Kriminalstatisik Oberbayern Süd für das Jahr 2017

151.501 Straftaten weniger als im Vorjahr

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v.l. Polizeivizepräsident Harald Pickert und Polizeipräsident Robert Kopp legen die Zahlen für das Jahr 2017 dar
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Rosenheim/Oberbayern Süd - Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd veröffentlichte am Dienstag die Kriminalstatistik für die Region. "Die Zahlen belegen die sehr gute Sicherheitslage", sagt Polizeipräsident Robert Kopp.

Die wichtigsten Entwicklungen im Jahr 2017: 

  • 61.853 Straftaten wurden registriert, das sind 151.501 weniger als im Vorjahr. Ausschlaggebend hierfür ist der erhebliche Rückgang von Verstößen gegen das Aufenthaltsgesetz.
  • Ohne Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz wurden 46.906 Straftaten verzeichnet, was einen deutlichen Rückgang von 5,0 Prozent darstellt (2016: 52.546 Straftaten)
  • Die Aufklärungsquote stieg von 55,5 Prozent auf 73,3 Prozent. Bereinigt um die ausländerrechtlichen Verstöße ist ein Anstieg von 66,1 auf 66,9 Prozent festzustellen.
  • Der seit drei Jahren zu beobachtende Rückgang bei Wohnungseinbruchsdiebstählen hat sich mit einem Minus von 0,6 Prozent fortgesetzt. Um 11,9 Prozent gingen die Diebstahlsdelikte insgesamt zurück. 
  • Positive Entwicklungen sind auch bei Rohheitsdelikten (-1,0 Prozent), Vermögens- und Fälschungsdelikten (-11,8 Prozent) sowie der Straßenkriminalität (-5,1 Prozent) festzustellen.
  • Bei den Sexualdelikten wurde ein Anstieg der Fallzahlen um 116 auf 681 Delikte (+20,5 Prozent) registriert. Ursächlich dafür ist vor allem eine Novellierung des Sexualstrafrechts.

"Die Menschen hier im südlichen Oberbayern leben sicherer als in anderen Regionen Deutschlands", sagt Polizeipräsident Robert Kopp, bevor er die Zahlen für das Jahr 2017 offen legte und erläuterte. "Es ist wichtig unsere Arbeit transparent zu machen, damit die Bürgerinnen und Bürger der Polizei und der Sicherheit vertrauen können." Die Zahl der registrierten Straftaten sei rückläufig, die Aufklärungsquote der Polizei sei gleichzeitig gestiegen.

Gesamtentwicklung

Im Jahr 2017 erfassten die Beamten im Bereichs des Polizeipräsidium Oberbayern Süd 61.853 Straftaten in der Kriminalstatistik. Dabei sind sowohl versuchte als auch vollendete Taten registriert. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr einen deutlichen Rückgang um 71,0 Prozent oder 151.501 Fälle weniger. Der markante Rückgang der Fallzahlen ist vor allem auf den Rückgang der Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz zurückzuführen.

Aufklärungsquote

Aufklärungsquote mit ausländerrechtlichen Verstößen in Prozent:

2013

2014

2015

2016

2017

67,7

71,1

82,3

55,5

73,3

Aufklärungsquote ohne ausländerrechtliche Verstöße in Prozent:

2013

2014

2015

2016

2017

64,3

64,1

64,1

66,1

66,9

Die migrationsbedingte Aufklärungsquote schwankte in den letzten Jahren stark, was sich laut Polizei durch die Erfassungsmodalitäten der Bundespolizei erklären lasse. 

Kriminalität im Kontext mit Zuwanderung

Neben der überwiegenden Mehrheit der Migranten, diepolizeilich nicht in Erscheinung treten, gibt es laut Polizei darunter auch Personen, die in relativ kurzer Zeit eine hohe Anzahl an Straftaten begangen haben. Darunter sogenannte Rohheitsdelikte, wie gefährliche Körperverletzung, Raub oder Widerstand gegen die Staatsgewalt und Straftaten gegen die öffentliche Ordnung. Es sind aber auch Sexualdelikte festzustellen. Hinzu kommen Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und Eigentumsdelikte.

2017 beträgt der Anteil der tatverdächtigen Personen aus dem Kreis der Zuwanderer 12,6 % an allen Tatverdächtigen (ohne ausländerrechtliche Verstöße). Diese sind für 4.242 Straftaten verantwortlich (2016: 4.663). Es ist somit ein Rückgang von 9,0 % zu verzeichnen. Ungeachtet dessen sind in einzelnen Deliktsbereichen mehr tatverdächtige Zuwanderer festzustellen. Dies betrifft Rauschgiftdelikte (+108 Fälle), besonders schwere Fälle von Diebstahl (+32 Fälle) und die Gewaltkriminalität (+76 Fälle).

Der größte Anteil tatverdächtiger Zuwanderer entfällt mit 1.446 Straftaten (2016: 1.396) auf den Bereich der Rohheitsdelikte. Im Bereich der Vermögens- und Fälschungsdelikte sind die Fallzahlen von 2.069 auf 1.286 Delikte rückläufig, wobei hier unter anderem 737 Delikte der Urkundenfälschung einberechnet sind.

Gewaltkriminalität

Die Gewaltkriminalität im Jahr 2017 stellt sich nahezu unverändert im Vergleich zum Vorjahr dar. Mit 1.686 Straftaten (2016: 1.685) hat sich insgesamt ein Delikt mehr ereignet.

Die Deliktsentwicklung stellt damit unverändert den Höchststand bei der Entwicklung innerhalb der letzten zehn Jahre dar. Die Aufklärungsquote im Bereich der Gewaltkriminalität verzeichnet einen positiven Trend und liegt bei 87,8 %. Im Vorjahr lag sie bei 85,5 %, stieg damit um 2,3 %. Besonders erfreulich ist der Umstand, dass alle 17 Mordfälle bzw. versuchte Morddelikte 2017 aufgeklärt wurden.

Straßenkriminalität und Sexualdelikte

2017 wurden 8.067 Delikte der Straßenkriminalität erfasst. Dies sind im Vergleich zum Vorjahr 435 Fälle weniger, was einen Rückgang von 5,1 % bedeutet. 2017 wurden insgesamt 681 Fälle von Sexualdelikten registriert, das sind 116 Fälle mehr als 2016 (Zunahme um 20,5 %). Ursächlich für den Anstieg der Fallzahlen ist vor allem eine umfangreiche Novellierung des Sexualstrafrechts.

"Der Deliktsanstieg ist zwar aufgrund einer Gesetzesänderung erklärbar, nichts desto trotz ist jede Sexualstraftat eine zu viel.

Eine bayernweite Expertengruppe mit Kolleginnen und Kollegen der Schutz- und Kriminalpolizei entwickelte deshalb unter meiner Leitung ein Konzept aus repressiven und präventiven Ansätzen, um die Bekämpfung dieser Delikte noch weiter zu intensivieren", erklärt dazu Polizeivizepräsident Harald Pickert.

Diebstahlskriminalität und Wohnungseinbrüche 

Zum wiederholten Mal sank die Zahl der Diebstahlsdelikte, nämlich von 13.670 erfassten Straftaten im Jahr 2016 auf 12.041 Fälle im Berichtsjahr.

Insgesamt wurden 499 Fälle und somit drei Wohnungseinbrüche weniger als im Vorjahr registriert. Betrachtet man die Entwicklung im Langzeitvergleich, wird die Trendumkehr mit rückläufigen Fallzahlen seit dem Jahr 2015 erkennbar.

Rauschgiftkriminalität

Bei der Rauschgiftkriminalität setzte sich der Anstieg mit insgesamt 4.744 Straftaten (2016: 4.242) weiter fort. Dies entspricht erneut einer deutlichen Steigerung um 502 Fällen oder 11,1 %.

Gewalt gegen Polizeibeamte

In der Statistik konnte für das Jahr 2017 im Vergleich zu 2016 ein Rückgang festgestellt werden. Insgesamt sind 9,5 % weniger Vorgänge erfasst, bei denen Polizeibeamte Opfer von Gewalt wurden. Im Vergleich zum Vorjahr sind das 52 Fälle weniger. In die Betrachtung fließen hier jedoch nur Fälle wie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte oder die verschiedenen Formen von Körperverletzungen ein. Delikte wie Beleidigungen und Gefangenbefreiung bleiben unberücksichtigt. Bei den Widerstandshandlungen gegen Polizeibeamte ist im Jahr 2017 ein Rückgang von 5,9 % zu verzeichnen. Trotzdem wurden bei den Widerstandshandlungen 12 Polizeibeamte so schwer verletzt, dass es insgesamt zu 151 Dienstausfalltagen kam.

Polizeiliche Einsätze in Asylbewerberunterkünften

Mit Stand 31.12.17 wurden im präsidialen Schutzbereich durch verschiedene Lastenträger 67 zentrale und 364 dezentrale Unterkünfte für Asylbewerber betrieben (ab zehn Personen). 31 Unterkünfte dienen ausschließlich der Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Dies bedeutet im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang bei den dezentralen Unterkünften (Stand 31.12.16: 405) und von Unterkünften für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

Neben den Aufgaben, die sich aus der Einreise von Zuwanderern ergeben, ist die Belastung der Polizei durch Einsätze in bzw. an Asylbewerber-unterkünften anhaltend hoch: Beamte des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd wurden im Jahr 2017 insgesamt in 2.899 Fällen zu Asylunterkünften gerufen (2016: 2.939). Das breite Spektrum dieser Einsatzlagen umfasst dabei rein präventivpolizeiliche Maßnahmen bis hin zur Bearbeitung von versuchten Tötungsdelikten.

Auch der Vollzug von Abschiebungen belastet Dienststellen des Polizeipräsidiums nicht unerheblich. Neben einer verstärkten polizeilichen Präsenz an Unterkünften werden lageorientiert auch gezielte Schutzmaßnahmen durchgeführt. Zudem wurde die Zusammenarbeit u.a. mit Gesprächsrunden zwischen Liegenschaftsverantwortlichen und Polizei intensiviert. Kontrollmaßnahmen in Unterkünften werden zum Schutz der Bewohner vor anderen Bewohnern, aber auch zur Verhinderung von Straftaten bzw. von Sicherheitsstörungen durch bereits mehrfach auffällig gewordene Personen durchgeführt.

Politisch motivierte Kriminalität (PMK)

Die Zahl der Straftaten im Staatsschutzbereich stieg von 352 im Jahr 2015 auf 417 Straftaten im Jahr 2016 deutlich an und fiel im Jahr 2017 wieder auf insgesamt 357 Taten. Dies entspricht in etwa dem Stand von 2015.

Islamistischer Extremismus und Terrorismus

Primäres Ziel des islamistischen Terrorismus ist es, Angst und Schrecken zu verbreiten und somit die Menschen in ihrem freien Handlungswillen einzuschränken. Dadurch werden freiheitliche gesellschaftliche Strukturen und bewährte internationale Koalitionen sowie generell die öffentliche Ordnung in westlichen Kulturen in Frage gestellt. Das Töten von Menschen wird dabei zumindest billigend in Kauf genommen.

Besonders zu beachten sind die in Jihad- und Kriegsgebiete ausgereisten und wieder zurückgekehrten Personen. Durch das Absolvieren einer militärischen Ausbildung und mit der damit einhergehenden Radikalisierung stellen sie eine besondere Gefahr dar.

Um sowohl auf abstrakte als auch auf konkrete Gefährdungslagen umgehend reagieren zu können, erarbeitete das Polizeipräsidium Oberbayern Süd entsprechende Konzepte und Maßnahmenkataloge und schreibt diese ständig fort. Diese gewährleisten Handlungsfähigkeit und -sicherheit im Falle einer Gefährdungslage.

Zu Anschlagsplanungen im Bereich des Polizeipräsidiums liegen derzeit keine Erkenntnisse vor.

jb/Pressemitteilung Polizeipräsidium Oberbayern Süd

Quelle: rosenheim24.de

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