Prozess in München

Klage abgewiesen: Zwergziege Hui Buh bleibt auf Gnadenhof

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Elisabeth Anders (r) und Tochter Magdalena Anders zeigen ein Bild vom Ziegenbock "Hui Buh". Die Familie hatte das Tier Zuhause aufgepäppelt, bis es wegen nicht artgerechter Haltung beschlagnahmt wurde. Am 19.09.2019 beginnt der Prozess, in dem über den weiteren Verbleib des Tiers entschieden werden soll.

München - Der bizarre Streit um eine Zwergziege ist entschieden - zumindest vorerst: Der kleine Bock Hui Buh bleibt auf einem Gnadenhof und darf nicht zu seinen ursprünglichen Besitzern zurückkehren.

Update, Donnerstag: Klage abgewiesen

Der kleine Bock Hui Buh bleibt auf einem Gnadenhof und darf nicht zu seinen ursprünglichen Besitzern zurückkehren. Das entschied das Verwaltungsgericht München am Mittwoch. Der Vorsitzende Richter stützte seine Entscheidung vor allem auf ein Haltungs- und Betreuungsverbot für Tiere, das gegen die klagende Frau und deren Mutter verhängt worden war: "Sie durften damals gar keine Tiere mehr halten", sagte er. Auf den Vorschlag der Frauen, der Familienvater könne die Haltung des Tieres übernehmen, ging das Gericht nicht ein.

Das Landratsamt München hatte der 29-jährigen Klägerin Magdalena Anders und deren Mutter Elisabeth den Zwergziegenbock Anfang des Jahres weggenommen und auf einen Gnadenhof gebracht, weil er aus Sicht der Behörde nicht artgerecht gehalten wurde. Die Familie hatte das Tier mit der Flasche aufgezogen. Es schlief bei der Tochter im Bett und fuhr auf dem Beifahrersitz im Auto mit.

Zwergziege darf auf Gnadenhof bleiben

Aus Sicht von Mutter und Tochter ging es nicht anders. Hui Buh sei krank gewesen und habe nicht mit anderen Ziegen zusammenleben wollen. "Es ist in diesem Verfahren nirgendwo vorgelegt worden, dass es besser war, das Tier einzeln zu halten", sagte dagegen der Vorsitzende Richter. Die Entscheidung des Landratsamtes sei zwar hart und andere Behörden hätten womöglich anders entschieden - allerdings sei die Wegnahme des kleinen Bockes rechtlich nicht zu beanstanden. Der Vorsitzende Richter bezog sich auch auf Fotos der Wohnung der Familie: "Wenn das die Räume sind, wo das Tier gehalten wurde, spricht schon einiges für die Sicht des Landratsamtes." Die Behörde hat auch ein Strafverfahren gegen die Familie in Gang gesetzt.

Gerd Walther, Tierpfleger, lässt sich von Ziegenbock "Hui Buh" (vom Gericht und Gnadenhof "Buh-Buh" genannt) in einem Freigehege auf dem Gnadenhof Gut Streiflach beschnuppern.

Hui Buhs aktueller Pfleger auf dem Gnadenhof, Gerd Walther, begrüßte das Urteil: "Ich denke, dass es ihm bei uns besser geht." Zuvor hatten Vertreter des Landratsamtes ausgeführt, dass die Einzelhaltung dem kleinen Tier geschadet habe. Er zeige ein "auffälliges, auf den Menschen geprägtes Sexualverhalten" und versuche auf dem Gnadenhof, die Tierpfleger zu bespringen. Das mache er nur, wenn er Stress habe und es ihm nicht gut gehe, betonte dagegen die Klägerseite.

Besitzerin kämpft nach Urteil mit Tränen

Die frühere Besitzerin Magdalena Anders kämpfte nach dem Urteil mit den Tränen. "Mit dem Urteil geht es mir nicht gut, weil ich weiß, wie er aussieht und wie es ihm geht", sagte sie und kündigte an, gegen die Entscheidung vorzugehen: "Aufgeben werden wir definitiv nicht." Allerdings räumte selbst ihre Anwältin ein, dass die Chancen dafür eher schlecht stehen. Den Beschluss des Amtes, das Tier wegzunehmen, nannte sie dennoch völlig unverhältnismäßig. "Wenn jedes Landratsamt so handeln würde, hätte kein Bauer mehr eine Kuh im Stall."

Eine andere Ziege als Hui Buh kommt für Magdalena Anders indes auf keinen Fall infrage: "Es geht nur um ihn."

Vorbericht

Wenn Elisabeth Anders an ihren Hui Buh denkt, muss sie weinen. "Er war ein richtiges Familienmitglied", sagt sie und schluchzt. "Er war unser Lebensinhalt." Hui Buh ist ein kleiner Zwergziegenbock, benannt nach dem gleichnamigen Schlossgespenst, inzwischen rund anderthalb Jahre alt – und nicht mehr da. Das Landratsamt München hat der Familie Anders die kleine Ziege weggenommen. Der Grund: nicht-artgerechte Haltung. Eine Ziege, so die Auffassung, braucht die Gesellschaft anderer Ziegen.

Braucht Hui Buh Einzelbetreuung?

Wahrscheinlich hätten die Behörden gar nichts von der Existenz des kleinen Tieres erfahren – wäre Hui Buh nicht regelmäßig Auto gefahren. Das Amt wurde auf den Ziegenbock aufmerksam, als er mit Mutter und Tochter Anders durch die Gegend fuhr, sitzend auf dem Schoß der Beifahrerin. Das Armaturenbrett war mit Heu ausgelegt.

Das Verwaltungsgericht München beschäftigt sich jetzt nämlich mit Hui Buh und der Frage, ob eine Ziege zwangsläufig tierische Gesellschaft braucht oder auch mal Einzelbetreuung angesagt ist. Denn die 55-jährige Elisabeth Anders und ihre 29 Jahre alte Tochter Magdalena fordern das Tier zurück, das sich derzeit auf dem Gnadenhof Gut Streiflach in Germering bei München befindet. "Wir hoffen, dass es ihm gut geht", sagt Anders.

Ziegenbock "Hui Buh" (vom Gericht und Gnadenhof "Buh-Buh" genannt) blickt auf seinem Freigehege auf dem Gnadenhof Gut Streiflach in die Kamera. Eine Familie hatte das Tier bei sich in der Wohnung gehalten, bis es wegen nicht artgerechter Haltung beschlagnahmt wurde.

Artgenossen akzeptieren Zwergziegenbock nicht

Er sieht zumindest gut und fidel aus. Auf dem Gnadenhof hat Hui Buh – dort Buh-Buh genannt – ein großes Gelände, auf dem er sich frei bewegen kann. Zu seinem Pfleger Gerd Walther hat er ein inniges Verhältnis, mit seinen Artgenossen versteht er sich allerdings weniger gut. Der kleine Bock hat es schwer bei den anderen Ziegen. Sie akzeptieren ihn nach Angaben des Gnadenhofes nicht, weil er vorher falsch gehalten wurde.

Laut Deutschem Tierschutzbund sind Ziegen "sehr neugierige Herdentiere, die gerne ihre Umgebung erkunden und unbedingt Auslauf und Möglichkeiten zum Klettern, Springen und zur Beschäftigung benötigen". 

Familie spricht von "neurologischen Ausfällen"

Tatsächlich war Hui Buh der Familie Anders wohl eher Hund als Ziege. Er lebte mit im Haus. Wenn es draußen ungemütlich wurde, trug er eine kleine Jacke. Elisabeth Anders ist sicher, dass es anders nicht ging: "Er musste ja versorgt werden", sagt sie. "Wir haben den Kerli mit der Hand aufgezogen. Wir haben ihn am Anfang nur rumgetragen. Meine Tochter hat mit ihm Laufen geübt." Hui Buhs Mutter habe ihn verstoßen, er habe "neurologische Ausfälle" gehabt und nicht selbstständig gefressen. "Er hat nur Milch und Wasser aus der Flasche getrunken, bis er ein Jahr alt war." Ohne sie und ihre Tochter, da ist die 55-Jährige sicher, wäre er gestorben.

Ob das so ist und ob die kleine Ziege vielleicht wieder zurückkehren kann in die Familie, muss das Verwaltungsgericht nun entscheiden. Die Klägerinnen haben allerdings bei den Behörden nicht den allerbesten Ruf. Auch die anderen Ziegen, die sie einst hatten, sind inzwischen nicht mehr da. Das Landratsamt Dachau hat den Klägerinnen das Halten und Betreuen von Paarhufern untersagt.

dpa

Quelle: rosenheim24.de

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