Kampagne "Ein Netz für Bahnpendler": Das sagen Politiker - Teil 12

Huber: "WLAN im Regionalverkehr wäre eine große Bereicherung"

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Dr. Martin Huber (39) ist seit 2013 Mitglied des Landtages für den Wahlkreis Oberbayern.
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Landkreis - Wie wichtig ist mobiles Internet im Zug an Pendlerstrecken wie der von München nach Salzburg? Wir haben Bundes- und Landtagsabgeordnete der Region nach ihrer Meinung dazu gefragt. Heute: MdL Dr. Martin Huber (CSU).

Wer auf Bahnstrecken der Region im Zug unterwegs ist, fährt oft netzlos. Auf dem Handy Neuigkeiten checken, die Zeit zum Arbeiten nutzen oder in der Firma Bescheid geben, dass der Zug verspätet ist? Kaum möglich. Bahnbetreiber nervt das Problem, den Service nur unter erschwerten Bedingungen anbieten zu können. Mobilfunkanbieter halten die Netzabdeckung entlang der Bahnstrecken allerdings für gut.

Die Situation ist verworren. Doch wie wichtig ist funktionierendes WLAN im Zug heutzutage? Und was können die Politiker der Region dabei bewegen? Wir haben nachgefragt.

Heute: Der CSU-Landtagsabgeordnete Dr. Martin Huber:

Dr. Huber, wie wichtig ist Ihnen mobiles Internet beim Zugfahren, um zum Beispiel während der Fahrt arbeiten zu können?

Huber: Ich fahre regelmäßig mit dem Zug von meinem Heimatort Töging am Inn nach München und zurück. Die Zeit während der Fahrt nutze ich für meine Arbeit als Abgeordneter. Ohne Internetverbindung ist dies heutzutage nur noch bedingt möglich. Deshalb wäre mobiles Internet im Zug sehr wichtig.

Wer ist aus Ihrer Sicht für die Versorgung mit mobilem Internet in Zügen zuständig?

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Huber: Meines Erachtens ist es Aufgabe der Bahnunternehmen ihren Kunden als Serviceleistung während der Fahrt das Surfen und Telefonieren zu ermöglichen. Mit diesem Leistungsangebot wird Bahnfahren attraktiver und es stärkt die Bahn im Wettbewerb der Verkehrsmittel und im Vergleich zum Individualverkehr. Vonseiten der Deutschen Bahn ist dies meines Erachtens bereits erkannt worden, da sie bereits in zahlreichen ICE-Zügen in Zusammenarbeit mit der Telekom WLAN-Zugänge anbietet. Die Deutsche Bahn stattet ihre gesamte ICE-Flotte bis Ende 2016 mit einer neuen Multiprovider-Technik für schnelleres und stabileres Internet aus. Die Abdeckung weist bis jetzt noch Lücken auf: Auf 15 Prozent aller Strecken wird das Surfen nicht möglich sein – obwohl die Bahn wegen der mangelhaften Netzabdeckung jedes einzelnen Betreibers die Netze mit Hilfe einer neuen Multiprovider-Technik bündelt. Hier sind die Netzbetreiber in der Pflicht. Bis Anfang 2020 sind sie verpflichtet, die ICE-Strecken vollständig zu versorgen. Das erwarte ich auch für die Regionalstrecken. Weiterhin hat die DB Regio vor Kurzem eine weitere WLAN- Initiative angekündigt. Nach der Ausrüstung aller ICE bis zum Jahresende soll das WLAN- Angebot auch auf die Regionalzüge ausgedehnt werden. Jedem Bahnreisenden soll zukünftig ein kostenloses Datenkontingent im Zug zur Verfügung stehen. Diese Initiative der Deutschen Bahn begrüße ich sehr.

Welche Einflussmöglichkeiten haben Sie als Landtagsabgeordneter und die Landesregierung generell, um für mobiles Internet in Zügen zu sorgen?

Huber: Es sind Entscheidungen eigenwirtschaftlicher Unternehmen, ob die Bahnunternehmen in ihren Zügen den Zugang zum Internet sicherstellen und anbieten sowie in welchen Bereichen die Telekommunikationsunternehmen ihre Mobilfunknetze ausbauen. Als Landtagsabgeordneter setze ich mich öffentlich und in Gesprächen mit den Netzbetreibern für einen flächendeckenden Netzausbau ein. Eine weitere Möglichkeit, auf den Mobilfunknetzausbau politisch Einfluss zu nehmen, wäre im Rahmen eines Förderprogramms, wie es derzeit zur Förderung des Breitbandausbaus in Bayern erfolgt.

Sollten Bahn- und Netzbetreiber durch entsprechende Regelungen "gezwungen" werden, für mobiles Internet in den Zügen und entlang der Bahnstrecken zu sorgen?

Huber: Ich denke, dass sich in diesem Bereich bereits einiges in die richtige Richtung bewegt. Die Deutsche Bahn arbeitet daran, den Internetzugang in ihren Zügen auszubauen und hat zu diesem Zwecke auch Möglichkeiten gefunden, um schwierige technische Herausforderungen zu bewältigen. Diese technischen Herausforderungen sind in Anbetracht von schnell fahrenden Zügen, die Regionen mit sehr unterschiedlicher Topografie durchqueren, nicht zu unterschätzen. Ich erkenne diese Leistung der Deutschen Bahn an und betrachte diese Entwicklung als sehr positiv. Die Deutsche Bahn nimmt meines Erachtens diesbezüglich eine Vorreiterrolle ein und es ist anzunehmen, dass die anderen Bahnunternehmen nachziehen werden. Eines Zwanges bedarf es meines Erachtens nicht und er würde auch einen massiven staatlichen Eingriff in die Entscheidungen eines eigenwirtschaftlichen Unternehmens darstellen.

Sollten WLAN- Angebote in Zügen kostenlos sein? Oder ist es berechtigt, dass Bahn- und Netzbetreiber einen Obolus dafür von Fahrgästen verlangen?

Huber: Ich würde es begrüßen, wenn die WLAN- Angebote in allen Zügen und Klassen kostenlos wären. Allerdings obliegt auch die Entscheidung, ob die Bahnunternehmen ihren Kunden diesen Service anbieten möchten, letztendlich allein den Unternehmen, die auch ihre Wirtschaftlichkeit im Blick haben müssen. Fahrgäste der 2. Klasse können im ICE in Zukunft bis zu 200 Megabyte an Daten kostenlos nutzen, für Fahrgäste der 1. Klasse gibt es – bis auf Weiteres – kein Datenlimit. Das scheint mir eine vernünftige Regelung zu sein, denn für 80 Prozent der Nutzer reichen die 200 Megabyte völlig aus. Angesichts der hohen Kosten für den Mobilfunkausbau in dünn besiedelten Regionen hat es durchaus seine Berechtigung diejenigen zur Kasse zu bitten, die im Zug Videos streamen oder Online spielen wollen.

Bisher gibt es WLAN meist nur im Fernverkehr, also zum Beispiel in ICE-Zügen. Wie wichtig wäre funktionierender Mobilfunk in Regional- und S-Bahnen, in denen die meisten Pendler unterwegs sind?

Huber: Ich denke WLAN im Regionalverkehr wäre eine große Bereicherung für die Reisenden und würde die Regionalbahnen als Verkehrsmittel deutlich aufwerten. Deshalb freue ich mich sehr über die Ankündigung der WLAN- Initiative durch die DB Regio. Man darf bei diesem Thema nicht vergessen, dass heutzutage nicht nur die Geschäftsreisenden zwischen Berlin und München Internet brauchen, sondern auch die Pendler zwischen Altötting und Markt Schwaben! Deshalb ist es auch auf diesen Strecken dringend geboten, WLAN anzubieten.

Stellt funktionierender Mobilfunk Ihrer Meinung nach einen Vorteil für Züge als Transportmittel dar? Zum Beispiel gegenüber Flugzeugen?

Huber: Kostenloses WLAN gibt es auch in Fernbussen und soll bald von einigen Fluglinien angeboten werden. Schon in naher Zukunft wird kein Transportunternehmen mehr auf WLAN verzichten können, weil es vom Kunden zunehmend als selbstverständlich erwartet wird.

Kampagne: "Ein Netz für Bahnpendler"

Wer mit dem Zug zwischen Salzburg und München unterwegs ist, braucht also Geduld. Mobiles Internet gibt es entlang der Strecke nur selten. Selbst mit Telefonieren ist es schwierig.

Wir, die OVB24 GmbH mit ihren Nachrichtenportalen rosenheim24.de, chiemgau24.de, innsalzach24.de, BGLand24.de, wasserburg24.de und mangfall24.de, starten deshalb eine Kampagne. Wir wollen mit Unterstützung unserer Leser und gemeinsam mit Bahnbetreibern sowie Mobilfunkanbietern eine Lösung für die aktuelle Offline-Situation finden.

Aus diesem Grund haben wir auch die Facebook-Seite "Ein Netz für Bahnpendler" ins Leben gerufen. Auf dieser Facebook-Seite posten wir alle Artikel sowie die aktuellen Entwicklungen zum Thema. Alle betroffenen Bahnpendler sind herzlich eingeladen, die Facebook-Seite zu liken!

Quelle: rosenheim24.de

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