Anfrage der Landtagsabgeordneten Dr. Simone Strohmayr

7.044 Kinder in unserer Region von Armut bedroht

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Landkreis - Wie viele Kinder sind in Bayern von Armut betroffen oder bedroht? Das wollte Dr. Simone Strohmayr, Landtagsabgeordnete der SPD wissen und stellte an die Bayerische Staatsregierung eine Anfrage. 

Dr. Simone Strohmayr, Landtagsabgeordnete der SPD wollte von der Bayerischen Staatsregierung wissen, wie viele Kinder in Bayern von Armut betroffen oder bedroh sind und wie sich die Dahlen seit dem Jahr 2000 entwickelt haben. 

Existenzminimum abgesichert

Auf kleineanfragen.de wurde nun die Antwort der Bayerischen Staatsregierung veröffentlicht.. Zu der Frage, wie viele Kinder in Bayern von Armut betroffen seien, äußerte sich die Regierung folgendermaßen:

"Von absoluter Armut spricht man, wenn ein Mensch mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln seine physischen Grundbedürfnisse nicht befriedigen kann. 

Mit den Leistungen der Mindestsicherung (z. B. Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem Sozialgesetzuch – SGB Zweites Buch – II, Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach dem SGB XII) wird Armut im konkreten Fall wirksam begegnet und das verfassungsrechtlich verbürgte, soziokulturelle Existenzminimum abgesichert.

Das soziokulturelle Existenzminimum umfasst nicht nur die physischen Grundbedarfe wie Wohnen, Essen, Heizung und Kleidung, sondern auch die Sicherung der Möglichkeit zur Pflege zwischenmenschlicher Beziehungen und eines Mindestmaßes an Teilhabe am gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Leben. 

Für Kinder und Jugendliche können daneben Bildungs- und Teilhabeleistungen erbracht werden, zum Beispiel für Mitgliedsbeiträge in Sportvereinen, für Kindergarten-Ausflüge, Schulausflüge, Klassenfahrten, gemeinschaftliche Mittagsverpflegung oder auch eine ergänzende Lernförderung."

Wie viele Kinder sind von Armut bedroht?

Laut Staatsregierung sei es anerkannt, Personen als „armutsgefährdet“ anzusehen, wenn ihr Äquivalenzeinkommen unterhalb von 60 Prozent des Medians der Äquivalenzeinkommen der Bevölkerung (in Privathaushalten) liege. "Die sogenannte Armutsgefährdungsquote gibt den Anteil dieser Personen an der Bevölkerung oder einer Bevölkerungsgruppe wieder. Sie misst also nicht (absolute) Armut, sondern ist ein Verteilungsmaß, das Teilhabechancen am mittleren Wohlstand erfasst", so heißt es in der Stellungnahme der Staatsregierung.

"In Bayern sind junge Menschen unter 18 Jahren deutlich seltener armutsgefährdet als im bundesdeutschen Durchschnitt. Bayern hat die niedrigste Armutsgefährdungsquote aller Bundesländer."

Für Personen unter 18 Jahren stellen sich die Armutsgefährdungsquoten in Bayern und Deutschland wie folgt dar:

2005

2007

2009

2011

2013

2015

Bayern

13,9

12,8

12,5

11,6

11,6

12,3

Deutschland

19,5

18,4

18,7

18,7

19,2

19,7

Wer fällt also unter die Armutsgefährdung?

Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende erhält nach den Vorschriften des SGB II, wer seinen gewöhnlichen Aufenthalt in der Bundesrepublik Deutschland hat und seinen Lebensunterhalt und den Lebensunterhalt der mit ihm in Bedarfsgemeinschaft lebenden Personen nicht ausreichend aus eigenen Kräften und Mitteln, insbesondere seinem Einkommen oder Vermögen, sichern kann und die erforderliche Hilfe auch nicht von anderen erhält.

Zu einer Bedarfsgemeinschaft (BG) gehören grundsätzlich alle erwerbsfähigen Leistungsberechtigten mit deren Ehegatten/Partnern und auch die unverheirateten Kinder, wenn diese Kinder in der BG der Eltern leben und das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Die nachfolgenden Daten beruhen auf der veröffentlichten Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Als Kinder werden nur unverheiratete, minderjährige Kinder in Bedarfsgemeinschaften gezählt. In der folgenden Tabelle wird die Zahl der Kinder unter 18 Jahren in Bayern dargestellt, die in Bedarfsgemeinschaften leben, denen Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem SGB II gewährt werden. Hier ist darauf hinzuweisen, dass dazu auch Kinder zählen, deren Einkommen den eigenen Bedarf übersteigt und die daher keine individuellen Leistungen beziehen.

Die Tabelle zeigt den Bestand der Kinder unter 18 Jahre im SGB II-Bezug im Juni 2016:

Region

Juni 2016

Altötting

1.110

Berchtesgadener Land

903

Mühldorf a.Inn

1.240

Rosenheim

1.517

Rosenheim Stadt

1.104

Traunstein

1.170

Welche Maßnahmen hat die Staatsregierung gegen Kinderarmut unternommen?

"Für die Bekämpfung bestehender Armutsgefährdung und der damit verbundenen Gefahr sozialer Ausgrenzung von Kindern und Jugendlichen gilt: Die Lebenslage von Kindern und Jugendlichen kann nicht isoliert von der Situation der Eltern angegangen werden", heißt es von Seiten der Staatsregierung. "Vielmehr handelt es sich um eine von den Eltern abgeleitete Situation, zu deren Bekämpfung es aufgrund vielfältiger Ursachen kein „Einheitsrezept“ gibt. Notwendig ist ein Maßnahmenbündel. Dazu gehört insbesondere auch die Verbesserung der Bildungs- und Teilhabechancen der Kinder und Jugendlichen, um eine künftige Armutsgefährdung zu verhindern. Maßnahmen für Eltern (Ermöglichung von Erwerbstätigkeit, finanzielle Unterstützung, Beratung) sowie Maßnahmen für Kinder und Jugendliche (insbesondere Kinder- und Jugendhilfe einschließlich frühkindlicher Bildung und Betreuung, Förderung von Ausbildung) ergeben zusammen ein tragfähiges Netz für Familien.

Die genaue Auflistung der Maßnahmen können Sie in der Antwort der Staatsregierung hier nachlesen.

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / Christian Hag

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