Acht Jahre Haft für Kolbermoorer im Misshandlungsprozess

Urteil zu milde? Nebenklagevertreter äußert sich zum Prozess

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Rechtsanwalt Maximilian Kaiser äußert sich zum Urteil im Misshandlungsprozess
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Landshut/Kolbermoor - Acht Jahre Gefängnis - so lautete das Urteil im Traunsteiner Misshandlungsprozess gegen einen Vater, der 2015 seinen damals sechs Monate alten Sohn fast zu Tode geschüttelt hat. Wir haben mit Nebenklagevertreter Maximilian Kaiser über den Prozess und das Strafmaß gesprochen.

Die Staatsanwaltschaft forderte viereinhalb Jahre, die Verteidigung vier Jahre Haft, die Mutter (38) wollte für den Vater ihres Kindes sogar die Höchstsstrafe. Das Gericht verurteilte den 40-Jährigen Kolbermoorer schließlich zu acht Jahren Gefängnis. Hätte der Vater am zweiten Verhandlungstag kein vollständiges Geständnis abgelegt, wäre das Strafmaß sogar noch höher ausgefallen, erklärte der vorsitzende Richter Dr. Jürgen Zenkel in seiner Begründung zum Urteil. 

Der Angeklagte sagte zu Beginn des zweiten Prozesstages aus, er habe die Fassung verloren und seinen damals sechs Monate alten Sohn gepackt und mehrmals geschüttelt. Das Kind ist seitdem schwerst behindert. 

Ist das Urteil zu milde?

Die Meinungen über dieses Urteil gehen seitdem auseinander. Die Einen finden, das Strafmaß sei immer noch zu milde, die Gegenposition ist der Auffassung, dass acht Jahre Haft zu viel seien. Verglichen wurde der Fall oft mit dem Urteil über den Fahrdienstleiter, der für das schwere Zugunglück in Bad Aibling, bei dem 12 Menschen ihr Leben verloren, verantwortlich war. Das Gericht verurteilte ihn im Dezember zu 3,5 Jahren Haft.

Das sagt der Nebenklagevertreter

Wir haben mit Rechtsanwalt Maximilian Kaiser, der das Kind und dessen Mutter in der Nebenklage vertritt, über das Urteil gesprochen. "Ich hätte die vom Staatsanwalt geforderten viereinhalb Jahre Haft auch für zu milde befunden. Der Staatsanwalt hat vermutlich die schweren Folgen für das Kind nicht ausreichend gewichtet. Das Kind ist fast tot. Ob das ein Augenblickversagen war oder nicht, spielt dabei keine Rolle." Der Anwalt erklärte weiter, dass die meisten Urteile in anderen Schütteltraumafällen auch so hoch seien. "Beim Fall von Bad Aibling war es Fahrlässigkeit, dabei liegt die Strafandrohung bei bis zu fünf Jahren. Hier aber hat der Vater ganz bewusst seine Schutzbefohlenheit missachtet. Nach Paragraph 225 StGB liegt das Strafmaß von Misshandlung von Schutzbefohlenen bei einem bis fünfzehn Jahren. Das müssen ja Exzesshandlungen gewesen sein, wie der medizinische Gutachter das beschrieb. Das war eine Vorsatztat bei der dieses Urteil nicht völlig unüblich ist. Er wurde wegen gefährlicher Körperverletzung (§ 224 StGB), Misshandlung von Schutzbefohlenen (§ 225 StGB) und schwerer Körperverletzung (§ 226 StGB) verurteilt."

Als Hauptmotiv für das hohe Urteil sind laut Anwalt mit Sicherheit die schweren Folgen für das Kind.

Vater geht in Revision

Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig. Wie Verteidiger Harald Baumgärtl gegenüber Radio Charivari sagte, hat er bereits Rechtsmittel dagegen eingelegt

Eine Haftstrafe doppelt so hoch wie von Staatsanwaltschaft und Verteidigung gefordert, gebe Anlass zum Nachdenken.

Nachdem Revision eingelegt wurde, wartet Baumgärtl nun auf die schriftliche Urteilsbegründung. Damit rechnet er in den nächsten fünf Wochen.

Anschließend hat die Verteidigung wiederum einen Monat Zeit die Revision zu begründen. Sind all diese Schritte durchlaufen, geht der Fall zum Bundesgerichtshof.

"Mich würde es wundern, wenn der BGH das Urteil aufhebt"

Laut Kaiser komme es aber immer wieder vor, dass das Urteil im Strafmaß höher ausfällt als vom Staatsanwalt gefordert. "Ein Staatsanwalt kann sich bei der rechtlichen Beurteilung schon mal täuschen. Das Gericht besteht aus vier Leuten und einem Ergänzungsschöffen. Die Kammer hat sich fast eine dreiviertel Stunde lang beraten. Mich würde es wundern, wenn der Bundesgerichtshof das Urteil aufhebt."

Quelle: mangfall24.de

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