Alte bayerische Bräuche

Oarscheim, Hasen, bunte Brunnen: Alles rund um Ostern!

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Niedliche Hasen und bunte Eier gehören an Ostern einfach zusammen.
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Landkreis - Ostern verbindet man mit Hasen, religiösen Feiern und vor allem mit einem: Bunte Eier in allen denkbaren Variationen! Und auch die Jahrhunderte alten bayerischen Osterbräuche gibt es noch. Alles rund um das Osterfest im Überblick: 

Oster-Datum variiert Jahr für Jahr

Ostern findet jedes Jahr an einem anderen Tag statt, es ist immer ein Blick in den Kalender nötig. Aber warum ist das eigentlich so? Ganz klar: Die Mathematik ist schuld! Das Oster-Datum zu berechnen gehörte jahrhundertelang zu den kniffligsten Problemen der hohen Mathematik. Selbst Genies wie Carl Friedrich Gauß irrten sich gelegentlich. 

Der Kalender richtet sich nach dem Sonnenjahr, das Oster-Datum aber geht nach dem Mond. Der Ostersonntag ist dabei stets der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling. Da der Frühlingsanfang auf den 21. März festgelegt wird, fällt der Ostersonntag frühestens auf den 22. März und spätestens auf den 25. April. Der 26. April ist zwar rechnerisch möglich, allerdings wird Ostern in diesem Fall eine Woche früher gefeiert.

Ostereier verstecken und suchen ist eine beliebte Tradition des Osterfests. 

Bunte Eier suchen - Warum das Ganze?

Am Ostersonntag werden klassischerweise Ostereier gesucht - für alle Nicht-Kirchgänger und vor allem für die Kinder der spannendste Part am ganzen Osterfest. Obwohl es heutzutage mehr Schokoladeneier sind, war das Osterei von Anfang an eines der zentralen Symbole des Festes. Leider weiß niemand so genau, wie diese Tradition entstanden ist. Eine Erklärung ist, dass das Verstecken der Eier aus der Zeit der Konvertierung der Heiden zum Christentum stammt. Im Falle der Ostereier besagt die Folklore, dass das Verschenken von Eiern zu Ostara, welches eine heidnische Tradition war, von der Kirche unter Strafe gestellt wurde. Die alten Traditionen sollten wohl ausgerottet werden, damit die kirchlichen Bräuche in den Vordergrund rücken. Um sich bei der Fortsetzung dieses alten Rituals nicht erwischen zu lassen, haben die heidnischen Anhänger die Eier nicht mehr persönlich verschenkt, sondern auf den Feldern von Freunden und Familie vergraben und versteckt. Dementsprechend mussten die Ostara-Eier also gesucht werden. Was wir bis heute noch machen.

Was steckt hinter dem Eierfärben?

Auch was das Färben anbelangt, hat sich die Kirche eine Erklärung einfallen lassen: In der griechisch-orthodoxen Tradition erzählt die Legende, Maria Magdalena sei nach Christi Wiederauferstehung zum römischen Kaiser gegangen, um ihm von diesem Wunder zu berichten. Der Kaiser hielt das jedoch für Unfug und meinte, Christus sei genauso wenig auferstanden wie die frisch gelegten Eier vor ihm eine rote Schale hätten. In diesem Moment färbten sich die Eier vor seinen Augen rot, um die Wiederauferstehung zu bezeugen. 

Doch Eier wurden bereits lange vor der Einführung des kirchlichen Osterfestes "geschmückt". Je nachdem, welche Mittel einem zur damaligen Zeit zur Verfügung standen, sah die Dekoration unterschiedlich aus. Wer es sich leisten konnte, wickelte die Eier in Blattgold ein, wer etwas ärmer dran war, kochte die Eier zusammen mit Blättern oder Blüten verschiedener Blumen, um ihnen Farbe zu geben. Diese Tradition ist bis heute fester Bestandteil des Osterfests. 

Der Osterhase bringt die bunten Eier - das war aber nicht immer so. 

Was verbindet den Hasen mit Ostern? 

Der Osterhase ist das bekannteste Symbol der Osterzeit, er bringt die Ostereier und süßen Leckereien am Ostersonntag. Doch was steckt dahinter? Eine mögliche Erklärung besagt, der Hase sei das Symbol der Fruchtbarkeitsgöttin Eostre, da er sich gerne rapide vermehrt. Der niedliche Hoppler wurde mehr oder weniger von der christlichen Kirche in die Geschichte und Mythologie um Ostern herum integriert. Es gibt genügend Beispiele in der Kunst und Architektur aus der Antike, in welchem der Hase als Sinnbild von Leben und Wiedergeburt gilt. Der Osterhase bringt auch erst seit dem 17. Jahrhundert die Eier, davor hatte er jede Menge Helfer und Vorgänger: Je nach Region kamen Fuchs, Kuckuck, Storch oder ein Ostervogel vorbei.

Lamm - Ein Klassiker zu Ostern

Traditionell kommt an Ostern Lamm auf den Tisch - aber woher kommt der Brauch, an Oster Lamm zu essen? In einigen Religionen, etwa im Islam oder im alten Judentum, wurden junge Schafe früher als Opfertiere verwendet, geschlachtet und verspeist. Mit seinem weißen Fell gilt das Lamm als Symbol für Reinheit und Frieden. Das "Agnus Dei", das Lamm Gottes, steht im christlichen Glauben für die Auferstehung Christi. 

Ein Klassiker an Ostern: Das Lamm gehört zum Fest dazu. 

Würzige Kochkunst am Gründonnerstag 

In vielen Haushalten wird am Gründonnerstag eine kräftige Kräutersuppe aufgetischt, oft "Kräutlsuppe" genannt. In eine Brühe, die zum Beispiel mit Kartoffeln oder anderem Gemüse verfeinert wird, kommen frische Kräuter wie Kerbel, Brunnenkresse, Bärlauch, Brennnessel, Gänseblümchen, Löwenzahn Sauerampfer und Schnittlauch. Das Rezept dafür wird oft seit Generationen weitergereicht. 

Es darf wieder gevespert werden! 

Endlich ist die Fastenzeit vorbei, die Menschen dürfen wieder alles essen. Entsprechend üppig sind die Körbe mit Speisen gefüllt, die an Ostern mit in den Gottesdienst genommen und am Altar geweiht werden. Das ganze nennt sich dann "Speisenweihe". Auf alle Fälle gehören bunte Ostereier in die Körbe, Salz und fast immer liegt ein geräucherter Schinken dabei, Brot oder ein aus Hefeteig gebackenes Osterlamm ist ebenfalls mit von der Partie. Das Ei symbolisiert dabei neues Leben, Salz die Auferstehung. So mancher ältere Gläubige legt das hartgekochte Ei angeschlagen ins Körbchen, „damit die Weihe auch eindringen kann“, wie er seinen Enkelkindern weismachen will.

Prächtig geschmückte Weidenkätzchen wie hier in Ramsau gehören zum Oster-Brauchtum in Bayern dazu.

Kurioser Lärm gehört zum Programm! 

Wenn nach dem Gloria bei der Gründonnerstagsmesse die Glocken schweigen und erst in der Osternacht wieder das erste Mal läuten, schlägt die Stunde der Karfreitagsratschen. Die Ministranten erzeugen mit den hölzernen Klappern auf der Straße einen eigenartigen Lärm. Auch in der Kirche ersetzen die Ratschen das Glockenläuten etwa bei der Wandlung. Es gibt auch fahrbare Ratschen auf Schubkarren und Kastenratschen, die mit einer Kurbel betrieben werden.

Dumpfe Klänge des Trauerchors

Jetzt wird es christlich und still: An Karfreitag zieht in Lohr am Main die traditionelle Karfreitagsprozessionen durch den Ort. Nur die Blaskapelle und Paukenschläge durchbrechen das Schweigen. Dunkel gekleidete Handwerker tragen 13 lebensgroße Figuren auf Holzpodesten durch den unterfränkischen Ort. Sie zeigen den Leidensweg Jesu vom Abendmahl bis zur Kreuzigung. Der 1658 erstmals urkundlich erwähnte Umzug gilt als der älteste im deutschsprachigen Raum. Tausende Zuschauer säumen die Straßen. Auch im oberfränkischen Neunkirchen am Brand oder in Bamberg gibt es Karfreitagsprozessionen.

Bunt geschmückt und gespickt mit Eiern

Busweise fahren Ausflügler in der Osterzeit durch die Fränkische Schweiz und bestaunen Brunnen, die mit Girlanden aus Tannenzweigen und bunt bemalten Eiern geschmückt sind. Der Brauch der Osterbrunnen ist über 100 Jahre alt. Die Menschen wollten damit zum Ausdruck bringen, wie lebensnotwendig das Wasser ist. Auf den Hochebenen der Fränkischen Schweiz war das Wasser knapp, als es noch keine Leitungen gab. Die Menschen mussten es aus dem Tal mühsam auf den Berg transportieren. Am berühmtesten ist der mit mehr als 10.000 Eiern verzierte Osterbrunnen in Bieberbach im Landkreis Forchheim.

Festlich geschmückt mit unzähligen bunten Eiern: Die Osterbrunnen in Franken.

Kullernde Ostereier geben Gas!

Ein lustiger Osterbrauch für Familie und Freunde ist das Oarscheim - für alle Nicht-Bayern: Eierschieben - müssen Ostereier über eine schräge Bahn kullern. Es gibt verschiedene Spielarten. Die einen lassen die Eier über die Stiele von zwei parallel verlaufenden Rechen kullern, andere verlegen das Spiel an eine abschüssige Wiese. Um die Punkte zu zählen, wird auf jedes Ei, das in der Wiese liegt, ein Geldstück gelegt. Wessen Ei die Münze von einem anderen Ei schubst, der darf das Geld behalten. Gewonnen hat, wer die meisten Münzen hat. 

Etwas für "Ausgeschlafene"

Als "Palmesel" wird in so mancher Familie der bezeichnet, der am Palmsonntagmorgen als letzer aufsteht. Und auch an den drei Tagen vor Ostern ärgert man Langschläfer mit - im Grunde zwar nicht böse gemeinten - aber dennoch recht derben Beschimpfungen, wie dem "Gründonnerstagslümmel", der "Karfreitagsratschn" und der "Karsamstagsbritschn" ("Britschn" ist eine aufsässige, bösartige Frau). Erst am Ostersonntag, wo es wegen des traditionellen Besuchs der Osternacht recht schwer ist, lange im Bett zu bleiben, wird aus dem Spätaufsteher ein liebes "Osterlamm".

mb/dpa

Quelle: rosenheim24.de

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