Immer mehr Kleinkinder werden "außer Haus" betreut

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München - Immer mehr Eltern in Bayern lassen ihre Kinder bereits vor dem Kindergartenalter in einer Krippe oder von Tageseltern betreuen. Mit einer Betreuungsquote von 20,6 Prozent hinkt Bayern dem bundesweiten Schnitt noch immer hinterher, ist aber bei weitem nicht Schlusslicht.

In Bayern wird jedes fünfte Kind unter drei Jahren in einer Krippe oder von einer Tagesmutter betreut. Die Betreuungsquote in dieser Altersgruppe stieg innerhalb eines Jahres um zwei Prozentpunkte auf 20,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mitteilte. Damit liegt Bayern weiterhin unterhalb des bundesweiten Durchschnitts: Deutschlandweit besucht derzeit jedes vierte Kind (25,4 Prozent) unter drei Jahren eine Krippe, Kita, Krabbelstube oder Tageseltern. Noch niedriger als in Bayern ist die Betreuungsquote den Statistikern zufolge mit knapp 16 Prozent in Nordrhein-Westfalen.

Bayerns Familienministerin Christine Haderthauer (CSU) sagte, die meisten Kommunen hätten ihren Bedarf an Krippenplätzen in den vergangenen drei Jahren gedeckt. “Sorgen bereiten mir allerdings die Großstädte - allen voran München. Hier besteht naturgemäß ein höherer Bedarf, deshalb müssen die Verantwortlichen ganz besonders aufs Tempo drücken“, sagte Haderthauer. In München stehen oft mehr als 100 Kinder auf der Warteliste für einen Krippenplatz.

Ab dem ersten Geburtstag wird jedes fünfte Kind außer Haus betreut

Vor dem ersten Geburtstag lassen kaum Mütter und Väter ihre Kinder in Bayern außer Haus betreuen: Nur 2,1 Prozent der Kinder unter einem Jahr besuchten eine Krippe oder Tageseltern. Bei ein bis zwei Jahre alten Kindern lag der Anteil bereits bei 20 Prozent. Im Alter von zwei bis drei wurden dann schon 39,4 Prozent aller Kinder extern betreut. Die Zahlen bezogen sich auf Anfang März.

Bund, Länder und Kommunen hatten den Ausbau der Kinderkrippen im Jahr 2007 vereinbart. Der Bund versprach den Ländern damals, dafür bis 2013 vier Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen. Schon am Montag war bekanntgeworden, dass die angestrebte Betreuungsquote von 35 Prozent in den westdeutschen Bundesländern bis 2013 voraussichtlich nicht zu erreichen ist. Dies wären bundesweit rund 750 00 Plätze.

Vom Kindergartenjahr 2013/14 an gibt es für Mädchen und Jungen ab dem 1. Geburtstag einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) warf den Ländern mangelndes Engagement beim Ausbau der Kleinkinderbetreuung vor. Nur Hamburg und Bayern hätten bislang die ihnen zustehenden Bundesmittel verplant. Bayern gehöre damit zu den Ländern, die beim Ausbau gut vorankämen.

Haderthauer zeigte sich zuversichtlich, dass sich diese Entwicklung fortsetzt. “Bis 2013 werden rund 110 000 Plätze für Kinder unter drei Jahren zur Verfügung stehen, das entspricht etwa 36 Prozent Abdeckung.“ Maßgeblich seien allerdings nicht Prozentzahlen, sondern die Deckung des Bedarfs, die jede Kommune gewährleisten müsse.

Ude: Städte dürfen nicht mit Klagen überzogen werden

Den mit Abstand höchsten Anstieg bei den Plätzen meldet Rheinland-Pfalz, wo die Betreuungsquote 2011 binnen eines Jahres um 4,5 Punkte auf 24,8 Prozent kletterte. Überdurchschnittlich hohe Zuwächse gab es auch in den norddeutschen Bundesländern Hamburg, Schleswig-Holstein, Bremen und Niedersachsen. Das geringste Plus verzeichnet mit 1,9 Prozentpunkten Nordrhein-Westfalen. Im Bundesschnitt beträgt das prozentuale Plus 2,2 Prozentpunkte und liegt damit etwas oberhalb des Zuwachses in Bayern.

Die Kommunalverbände fordern eine Überprüfung des Kita-Ausbaus. Städtetagspräsident Christian Ude (SPD) warnte: “Es darf nicht dazu kommen, dass die Städte mit Klagen und Schadensersatzforderungen überzogen werden, falls der Rechtsanspruch am 1. August 2013 nicht erfüllt werden kann.“ Der Münchner Oberbürgermeister sagte der “Passauer Neuen Presse“ (Dienstag): “Es muss gemeinsam festgestellt werden, wo die Probleme liegen und welche Maßnahmen daraus abgeleitet werden müssen.“

Rubriklistenbild: © dpa

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