Aufmarsch der Aiblinger Feuerwehr vor dem Stadtrat

Kehrtwende: Nun doch keine Neuwahl

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Bad Aibling - Mit einer Kehrtwende gegenüber seiner Aussage vor einer Woche überraschte Bürgermeister Schwaller vor der jüngsten Sitzung.

Demonstrativ stellte er sich nun hinter den von acht mittlerweile ausgetretenen Mitgliedern angegriffenen Ersten Kommandanten der Aiblinger Feuerwehr (wir berichteten): Den Rückhalt, den über 30 Feuerwehrkameraden dem Kommandanten zuvor öffentlich bescheinigt hatten, wertete der Bürgermeister kurzerhand als gleichbedeutend mit einer Neuwahl der Führungsriege.

Mit einem Großteil des Fuhrparks inklusive Drehleiter waren die Feuerwehrleute zuvor direkt vor den Eingang des Sitzungssaales angerückt, den sie sodann auch gleich ungeachtet der noch laufenden nicht öffentlichen Sitzung „stürmten“, während Kommandant Wolfram Höfler selbst draußen vor dem Kurhaus wartete.

Die rund 30 in Feuerwehrkleidung erschienenen Männer und Frauen bezeichnete Sprecher Max Stacheder als die „tatsächlich existierende aktive Mannschaft“, die sich ausdrücklich von den Anschuldigungen gegen Kommandant Wolfram Höfler distanziere. Die Behauptungen der ehemaligen Kameraden seien „beschämend“, man halte sie für „unqualifiziert und unkameradschaftlich“.

So habe beispielsweise eine kritisierte Fahrt in das „Bräustüberl“ nach Tegernsee „nicht aus einem privaten Anliegen“ des Kommandanten stattgefunden, sondern sei vielmehr eine gemeinschaftliche Veranstaltung der aktiven Mannschaft gewesen, wie es sie auch schon früher gegeben habe.

Als „nachweislich falsch“ bezeichnete Stacheder den Vorwurf der unterlassenen Hilfeleistung durch den Kommandanten, der sich laut Kritikern bei einem Einsatz „in einer dunklen Ecke verstecke“. Ebenso wies er in der öffentlichen Erklärung einen „diktatorischen Führungsstil“ des Kommandanten zurück. Im Rahmen des „Qualitätsmanagementes der Feuerwehr“ seien Meinungen und Kritik sogar erwünscht, beteuerte er.

Bürgermeister Schwaller zeigte sich eigenen Worten zufolge „tief bewegt von dem geschlossenen Auftritt“ der Feuerwehrler und konnte gar nicht oft genug seinen Stolz auf die Mannschaft bekunden.

Neuwahlen seien nach dieser Soldidaritätsbekundung nun nicht mehr erforderlich, verkündete er den überraschten Stadträten, nachdem er eine Woche zuvor im Hauptausschuss noch erklärt hatte, die Wahlen seien der einzige Ausweg. Damals wollte er dem Kommandanten noch nahelegen, auf eine erneute Kandidatur verzichten (wir berichteten). Dieser sähe laut Schwaller in einem Rücktritt jedoch ein „Schuldeingeständnis“ und sei keinesfalls dazu bereit.

Noch am Sonntagnachmittag hatte der Bürgermeister gegenüber unserer Zeitung betont, an den proklamierten Neuwahlen der Führungsriege festhalten zu wollen. Nach einer Dienstversammlung der Feuerwehr am selben Abend sei er jedoch zu seinem jetzigen Standpunkt gekommen, teilte er in der Sitzung mit.

Anschließend verlas Schwaller als oberster Dienstherr der Feuerwehr eine Stellungnahme, in der er die „Vorwürfe gegen den ersten Kommandanten Wolfram Höfler und seine Mannschaft (...) auf das Schärfste“ verurteilte. Höfler sei ein „Feuerwehrprofi“, der sogar für seinen in der Feuerwehr geleisteten Dienst bis heute keinen Cent Verdienstausfall in Rechnung gestellt habe, obwohl er darauf laut Schwaller einen Rechtsanspruch hätte.

Auch wenn einige Kameraden den Führungsstil des Kommandanten kritisierten, so berechtige dies nicht zu einer „Pauschalverurteilung“. Letztlich bescheinigte Schwaller Höfler einen hohen Ausbildungsstand, der ihm wiederholt von Feuerwehrfachleuten bestätigt worden sei. Höfler sei vor einem Jahr in einem korrekten Wahlgang von der Mehrheit der Aiblinger Feuerwehrkameraden gewählt worden.

Obwohl der Austritt einiger aktiver Feuerwehrmänner schmerzlich sei, zeigte sich der Bürgermeister davon überzeugt, dass die Schlagkraft der Mannschaft uneingeschränkt erhalten bleibe. Der Auftritt der aktiven Kameraden vor dem Stadtrat sei als „hundertprozentige Neuwahl“ Höflers zu sehen, weshalb er, Schwaller, das Thema nun als erledigt betrachte, erklärte er in seiner Lobrede.

Über das Krisengespräch mit Kreisbrandrat Sebastian Ruhsamer hüllte er sich jedoch nach wie vor in Schweigen (wir berichteten). Dem Vernehmen nach muss Höfler jedoch detailliert schriftlich zu dem „Brandbrief“ der Kritiker Stellung nehmen sowie eine klare Trennung zwischen seinem Kommandantenamt und seiner Funktion als Vorstand des Vereins „No Risc“ nachweisen.

Bezüglich des verwaisten Postens des Zweiten Kommandanten stellte der Bürgermeister klar, dass die Wahl zur gegebenen Zeit erfolgen werde. Der bisherige Zweite Kommandant Christian Stechl hatte, wie berichtet, aufgrund der angeprangerten „Missstände“ vor einer Woche mit sofortiger Wirkung seinen aktiven Dienst bei der Feuerwehr Bad Aibling quittiert.

Mangfall-Bote

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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