Jahrhundertprojekt: Donauausbau biegt auf Zielgerade

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Luftbild der sogenannten Mühlhamer Schleife der Donau nahe Osterhofen (Landkreis Deggendorf)

Straubing/Vilshofen -Seit über 90 Jahren ist der Donauausbau politisches Thema. Eine 33 Millionen Euro teure EU-Studie vergleicht nun zwei Varianten des Ausbaus.

Kaum ein Projekt in Bayern hat einen so langen Vorlauf und ist so umstritten wie der Donauausbau. Bereits im Jahr 1921 gab es einen Vertrag, der den Fluss bis Passau für die Großschifffahrt befahrbar machen sollte. Seitdem sind auf dem rund 230 Kilometer langen Abschnitt zwischen Kelheim und Passau sechs Staustufen entstanden. Um den verbliebenen frei fließenden Bereich der Donau zwischen Straubing und Vilshofen ist dagegen in den vergangenen vier Jahrzehnten ein erbitterter Streit entbrannt. Jetzt biegt das Ausbauprojekt jedoch auf die Zielgerade ein. Nach drei Jahren endet in diesem Jahr eine 33 Millionen Euro teure Studie, die zwei Ausbauvarianten untersucht.

„In diesem Sommer sind alle technischen Daten vorhanden. Bis zum Herbst wird dann das Gesamtgutachten erstellt“, sagt die Leiterin der Arbeitsebene der EU-Studie, Mareike Borstelmann. In der Arbeitsgruppe wird ein Großteil der Untersuchungen durchgeführt. Zwei Möglichkeiten werden geprüft. Variante A ohne Staustufe mit ausschließlich flussregelnden Maßnahmen und Variante C 2,8 mit einem Stauwehr und einem mehrere Kilometer langen Schleusenkanal.

Widerstand von Naturschützern

Von Naturschützern gibt es heftigen Widerstand gegen die Pläne, das Flussstück mit einem Stauwehr zu kanalisieren. „Wir haben den Eindruck, dass die Untersuchungen vor allem die Machbarkeit und Vertretbarkeit der Variante C 2,8 bewiesen werden soll“, sagt Dieter Scherf vom Bund Naturschutz in Bayern (BN). Dabei stünden die einmaligen Auenlandschaften an der Isarmündung in Gefahr. „Eine Stauung verringert die Fließgeschwindigkeit und damit die Wasserstandsdynamik“, erläutert Scherf. Das für die Auen wichtige Niedrigwasser gäbe es dann nicht mehr.

Der Präsident der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Süd (WSD) in Würzburg, Detlef Aster, betont dagegen, dass im Abschlussbericht keine Empfehlung für eine der beiden Varianten stehen wird. „Wir sammeln Daten und Erkenntnisse. Die Entscheidung liegt dann bei der Politik.“ Überdies sei allen Beteiligten der ökologische Stellenwert der Donau bewusst. „Niemand will als Landschaftszerstörer dastehen.“ Die Studie schaffe größtmögliche Transparenz, weil die Umweltverbände rechtzeitig mit ins Boot genommen wurden.

ökologische Verträglichkeit

Beim Ausbau geht es um das Abwägen zwischen Wirtschaftlichkeit und ökologische Verträglichkeit. Die Schifffahrt richte sich bei der Kalkulation nach der Schwachstelle auf der Strecke, sagt Aster. „Und diese ist auf der Transkontinentalen Achse von Rotterdam bis zum Schwarzen Meer nun mal der freifließende Bereich der Donau zwischen Straubing und Vilshofen.“ Bislang dürfen große Güterschiffe hier nur an 165 Tagen im Jahr fahren. Ein Ausbau ohne Staustufe erhöhte diesen Wert laut Aster auf 185 Tage. Bei der Variante mit Stauwehr und Schleusenkanal könnten Schiffe an 290 Tagen im Jahr den Bereich befahren. Grundlage dafür ist eine Ladetiefe von 2,50 Meter.

Eine aktuelle Verkehrsprognose soll nun Aufschluss darüber geben, in wie weit eine Güterverlagerung von der Straße und Schiene auf das Wasser möglich ist. 2007 wurde aufgrund der EU-Osterweiterung ein Wachstum von 48 Prozent erwartet. Die Umweltverbände sind überzeugt, das die Verlagerung von der Straße auf das Wasser nur in ganz kleinem Umfang möglich ist. „Termingüter können einfach nicht auf der sehr langsamen Wasserstraße transportiert werden“, erläutert Scherf.

Die lange Zielgerade

Am meisten stört den Bund Naturschutz jedoch die Rolle der Rhein-Main-Donau AG (RMD), die die Federführung bei den Gutachten hat. „Die RMD wird mit dem Ausbau beauftragt und hat daher großes Interesse an der Variante mit Stauwerk, weil damit mehr Geld zu verdienen ist“, sagt BN-Landeschef Hubert Weiger. Nach Berechnungen der WSD kostet diese Variante etwa doppelt so viel. Wegen eines Interessenkonfliktes sei inzwischen der Ombutsmann der EU eingeschaltet werden, betonte Weiger. Seine Entscheidung wird im Sommer erwartet.

Die Zielgerade, auf die der Donauausbau eingebogen ist, kann also noch sehr lang werden. Ein Jahrhundertprojekt wird es aber auf jeden Fall. WSD-Präsident Aster rechnet mit mindestens fünf Jahren bis zur Ausschreibung, Klagen bereits eingerechnet. Dann folgen nochmal mindestens fünf Jahre Bauzeit.

André Jahnke/dpa

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