Demjanjuk zurück in die USA?

+
Der frühere KZ-Wachmann John Demjanjuk

Bad Feilnbach/Cleveland - Sagt Ex-KZ-Wächter John Demjanjuk dem Pflegeheim in Bad Feilnbach "Good bye" und kehrt in die USA zurück? Seine Familie in Ohio arbeitet daran.  

Eine Farbkopie des Dienstausweises von Iwan "John" Demjanjuk, den er als "Wachmann" 1942 in seinem Ausbildungslager Trawniki bekommen hat.

„Es liegt uns ein FBI-Gutachten vor, dem zufolge der Dienstausweis von Demjanjuk als KZ- Wachmann eine Fälschung ist“, erklärte Busch heute gegenüber dem Oberbayerischen Volksblatt. Er hatte den 91-jährigen gebürtigen Ukrainer – der mo- mentan aber staatenlos ist – im Prozess vor dem Landgericht München vertreten. In einem exklusiven Interview mit der US-Nachrichten-Agentur AP hatte zuvor schon Demjanjuks Sohn, John Demjanjuk Jr., bestätigt, dass die Familie des in München wegen Beihilfe zum Mord an 27.000 Juden verurteilten 91-Jährigen für dessen Rückkehr in die USA kämpft. 

Die Familie hofft, dass Demjanjuks Ausbürgerungsverfahren wieder aufgenommen wird. Die USA haben dem gebürtigen Ukrainer aufgrund seiner Nazi-Vergangenheit die zuvor zuerkannte US-Staatsbürgerschaft entzogen.

„Es gibt bereits regen Schriftverkehr zwischen den zuständigen deutschen und amerikanischen Behörden bezüglich einer Wiederaufnahme meines Mandanten in die USA“, sagt Busch. Ob es dazu aber kommt, ist fraglich. Denn: In Deutschland läuft zum einen ein Revisionsverfahren gegen das Urteil des Münchner Landgerichts. Solange dieses nicht rechtskräftig oder revidiert sei, könne auch keine Ausreise erfolgen, erklärte dazu Pressereferentin Margarete Nötzel auf Nachfrage. Zum anderen erfolgt noch die Prüfung für ein etwaiges zweites Verfahren gegen Demjanjuk in der Oberpfalz.

Die Abschiebung des NS-Verbrechers Demjanjuk

Die Abschiebung des NS-Verbrechers Demjanjuk

Das Alten- und Pflegeheim in Bad Feilnbach, in dem der als Nazi-Verbrecher verurteilte John Demjanjuk ein kleines Zimmer im Erdgeschoss bewohnt

John Demjanjuk Jr. hat seinen Vater vor vier Tagen in Bad Feilnbach besucht. Er sei zuversichtlich, dass die Revision in Deutschland die Verurteilung seines Vaters aufheben werde.

Dieses Vorhaben war bereits 1993 geglückt, nachdem ein israelische Berufungsgericht das in den 80er-Jahren gegen Demjanjuk verhängte Todesurteil aufgehoben hatte. Damalige Begründung: Der gebürtige Ukrainer sei Opfer eines Identitätsdiebstahls gewesen.

"Die größere Frage ist, ob mein Vater so lange leben wird", sagte er AP. Der kranke 91-jährige Demjanjuk lebt seit seiner Verurteilung in einem Pflegeheim in Bad Feilnbach, weil keine Fluchtgefahr besteht. Die Kosten dafür trägt die Stadt München. In dem Pflegeheim soll der Senior, der nur ukranisch und englisch spricht, sehr isoliert leben.

 sm/re/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser