglicher Größe. „Wir Arztpraxen müssen uns auch erst Mal konfigurieren“, so der Hausarzt.

„Wir sind alle in einer gewissen Habachtstellung. Die Leute rennen uns aber nicht die Türen ein, sind eher zurückhaltender. Meiner Meinung nach sehen die Menschen die Praxen eher als Infektionsort“, berichtet Döllein. Das Coronavirus treffe im Landkreis auf eine Infektionssituation, die ohnehin schon belastet war. Man habe eine sehr aktive Influenza-Welle und andere aktive Infekte. Auf diese angegriffene Bevölkerungsstruktur treffe nun auch noch das Coronavirus. Eine Beunruhigung sei durchaus spürbar, dennoch vernünftig und gelassen.

„Es ist wichtig, dass wir alle eine gewisse Ruhe bewahren und vernünftig agieren. Mit Panik erreicht man gar nichts. Das Risiko einer Infektion sollte möglichst gering gehalten werden, indem man Veranstaltungen oder größere Menschenmengen meidet. Dann wird auch diese Sache wieder vorbeigehen“, so der Arzt abschließend.

jz

Quelle: innsalzach24.de

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