Kampagne "Ein Netz für Bahnpendler": Das sagen Politiker - Teil 2

Baumgärtner: "Auf 15 Prozent aller Strecken wird surfen nicht möglich sein!"

+
Jürgen Baumgärtner (43) ist seit 2013 Landtagsabgeordneter und Mitglied des Ausschusses für Wirtschaft und Medien, Infrastruktur, Bau und Verkehr, Energie und Technologie.
  • schließen

Landkreis - Wie wichtig ist mobiles Internet im Zug an Pendlerstrecken wie der von Salzburg nach München? Wir haben Bundes- und Landtagsabgeordnete nach ihrer Meinung dazu gefragt. Heute: MdL Jürgen Baumgärtner (CSU):

Wer auf Bahnstrecken der Region im Zug unterwegs ist, fährt oft netzlos. Auf dem Handy Neuigkeiten checken, die Zeit zum Arbeiten nutzen oder in der Firma Bescheid geben, dass der Zug verspätet ist? Kaum möglich. Bahnbetreiber nervt das Problem, den Service nur unter erschwerten Bedingungen anbieten zu können. Mobilfunkanbieter halten die Netzabdeckung entlang der Bahnstrecken allerdings für gut.

Die Situation ist verworren. Doch wie wichtig ist funktionierendes WLAN im Zug heutzutage? Wir haben nachgefragt.

Heute: Der CSU-Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner

Herr Baumgärtner, Sie sind Mitglied im Ausschuss Wirtschaft und Medien, Infrastruktur, Bau und Verkehr, Energie und Technologie. Wie wichtig ist Ihnen mobiles Internet beim Zugfahren, um zum Beispiel während der Fahrt arbeiten zu können?

Baumgärtner: Ich fahre regelmäßig mehrmals die Woche mit dem Zug vom fränkischen Kronach nach München und zurück. Hinzu kommen weitere berufliche Fahrten, zum Beispiel nach Berlin. Mir ist es sehr wichtig, dass ich während der Fahrt die Möglichkeit habe zu arbeiten, da ich sehr viel Zeit auf der Schiene verbringe, die ich sinnvoll nutzen möchte. Dafür brauche ich – zumindest die meiste Zeit – Zugang zum Internet und zum Mobilfunknetz.

Wer ist aus Ihrer Sicht für die Versorgung mit mobilem Internet in Zügen zuständig?

Weitere Informationen

Baumgärtner: Meines Erachtens ist es Aufgabe der Bahnunternehmen ihren Kunden als Serviceleistung während der Fahrt das Surfen und Telefonieren zu ermöglichen. Mit diesem Leistungsangebot wird Bahnfahren attraktiver und es stärkt die Bahn im Wettbewerb der Verkehrsmittel und im Vergleich zum Individualverkehr. Vonseiten der Deutschen Bahn ist dies meines Erachtens bereits erkannt worden, da sie in zahlreichen ICE-Zügen in Zusammenarbeit mit der Telekom WLAN-Zugänge anbietet. Die Deutsche Bahn stattet ihre gesamte ICE-Flotte bis Ende 2016 mit einer neuen Multiprovider-Technik für schnelleres und stabileres Internet aus. Weiterhin hat die DB Regio vor Kurzem eine weitere WLAN-Initiative angekündigt. Nach der Ausrüstung aller ICE bis zum Jahresende soll das WLAN-Angebot auch auf Regionalzüge ausgedehnt werden. Jedem Bahnreisenden soll zukünftig ein kostenloses Datenkontingent im Zug zur Verfügung stehen. Diese Initiative der Deutschen Bahn begrüße ich sehr. Allerdings weist die Abdeckung noch Lücken auf: Auf 15 Prozent aller Strecken wird surfen nicht möglich sein – obwohl die Bahn wegen der mangelhaften Netzabdeckung jedes einzelnen Betreibers die Netze mithilfe einer neuen Multiprovider-Technik bündelt. Hier sind die Netzbetreiber in der Pflicht. Bis Anfang 2020 sind sie verpflichtet, die ICE-Strecken vollständig zu versorgen. Das erwarte ich auch für die Regionalstrecken.

Welche Einflussmöglichkeiten haben Sie als Landtagsabgeordneter und die Landesregierung generell, um für mobiles Internet in Zügen zu sorgen?

Baumgärtner: Es sind Entscheidungen eigenwirtschaftlicher Unternehmen, ob die Bahnunternehmen in ihren Zügen den Zugang zum Internet sicherstellen und anbieten sowie in welchen Bereichen die Telekommunikationsunternehmen ihre Mobilfunknetze ausbauen. Als Landtagsabgeordneter kann ich auf derartige Unternehmensentscheidungen nur sehr begrenzt Einfluss nehmen, zum Beispiel indem ich mich öffentlich und in Gesprächen mit den Netzbetreibern für einen flächendeckenden Netzausbau einsetze. Eine weitere Möglichkeit, auf den Mobilfunknetzausbau politisch Einfluss zu nehmen, wäre im Rahmen eines Förderprogramms wie es derzeit zur Förderung des Breitbandausbaus in Bayern erfolgt.

Sollten Bahn- und Netzbetreiber durch entsprechende Regelungen "gezwungen" werden, für mobiles Internet in den Zügen und entlang der Bahnstrecken zu sorgen?

Baumgärtner: Ich denke, dass sich in diesem Bereich bereits einiges in die richtige Richtung bewegt. Die Deutsche Bahn arbeitet daran, den Internetzugang in ihren Zügen auszubauen und hat zu diesem Zwecke auch Möglichkeiten gefunden, um schwierige technische Herausforderungen zu bewältigen. Diese technischen Herausforderungen sind in Anbetracht von schnell fahrenden Zügen, die Regionen mit sehr unterschiedlicher Topographie durchqueren, nicht zu unterschätzen. Ich erkenne diese Leistung der Deutschen Bahn an. Und ich betrachte diese Entwicklung als sehr positiv. Die Deutsche Bahn nimmt meines Erachtens diesbezüglich eine Vorreiterrolle ein. Und es ist anzunehmen, dass die anderen Bahnunternehmen nachziehen werden. Eines Zwanges bedarf es meines Erachtens nicht. Und er würde auch einen massiven staatlichen Eingriff in die Entscheidungen eines eigenwirtschaftlichen Unternehmens darstellen.

Sollten WLAN-Angebote in Zügen kostenlos sein? Oder ist es berechtigt, dass Bahn- und Netzbetreiber einen Obolus dafür von Fahrgästen verlangen?

Baumgärtner: Ich würde es begrüßen, wenn die WLAN-Angebote in allen Zügen und Klassen kostenlos wären. Allerdings obliegt auch die Entscheidung, ob die Bahnunternehmen ihren Kunden diesen Service anbieten möchten, letztendlich alleine den Unternehmen, die auch ihre Wirtschaftlichkeit im Blick haben müssen. Fahrgäste der 2. Klasse können im ICE in Zukunft bis zu 200 Megabyte an Daten kostenlos nutzen, für Fahrgäste der 1. Klasse gibt es – bis auf Weiteres – kein Datenlimit. Das scheint mir eine vernünftige Regelung zu sein, denn für 80 Prozent der Nutzer reichen die 200 MB völlig aus, zum Beispiel für E-Mails, normales Surfen und die meisten Apps. Angesichts der hohen Kosten für den Mobilfunkausbau in dünn besiedelten Regionen hat es durchaus seine Berechtigung, diejenigen zur Kasse zu bitten, die im Zug Videos streamen oder Online spielen wollen.

Bisher gibt es WLAN meist nur im Fernverkehr, also zum Beispiel in ICE-Zügen. Wie wichtig wäre funktionierender Mobilfunk in Regional- und S-Bahnen, in denen die meisten Pendler unterwegs sind?

Baumgärtner: Ich denke WLAN im Regionalverkehr wäre eine große Bereicherung für die Reisenden und würde die Regionalbahnen als Verkehrsmittel deutlich aufwerten. Deshalb freue ich mich sehr über die Ankündigung der WLAN-Initiative durch die DB Regio.

Stellt funktionierender Mobilfunk Ihrer Meinung nach einen Vorteil für Züge als Transportmittel dar, zum Beispiel gegenüber Flugzeugen?

Baumgärtner: Kostenloses WLAN gibt es auch in Fernbussen und soll bald von einigen Fluglinien angeboten werden. Schon in naher Zukunft wird kein Transportunternehmen mehr auf WLAN verzichten können, weil es vom Kunden zunehmend als selbstverständlich erwartet wird.

Kampagne "Ein Netz für Bahnpendler"

Wer mit dem Zug zwischen München und Salzburg unterwegs ist, braucht Geduld. Mobiles Internet gibt es entlang der Strecke nur selten. Selbst mit Telefonieren ist es schwierig.

Wir, die OVB24 GmbH mit ihren Nachrichtenportalen rosenheim24.de, chiemgau24.de, innsalzach24.de, BGLand24.de, wasserburg24.de und mangfall24.de, haben deshalb eine Kampagne gestartet. Wir wollen mit Unterstützung unserer Leser und gemeinsam mit Bahnbetreibern sowie Mobilfunkanbietern eine Lösung für die aktuelle Offline-Situation finden.

Aus diesem Grund haben wir auch die Facebook-Seite "Ein Netz für Bahnpendler" ins Leben gerufen. Auf dieser Facebook-Seite posten wir alle Artikel sowie aktuelle Entwicklungen zum Thema. Alle betroffenen Bahnpendler sind herzlich eingeladen, die Facebook-Seite zu liken!

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT