Jetzt wird die Wiesn eingepollert

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180 Poller sollen die Wiesn schützen. An der Synagoge stehen sie schon

München - Jetzt wird Ernst gemacht: Ab Ostern baut die Stadt für 3,3 Millionen Euro rund um die Theresienwiese 180 Poller ein. Für die Besucher bedeutet das mehr Sicherheit - und über kurz oder lang steigende Preise.

Die Poller sollen künftig das Oktoberfest vor Terror-Anschlägen mit Sprengstoff-Autos schützen. Bezahlen wird das letztendlich der Wiesn-Gast.

Rückblick: Es war am Morgen nach den Bundestagswahlen am 27. September 2009, als Bayerns Innenminister Joachim Herrmann den Terror-Alarm für das Oktoberfest ausrief. Hintergrund waren Droh-Videos aus dem Internet (siehe unten). Im November 2010 beschloss die Stadt nach langer Vorplanung im Einvernehmen mit Polizei und Innenministerium, das Festgelände künftig mit versenkbaren Pollern zu schützen. Voriges Jahr gab es noch ein Provisorium aus Beton-Pollern. 

Baubeginn ist noch im April: „Wir beginnen mit dem Einbau der Poller nach Ostern“, sagte der Sprecher des Baureferates, Jürgen Marek, zur tz. 100 feststehende und 80 versenkbare Poller werden künftig die sieben Einfahrten zum Wiesn-Gelände vor rollenden Bomben schützen. „Die Poller werden in Größe und Farbe denen am jüdischen Zentrum am Jakobsplatz entsprechen“, so Marek weiter. „Alle versenkbaren Poller werden über eine Ringleitung mit dem Behördenhof verbunden, wo die Polizei die Steuerung übernimmt.“ Ende Juli soll der Einbau abgeschlossen sein. „Danach gibt es noch eine Testphase.“

Die Behörden halten die Anti-Terror-Maßnahme weiter für nötig – auch wenn der Video-Terrorist von 2009, Bekkay Harrach, voriges Jahr in Pakistan erschossen wurde. Auch zwei 2009 in München verhaftete Männer mit islamischen Hintergrund erwiesen sich nicht als Bedrohung. Innenminister Herrmann am Dienstag zur tz: „An der grundsätzlichen Gefährdung insbesondere durch den islamistischen Terrorismus hat sich aber in den vergangenen Monaten nichts geändert.“

Die Baukosten von 3,3 Millionen Euro sollen über drei Jahre auf Wirte, Schausteller und Marktkaufleute umgelegt werden. Die Wirte sehen den Poller-Einbau zwiespältig: „Gerne zahlen tu’ ich das nicht, aber ich sehe ein, dass es sein muss“. so Wiesn-Wirt Wiggerl Hagn zur tz. Letztlich werde der Gast die Zeche zahlen: „Langfristig werden diese Mehrkosten auf die Preise umgelegt.“

Johannes Welte

Die Sicherheits-Offensive

Aufregung vor den Wahlen 2009 Terror-Videos im Netz „Afghanistan ist kein Oktoberfest“: Der Deutsch-Tunesier Bekkay Harrach (r.) droht vor der Bundestagwahl am 27. September mit Terror, wenn diese nicht zum Bundeswehr-Abzug aus dem Land führt. Ein anderes Drohvideo zeigt Bilder der Wiesn.

Polizei-Sperrgürtel um das Oktoberfest: Hochsicherheitstrakt Wiesn

Am Abend nach der Bundestagswahl beginnt die Polizei einen Sperrriegel um das Wiesngelände zu ziehen. Rund um die Theresienwiese werden Fahrzeuge als Barrieren aufgestellt. Im Winter danach beginnt die Stadt den Einbau versenkbarer Poller zu planen.

Provosorium gegen Terroristen 2010: Blumen und grüne Säulen

Weil die Stadt das Konzept der versenkbaren Poller nicht bis zum Jubiläums-Oktoberfest 2010 umsetzen kann, werden 70 Pflanzenkübel 50 mit grünen Wiesn-Plakaten beklebte Beton-Poller und entlang des Festgeländes aufgestellt. Kostenpunkt: 278 000 Euro.

Quelle: Oktoberfest live

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