Stimmen aus Kirchweidach und der Region

Fehlen Erntehelfer auch bei uns? "Einige trifft's umso härter"

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Bei Gemüseanbau Steiner in Kirchweidach hatte man noch einmal Glück im Unglück, was das Fehlen von Erntehelfern betrifft. 

Kirchweidach/Südostoberbayern - Wegen der Schließung der Grenzen durch die Corona-Krise fehlt es vielfach an Erntehelfern. Wir haben uns erkundigt, was das für Betriebe in der Region bedeutet.

Grundsätzlich sei es so, dass die Landwirtschaft in der Region vor allem auf Milchvieh- und Ackerwirtschaft spezialisiert sei. "Andere Regionen, wo beispielsweise viel Spargel oder Hopfen angebaut werden, hat es viel übler erwischt", räumt Veit Hartsperger von der Geschäftsstelle des Bayerischen Bauernverbands in Eggenfelden im Gespräch mit innsalzach24.de ein. "Aber es gibt auch hier einige Betriebe die es trifft und die dafür umso härter!" 


Glück im Unglück gehabt - aber trotzdem auf der Ausschau nach Helfern

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Betriebe wie den Gemüsebau Steiner in Kirchweidach. Auch wenn man hier noch Glück im Unglück hatte. "Wir haben ja einen Gewächshaus-Betrieb, der das ganze Jahr über läuft", erklärt Betriebsleiter Christian Reichtalhammer. "Daher waren also schon zahlreiche Leute vor Ort. Als wir dann gemerkt haben, dass es sich abzeichnet wie es weiter geht, haben wir noch so viele als Verstärkung und Ablösung, wie möglich hergeholt." Das sei zwar nicht in allen Fällen möglich gewesen, insgesamt seien sie aber momentan personell relativ gut aufgestellt. 

Der Betrieb von Gemüseanbau Steiner in Kirchweidach.

Seit 2014 produziert Gemüsebau Steiner auf 19,8 Hektar mit etwa 130 Mitarbeitern frische Tomaten, Paprika und Erdbeeren. Dafür genutzt wird ein Energiekonzept aus heißem Thermalwasser aus der Geothermiequelle in Kirchweidach und Photovoltaik zur Nutzung von Sonnenenergie. Der Vertrieb ist ausschließlich regional.


"Obwohl wir aktuell keine größeren Probleme haben, sind wir offen für Bewerbungen!", betont Reichtalhammer. "Wenn wir jetzt hier einen Corona-Fall haben, und dieser sowie alle Kontaktpersonen müssen in Quarantäne, dann schaut es plötzlich ganz anders aus!" Die Arbeit sei zugegebenermaßen nicht unbedingt für jeden, bemerkt unterdessen Bauernverbands-Vertreter Hartsperger. "Vor allem beim Spargelstechen oder Hopfenpflücken muss man schon durchaus körperlich ordentlich fit und ein disziplinierter Arbeiter sein." Bei ihrem Betrieb sei das so nicht der Fall, betont wiederum Reichtalhammer. "Die Arbeit sollte für die meisten Leute machbar sein, hier im Gewächshaus ist's ja auch warm." 

Interessierte können sich über Plattform bewerben

Beide wünschen sich, dass die Politik bald Abhilfe schafft. Bauernpräsident Walter Heidl hatte bereits vor kurzem eindringlich an Innenminister Seehofer appelliert, baldmöglichst Ausnahme-Einreisegenehmigungen für Erntehelfer aus Osteuropa zu organisieren. Die Branche habe kurzfristig Portale auf die Beine gestellt, die Betriebe und potenzielle Helfer zusammenführen, berichtet Hartsperger. "Personen, die auf landwirtschaftlichen Betrieben mitarbeiten wollen, können sich auf der Plattform www.saisonarbeit-in-deutschland.de ein Bild von der auszuübenden Tätigkeit machen und können über die hinterlegten Kontaktdaten,in der Regel Telefon oder E-Mail, direkt Kontakt mit dem Betrieb aufnehmen." Die Kontaktaufnahme beziehungsweise Nutzung der Plattform durch Arbeitnehmer ist kostenfrei. 

"Laut statistischem Bundesamt haben 2016 286.300 Saisonarbeitskräfte in der deutschen Landwirtschaft gearbeitet, in Bayern waren es demnach 37.400", berichtet der Bauernverband. "Etwa 95 Prozent dieser Arbeitskräfte kommt aus dem Ausland, um auf den Höfen und den Feldern zu helfen." Durch die Ein- oder Ausreisebeschränkungen seien vielen der dringend erforderlichen Saisonkräften eine Anreise nach Deutschland und damit die Aufnahme ihrer Beschäftigung derzeit nicht möglich."Andere treten die Reise aus Sorge vor einer Infektion mit dem Coronavirus und/oder Beschränkungen bei der Einreise in ihr Heimatland nach Beendigung der Saisontätigkeit nicht an."

Dadurch bestehe die Gefahr, dass derzeit dringend erforderliche Pflanz- und Pflegearbeiten die Erntearbeiten früher Gemüse- und Obstsorten, wie Spargel, Rhabarber, Erdbeeren, nicht erledigt werden könnten."Es könnte deshalb zu einem Versorgungsengpass bei frischem Obst und Gemüse kommen. Um das zu verhindern, müsse ausländischen Saisonarbeitskräften, die auch in der jetzigen Situation bereit sind nach Deutschland zu kommen, eine Einreise ermöglicht werden."

hs

Quelle: innsalzach24.de

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