Die Klinikclowns im Rosenheimer RoMed-Klinikum

"Nicht nur kranken Kindern Lachen schenken"

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Mit den Klinikclowns auf Visite in Rosenheim
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Rosenheim - "Nur eine kleine Spritze vom Onkel Doktor": Wie zwei Schauspieler nicht nur kranke Kinder im sterilen Klinikumsalltag mit den einfachsten Mitteln zum Lachen bringen.

Marina Lahann und Boris Ruge sind Schauspieler. Die beiden stehen zu Spielzeiten auf der Theaterbühne, geben Theaterregie-Seminare und unterhalten normalerweise eher erwachsene Personen. Normalerweise. Denn zu bestimmten Zeiten schminken sich die Beiden und sorgen für Belustigung im Krankenhaus. Marina und Boris sind Klinikclowns.

"Die Türen öffnen"

Zwei Stunden dauert eine durchschnittliche Clownsvisite im Klinikum. Dabei werden meistens zwischen 10 und 25 Kinder direkt auf den Zimmern besucht. Berührungsängste kennen die kleinen Patienten meistens nicht. Und wenn doch einmal ein etwas schüchterner Zeitgenosse dabei ist, spielen sich die beiden Clowns mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen in dessen Herz. "Ich bin ein Fan der leisen Töne, da kann ich anfangs richtig gut ausloten, wie ich auf jemanden zugehen muss", berichtet Marina, die bereits seit zwölf Jahren diesem "Beruf" nachgeht. Ihr Kollege für die Visite, Boris Ruge, ist neu im Geschäft. "Besonders das Auswahlwochenende war richtig toll, an dem wir auf Herz und Nieren geprüft und schließlich ausgesucht wurden", erzählt er. Die Kollegen stellten sogar manche Situationen nach und beurteilten die Nachwuchsclowns danach in Workshops und Coachings.

Bereits seit 15 Jahren gibt es die Spaßmacher im Arztkittel schon. Gegründet wurde der Verein "Klinkclowns e.V." im Jahr 1997 von der jetzigen Geschäftsführerin Elisabeth Makepeace und Elke Krieg. Grundidee war die Förderung der Therapie und eine Betreuung kranker Menschen aufgrund der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass Lachen und Humor positive Auswirkungen auf den Allgemein- und Gesundheitszustand haben und Heilungsprozesse haben. Daher liegt das Motto der Clowns auf der Hand: "Ein Lachen schenken". Sie beschränken sich dabei jedoch nicht nur auf die Kinderstationen in den Krankenhäusern. Auch Palliativstationen oder Altenheime werden von den "roten Nasen" regelmäßig besucht.

"Dr. Ivo, Facharzt für Verschiedenes und seine Kollegin Peppina"

Wenn Marina und Boris aus ihrer Umkleide heraustreten, haben sie sich verwandelt. Aus Boris wird "Dr. Ivo". Der "Facharzt für Verschiedenes" spricht mit einem leichten französischen Akzent und hat seine Gitarre stets im Griff, jederzeit bereit für eine kleine sanfte Melodie. Marina heißt dann "Peppina", nachdem ein Kollege sie überzeugen konnte, dass ihr alter Künstlername "Mmmm" doch ein wenig "mehr Pepp" vertragen könne. Die Besetzungen der Visiten ändern sich ständig, weshalb sich die Schauspieler auch oft auf einen neuen Partner einstellen müssen. "Dr. Ivo" und "Peppina" nutzen ihre Umkleidezeit um sich gegenseitig einzusingen. Mal begleitet "Peppina" den schüchternen Franzosen auf der Flöte, mal posaunen beide zu knalligen Akkorden auf der Gitarre. 

Auch Clowns haben Sorgen

"Alle Klinikclowns kommen aus dem künstlerischen Bereich. Und wie auch in unseren anderen Tätigkeiten bekommen wir hier ein Honorar", erklärt Marina Lahann auf die Frage, ob man vom Clown-Sein alleine leben kann. Der Verein "Klinikclowns e.V." finanziert sich dabei zu 100 Prozent aus Spenden. Das bedeutet, dass auch die Honorare der Spaßmacher von den freiwilligen Unterstützern getragen werden. "Und hinter der ganzen Fassade arbeiten noch jede Menge Menschen in Büros und kümmern sich um das Organisatorische", fügt Boris Ruge hinzu.

Am Mittwoch fand darüber hinaus ein Protestmarsch der deutschen Klinikclowns in Berlin statt. "Ich würde mir wünschen, dass die Clowns in den Krankenhäusern mehr anerkannt werden", sagt Boris, der von der therapeutischen Wirkung seiner Grimassen und Späße überzeugt ist. "In unserer Gesellschaft wird zwar alles gemessen und was man nicht messen kann, das gibt's auch nicht, so sagt man ja. Doch wenn mir einer der kleinen Patienten entgegenlacht, dann weiß ich sicher, dass ich seine Seele erreicht habe."

Quelle: rosenheim24.de

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