Kommunalwahl 2020

Landratswahl Mühldorf: Angelika Kölbl (SPD) zum Thema Flüchtlinge und Integration

Angelika Kölbl

Angelika Kölbl kanidiert als Landrätin für den Landkreis Mühldorf. Wie steht die Kandidatin der SPD zum Thema Flüchtlinge und Integration? Dazu und zu anderen wichtigen Themen haben wir Angelika Kölbl befragt.

Angelika Kölbl zum Thema Flüchtlinge und Integration

Behörden in den Kommunen, Sozial- und Wohlfahrtsverbände, Kirchen, ehrenamtlich engagierten Menschen und nicht zuletzt viele Sportvereine haben dafür gesorgt: die Mammutaufgabe Integration ist auf gutem Wege, auch wenn sie noch nicht überall erreicht ist. Aus meiner ehrenamtlichen Tätigkeit weiß ich, dass es nicht nur positive Seiten im Alltag und im Umgang mit aus schwierigen Situationen geflohenen Menschen gibt.


Manche Details bei der Zuweisung von Sachleistungen wie zum Beispiel ein Beförderungsticket im Stadtgebiet von Waldkraiburg lassen Fragezeichen zurück. Die Unterbringung von Menschen zu Hunderten im Ankerzentrum in Waldkraiburg ist und war auf längeren Zeitraum ein Fehler. Wo es von Seiten des Landkreises Handlungsspielräume gibt, werde ich mich nicht scheuen, als Landrätin kritische Fragen zu stellen und mich für Verbesserungen einsetzen.

+++ Kommunalwahl 2020 in Bayern: Hier finden Sie alle Bürgermeisterkandidaten in den Gemeinden im Landkreis Mühldorf. Hier finden Sie am Wahlabend, 15. März 2020, das Ergebnis der Landratswahl und der Kreistagswahl im Kreis Mühldorf. +++


Integration kann nur im Zusammenspiel von allen Ebenen gelingen. Überwiegend habe ich in den vergangenen Jahren konstruktive Ansätze gesehen, wie beispielsweise die Berufsintegrationsklassen in den Berufsschulen I und II in Kooperation mit dem Berufsbildungswerk Waldwinkel oder die Schaffung der Online-Wohnraumbörse. Trotzdem ist genau zu betrachten, welche der auf den Weg gebrachten Maßnahmen unverändert beibehalten werden kann, wo Nacharbeit zu leisten ist.

Für mich steht fest: humanitäre Hilfe ist ein Gebot aus sozialen, ethischen oder kulturellen Gründen. Aber gleich danach ist es auch verantwortungsvoll, die mittel- und langfristigen Folgen zu bedenken und vorausschauend zu planen, um den Menschen, die bleiben können, eine Perspektive zu bieten, von der wir alle profitieren können: mitmenschlich, füreinander.

Klimaschutz – das sagt die Landratskandidatin der SPD

Der Schutz von Fauna und Flora in unserem Landkreis ist mir wichtig, und bei mir persönlich fängt die Artenvielfalt im eigenen Garten an. Manchmal zum Leidwesen meiner Nachbarn, weil halt alles sehr gut wächst und gedeiht und vorm Gartenzaun nicht halt macht. Ich sage, es ist richtig achtsam, sparsam und sorgfältig mit der uns anvertrauten Natur umzugehen.

Ich finde, unser Landkreis soll mittel- und langfristig mit erneuerbaren Energien autark werden. Ich werde mich für einen Wettbewerb der Kommunen einsetzen mit Zuschüssen durch den Landkreis: „Unser Dorf ist klimafreundlich“ könnte das heißen.

Das ist aber nur ein Aspekt. Es geht um Förderung und Teilnahme an Forschungsprojekten – Stichworte sind „Grüner Wasserstoff“, energieautarkes Wohnen, Planen und Nutzen der kostbaren Bodenressourcen, Unterstützung der Kommunen und Ideenwerkstatt für alle, CO2-Einsparung und den umfassenden Ausbau des Radwegenetzes im Landkreis.

Das Energiegutachten im Landkreis stammt aus 2009, und wir haben durchaus kontinuierlich daran gearbeitet unseren Beitrag zu Energieeinsparung und umweltfreundlichem Verhalten zu leisten. Dass noch mehr geht, ist keine Frage. Aber ich setze weniger auf Vorgaben von „oben herab“, sondern auf Kreativität, Forschung und den Ehrgeiz der Einzelnen, es für die Nachkommen besser zu gestalten.

Nicht nur protestieren und Missstände zu benennen, sondern aktiv vor Ort einen Beitrag zur Behebung leisten, dazu lade ich uns alle ein. Das geht fast überall. Im privaten kleinen, im größeren Freundes- oder Kollegenkreis, in der Kommune, und natürlich im gesamten Landkreis. Damit aus Protest eine Mitmachbewegung wird, das ist mein Ziel. Ideen gibt es unter den Menschen sehr viele, lasst sie uns sammeln und nutzen.

Angelika Kölbl über die medizinische Versorgung in der Region

Das wird uns nach dem Beschluss zur Fusion in den nächsten Jahren finanziell und organisatorisch noch lange beschäftigen. Die Fusion der Kliniken ist richtig. Die Notfallversorgung muss überall gewährleistet sein, aber darüber hinaus ist Schwerpunktsetzung sinnvoll. Im Mittelpunkt des gesamten Prozesses müssen die Mitarbeiter und Patienten stehen. Eine hervorragende Versorgung gelingt nur durch wertgeschätztes, gut ausgebildetes und adäquat bezahltes Personal. Sie sind es, denen wir alle vertrauen. Ich betone, dass wir auf niemanden von ihnen verzichten können.

Gleiche Bezahlung bei gleichen Voraussetzungen muss dabei ebenso selbstverständlich sein wie bezahlbare Wohnungen für das Klinikpersonal in beiden Landkreisen.

Wichtig ist eine flächendeckende Versorgung mit Haus- und Fachärzten. Ziel muss es sein, dass alle Bewohner des Landkreises auf gute, unbürokratische Versorgung und Hilfe zählen können, sei es im Bereich Kinderbetreuung, Gesundheit, Pflege und betreutem Wohnen. Oder auch bei unvorhersehbarer Krankheit.

Der Pflegestützpunkt wurde auf meine Initiative bereits Ende 2018 von unserer Fraktion beantragt. Die Umsetzung muss jetzt bald folgen.

Im Landkreis sind die Hälfte der Bewohner über 50 Jahre alt, jeder zweite Hausarzt hört in den nächsten Jahren auf. Umso wichtiger ist es, dass wir bereits jetzt aktiv werden, Medizinische Versorgungszentren installieren und in eine gute Infrastruktur einbetten. Alles greift ineinander: Verkehrsanbindung, Wohnraum, Ausbildung und Bildung, Gesundheitsversorgung, Barrierefreiheit. Es muss sichergestellt sein, dass alle Bewohner im Landkreis auch Ärzte in ihrer Nähe erreichen können. Und dass wir genügend Pflegefachkräfte in unserer Region haben.

ÖPNV und Elektromobilität – Die Ideen der SPD-Kandidatin

Mein Ziel ist der Stundentakt in jeder Kommune. Dabei geht es mir nicht darum, zu jeder Tages- und Nachtzeit Linienbusse fahren zu lassen. Ich will bedarfsorientierte Angebote vor Ort. Sie sollen sicherstellen, dass Menschen auch ohne eigenen Pkw mobil sind und trotzdem wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll handeln können. Beispiele dafür sind Carsharing, Ruftaxis, Rufbusse.

Für junge Leute oder Familien könnte ein Carsharing-Pool mit einer einfachen Bedienung (Stichwort Digitalisierung) eine sinnvolle Alternative zum Zweit- oder Drittauto sein. Für gleichwertige Lebensverhältnisse in Stadt und Land muss es eine Schnittstelle zum MVV geben. Hier nimmt der Landkreis Mühldorf an einer Grundlagenstudie zur Verbunderweiterung teil.

Mir kommen derzeit in der Diskussion noch zu kurz: Barrierefreiheit bzw. Erleichterung für Menschen mit Handicap, Seniorinnen, Senioren, Eltern mit Kindern. Ein vollumfänglicher und flächendeckender Ausbau des Radwegenetzes im Landkreis ist ebenfalls dringlich, nicht nur unter touristischen Aspekten.

Darüber hinaus vermisse ich einen umfangreichen Schienenverkehr. Das gilt sowohl für den gewerblichen als auch für den privaten Bereich. Es gibt nur eine Firma in Aschau, die ihre Güter über den Schienenweg transportiert. Ich vermisse eine Haltestelle Hochschule an der Bahnlinie Mühldorf, die Klärung des Bedarfs der Anbindung kleinerer Kommunen rund um Neumarkt St. Veit, Mühldorf, Waldkraiburg, Haag für Auszubildende und Schüler, Studenten, Praktikanten. Es kommt darauf an, vorhandene Ressourcen zu nutzen, einzubinden und über den Tellerrand des Landkreises hinauszuschauen.

Außerdem bin ich für Projekte nicht nur für E-Mobilität, sondern auch für Entwicklung im Bereich „Grüner Wasserstoff“ und autark fahrende Fahrzeuge.

Steckbrief zur Landratskandidatin Angelika Kölbl

Mühldorf – "Klima: Der Landkreis soll energieautark mit erneuerbaren Energien gespeist werden. Ich werde mich für einen Wettbewerb der Kommunen einsetzen mit Zuschüssen durch den Landkreis: „Unser Dorf ist klimafreundlich.“

Gesundheit: Die Fusion der Kliniken ist richtig, aber bisher stehen die Kosten im Mittelpunkt. Mitarbeiter und Patienten kommen zu kurz. Dazu gehören auch bezahlbare Wohnungen für Ärzte und Pflegepersonal. Installation des Pflegestützpunktes.

Infrastruktur des Landkreises: Straßen und Brücken müssen saniert und an einigen Stellen auch ausgebaut werden. Am wichtigsten ist, ein Netzwerk dafür zu schaffen, dass es im ganzen Landkreis für die Einwohner ein Angebot an bezahl-baren Wohnungen gibt. Dabei geht es nicht nur um den Neubau. Kreative Ideen sind gefragt zur Sanierung von Objekten, für Senioren-Wohngemeinschaften, Lehrlingswohnungen.

Bildungspolitik: Es wurde gute Vorarbeit geleistet, das gilt es auszubauen. Stichworte: Campus, Forschungsstätten, Musikschulen, Erwachsenenbildung, soziale Einrichtungen. Es müssem mehr Anreize geschaffen werden für Sozialpädagogen und Erzieher.

ÖPNV: Hier muss es eine Zusammenarbeit mit angrenzenden Landkreisen geben. Ziel: umweltfreundlicher Stundentakt in jede Kommune.Digitalisierung der Kommunen und des Landkreises: Das muss schneller gehen. Es soll bald möglich sein, fast alle Behördengänge über das Internet zu erledi-gen. Gründung eines Co-Creation-Lab, gleichzeitig muss neben dem Datenschutz sichergestellt werden dass niemand benachteiligt wird der den digitalen Fortschritt nicht nutzen kann."

Persönliches über Angelika Kölbl

Alter: 49

Familienstand: verheiratet

Beruf: Sparkassenbetriebswirtin

Hobbys: Vorständin in fünf Vereinen,Lesen, Reisen.

Fragen an die Landratskandidatin der SPD im Kreis Mühldorf

Wo befindet sich Ihr Lieblingsplatz in Ihrer Gemeinde? Warum haben Sie gerade diesen Ort ausgewählt?

Kölbl: Schwierig weil zahlreich: Stadtplatz Mühldorf, tolles Flair zum sitzen ratschen einkaufen, Innlände, wandern und spazieren am Innufer, Tödtenberg Aschau(fantastische Aussicht zum entspannen, verschnaufen, feiern), Waldkraiburger Wald Marienkapelle bei Perlesham (tertäres Hügelland).

Wenn Sie 24 Stunden Zeit hätten, in denen Ihnen alle Möglichkeiten offen stünden: Was würde Sie tun?

Kölbl: 24 Stunden Zeit und alle Möglichkeiten? Dringend Gespräche und Anträge rund um Ent-bürokratisierung, Marketing und Aufklärung rund um Fördergelder, staatliche und europäische Zuschüsse und bei Unterstützung von Vereinen , Kommunen vor Ort

Wenn Sie die Wahl gewinnen, was werden Sie als Erstes tun?

Kölbl: Privat: Durchatmen, jubeln, Meine Familie busseln, meine Mithelfer busseln, feiern,Termine koordinieren. Offiziell: „Danke sagen“ bei allen, Vorstellungsrunde bei den Mitarbeitern im Landratsamt.

Quelle: OVB online

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