Steinbrück im tz-Interview

Mein Schicksal wird in Bayern entschieden

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SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück im Gespräch mit tz-Politik­chef Klaus Rimpel.

München - Die Landtagswahl in Bayern hat nach Ansicht von Peer Steinbrück Signalwirkung für die Bundestagswahl. Das tz-Interview mit dem SPD-Kanzlerkandidat.

Am Montagvormittag besuchte Peer Steinbrück ein kirchliches Jugendprojekt in Nürnberg, dann saß der SPD-Kanzlerkandidat im Rahmen der „Hausbesuche“ beim Kaffeeklatsch mit „elf reizenden älteren Damen, die eine alternative Wohngemeinschaft in Nürnberg gegründet haben“ zusammen: Steinbrück zieht alle Register beim Wahlkampf im Freistaat, denn er zeigte sich beim gemeinsamen Auftritt mit dem bayerischen SPD-Spitzenkandidaten Christian Ude überzeugt: Der Ausgang der Bundestagswahl am 22. September hängt entscheidend davon ab, wie die Landtagswahl in Bayern eine Woche davor ausgeht! „Das wird mobilisieren oder demobilisieren“, so der Ex-Finanzminister im Münchner Presseclub. Trotz der derzeit guten Umfragewerte für die CSU sei der Machtwechsel in Bayern möglich: „Wir reden über einen Swing von zwei bis drei Prozent, der die bayerische politische Landschaft völlig umgraben kann.“

Um diesen „Swing“ herbeizuführen, will Steinbrück ein Wahlkampf-Thema aufgreifen, das gerade in München auf den Nägeln brennt: die Wohnungsnot! Zur Tatsache, dass auch die CSU inzwischen das Thema Wohnungsnot für sich entdeckt hat, meinte Steinbrück nur: „Am Abend werden die Faulen fleißig…“ Schließlich habe die CSU jahrelang Zeit gehabt, gegenzusteuern. Nach den meisten Seehofer-Ankündigungen habe man „anschließend nichts mehr gehört außer dem Geräusch ablaufenden Badewassers: Blubb Blubb…“, spottete Steinbrück. Der SPD-Kanzlerkandidat im tz-Interview:

Der Wirbel um Ihre Honorare, dann um die Clowns-Äußerung zur Italien-Wahl: Haben Sie‘s manchmal schon bereut, in den Ring gestiegen zu sein?

Peer Steinbrück: Nein, nie! Ich habe mit der Kanzlerkandidatur ja auch Verantwortung übernommen, nicht nur für mich, sondern für eine 150-jährige Partei. Im übrigen: Mein Blick geht nicht zurück…

Alles wird ja kritisch beäugt, was Sie tun – zuletzt „Bonbon-Gate“, wo Sie Sigmar Gabriel um ein Gutti bitten und das ganze Paket einstecken. War das ein Beweis für Ihre Nehmerqualitäten?

Steinbrück: Ich war erkältet, und er hatte diese Lutschbonbons – und ich war sehr dankbar, dass er Sie mir geschenkt hat. So sind wir Sozis. Aber das ist auch so ein Beispiel, was alles in den Medien hochgespielt wird. Vielleicht sollten wir mal zu den politischen Themen kommen…

Peer Steinbrück: Von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen

Peer Steinbrück: Von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen

Da haben Sie Recht. Reden wir über Zypern. Wie beurteilen Sie die EU-Beschlüsse zur Zwangsabgabe auf Bankkonten? Ist damit die Einlagengarantie für Erspartes unter 100 000 Euro, die Sie und Merkel 2008 gegeben, erledigt?

Steinbrück: Nein, die gilt. Die Spareinlagen in Deutschland sind sicher. Deutschland ist um Himmels willen nicht zu vergleichen mit dem Geschäftsmodell von Zypern mit dem Verdacht auf Geldwäsche, einem weit überdimensionierten Bankensektor und Dumpingsteuern.

Die Wochenzeitung Zeit erhebt den Vorwurf, dass Sie die Pleite der Hypo Real Estate mit ausgelöst haben, weil Sie zu einem frühen Zeitpunkt von „Abwicklung“ der Bank sprachen – und das erst die Abwärtsspirale mit schlechterem Rating etc. ausgelöst hat …

Steinbrück: Unsinn. Das wirft ein Bankmanager Nebelkerzen, um abzulenken. Im Übrigen hat es darüber einen langen Bundestags-Untersuchungsausschuss gegeben, der jetzt schon vier Jahre zurückliegt und alles aufgearbeitet hat.

Die SPD will jetzt vermehrt auf „Häuser­kampf“ im Wahlkampf setzen. Was haben Sie denn von Ihren bisherigen Hausbesuchen an Erkenntnissen mitgenommen?

Steinbrück: Dass die Menschen entgegen allen Geredes von Politikverdrossenheit sehr an Politik interessiert sind. Dass sie lieber Dialog wollen als Frontal-Unterricht mit langen Wahlkampf-Reden. Sie haben viele Fragen, sie haben viel Kritik. Ihr Vertrauen in die Politiker ist begrenzt. Sie haben kein großes Verständnis für Schlammschlachten. Und sie wünschen sich authentische Politiker.

Warum gibt es dann immer diese massive Kritik, wenn Sie was „Authentisches“ sagen?

Steinbrück: Die wird von manchen gezielt befeuert.

Zum Beispiel bei ihrer Clowns-Bemerkung zur Italien-Wahl. Da gab es ja viel heimlichen Beifall, aber letztlich auch viel Kritik. Bekommen Sie nun einen Diplomatie-Kurs?

Steinbrück: Ich bin und bleibe, wie ich bin. Und ich habe den Eindruck, dass viele Menschen das auch schätzen und nicht einen allseits rundgeschliffenen Politikertypus wollen, der nur noch glatt aber inhaltsleer formuliert.

Ist es gut oder schlecht für die Bayern-SPD, dass Bundestags- und Landtagswahltermin nicht auf denselben Sonntag fallen?

Steinbrück: Das muss man nehmen wie es jetzt ist und bei beiden Wahlen für eine hohe Wahlbeteiligung sorgen. Natürlich habe ich ein erhebliches Interesse daran, dass Christian Ude einen erfolgreichen Wahlkampf macht, deshalb werde ich ihn mit aller Kraft unterstützen und er mich.

Peer Steinbrück: Klare Kante und loses Mundwerk

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Interview: Klaus Rimpel

Quelle: tz

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