Jahrestagung des Verbands der Bayerischen Zeitungsverleger

Google und Mindestlohn: Probleme der Verleger 

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Anlässlich ihrer Jahrestagung diskutierten die Bayerischen Zeitungsverleger die aktuellen Probleme und zukünftigen Chancen der Branche in Rosenheim.
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Rosenheim/Gut Immling - Am Mittwoch diskutierten die Bayerischen Zeitungsverleger die Probleme der Branche und die Chancen der Digitalisierung. Welche Rolle Google dabei spielt:

Zahlreiche Vertreter aus den regionalen und überregionalen Bereichen der Medien, Wirtschaft und Politik waren der Einladung des Verbands der Bayerischen Zeitungsverleger (VBZV) am Mittwochabend nach Gut Immling gefolgt, um sich über den aktuellen Stand in Sachen Digitalisierung und Mindestlohn für Zeitungszusteller zu informieren. In angeregten Unterhaltungen konnten sich die Vertreter der Branche in angenehmer Atmosphäre austauschen. Am Vormittag fanden zunächst die interne Vorstandssitzung des VBZV und die jährliche Mitgliederversammlung im Medien-Forum im neuen Druckzentrum des OVB in Rosenheim statt.

Zwei neue Vorstände beim VBZV

Der Erste Vorsitzende des VBZV, Andreas Scherer, eröffnete die Tagung mit einem kurzen Jahresrückblick zur Verbandsarbeit. Der VBZV, so Scherer, sei intern gut aufgestellt und genieße extern als ebenso zuverlässiger wie professioneller Ansprechpartner hohe Wertschätzung. Geschäftsführer Dr. Markus Rick ging in seinem Geschäftsbericht auf die Top 5 der Verbandsarbeit ein. Dazu zählten die Aktivitäten des VBZV bei dem vom Bayerischen Ministerpräsidenten einberufenen „Runden Tisch Medienpolitik“, das medienpädagogische Engagement der bayerischen Verleger im Kultus- und Bildungsbereich, die erfolgreiche Reform des Pressekartellrechts, der aktuelle Sachstand beim Mindestlohn und das gegen erhebliche Widerstände von Google durchgesetzte Leistungsschutzrecht. 

Unter allgemeiner Zustimmung stellte der Geschäftsführer den Jahresabschluss 2013 vor und erläuterte die einzelnen Positionen. Bei Stimmenthaltung der jeweils Betroffenen, im übrigen einstimmig, wurde den Vorsitzenden, dem Vorstand, den Rechnungsprüfern und der Geschäftsstelle so dann Entlastung für das vergangene Geschäftsjahr erteilt und der Jahresabschluss genehmigt. Einstimmig wurde auch dem von der Geschäftsstelle vorgelegten Etatvoranschlag für 2014 zugestimmt. Neben einer Satzungsänderung erfolgte schließlich eine Nachwahl für zwei vorzeitig ausscheidende Vorstandsmitglieder. Als neue Vorstände wählte die Mitgliederversammlung Viola Vogelsang-Reichl, die Verlegerin von „Der Neue Tag“ aus Weiden und Daniel Schöningh, Geschäftsführer des Münchener Zeitungs-Verlags.

Bilder von der Tagung im Medienforum und dem neuen Druckzentrum in Rosenheim

VBZV tagte im OVB-Druckzentrum

Führung durch das neue OVB-Druckzentrum

Parallel zur Mitgliederversammlung im Druckzentrum hatten die Begleiterinnen der Verleger die Möglichkeit, einen Einblick in die Welt der Inka im Lokschuppen zu erhaschen. In einer knapp zweistündigen Führung durch die Austellung im Herzen von Rosenheim wurden die Interessierten über die Sitten und Gebräuche des südamerikanischen Volkes aufgeklärt.

Bilder vom Rahmenprogramm im Lokschuppen bei der Austellung "INKA"

Damen beim Besuch der INKA-Ausstellung

Die Abendveranstaltung auf Gut Immling mit Gastrednerin und Staatsministerin Ilse Aigner

Am Nachmittag wurde die Veranstaltung auf Gut Immling in festlichem Rahmen fortgesetzt. In seiner Eröffnungsrede stellte der 1. Vorsitzende des VBZV, Andreas Scherer, die Systemrelevanz der Zeitungen dar. Das Geschäftsmodell Zeitung stehe auf grundsoliden Beinen. Das Thema "Wahlen" habe die Bedeutung aber auch die Verantwortung der Verleger und ihrer Zeitungen wieder einmal eindrucksvoll bewiesen. Umfragen zufolge sei die Glaubwürdigkeit in keinem anderen Medium so hoch, auch jugendliche Bürgerinnen und Bürger würden sich ihre Informationen meist aus den lokalen Tageszeitungen besorgen. Diese Tatsache führe zu einer stabilen Auflage in Bayern, so Scherer. Mit circa 80 Prozent stelle die Zeitung und die damit verbundenen Ableger wie Online oder Mobil einen echten "Reichweitengiganten" dar. Dazu kommt, dass "wir wissen, was Sache ist, wir sind ja schließlich vor Ort", betonte Andreas Scherer. Gleichzeitig mahnte er jedoch zu mehr Selbstbewusstsein, anstatt nur zu jammern. Ihm sei bewusst, dass ein gewisser Aufwand und natürlich auch Geld nötig seien, diesen Standard zu halten. Deswegen setze er sich auch weiterhin für einen fairen Lohn in der Branche ein. Aktuelle Modelle, die dabei auf dem Prinzip Mindestlohn basieren, könne er jedoch nicht befürworten. Zeitungsausträger, egal ob Nebenjobber oder Rentner, müssten anhand der ausgelieferten Stückzahlen bezahlt werden. "Hier ist eine Nachbesserung nötig", addressierte der erste Vorstand des VBZV an die Politik.

Ein weiterer Diskussionspunkt sowohl in der Mitgliederversammlung als auch am Abend beim festlichen Teil war die weitere Verfahrensweise mit dem amerikanischen Internet-Giganten "Google". Scherer bemängelte die Strategien des Konzerns, aus denen selbst sein Geschäftsführer keinen Hehl zu machen scheint. Google strebe ganz deutlich die "digitale Weltherrschaft an. Dieser "digitale Darwinismus", die Verdrängung von Konkurrenten könne, wenn dem nicht Einhalt geboten werden, das Prinzip "Laptop und Lederhose sehr schnell verdrängen", erklärte Scherer am Abend. Hier bleibe den Verlegern nichts anderes übrig, als sich selbst zu helfen. Es gelte, die Chancen der digitalen Revolution zu nutzen und langsam und schrittweise von der kostenlosen hin zur kostenpflichtigen Berichterstattung im Internet zu wechseln. Unterschiedliche Modelle der Bezahlsysteme würden bereits diskutiert. Ein modernes Medienhaus könne sich darüber hinaus ohnehin nicht ohne ein Bedienen der drei großen Felder Print, Online und Mobil konkurrenzfähig halten, schloss Andreas Scherer.

Bilder vom Festabend mit musikalischen und kulinarischen Highlights auf Gut Immling

Bilder vom Festabend des VBZV

Staatsministerin und Gastrednerin Ilse Aigner gestand am Abend, dass auch sie mit der OVB-Heimatzeitung, genauer gesagt mit dem Mangfallboten, aufgewachsen ist. Mittlerweile habe sie aber auch die digitale Variante der Zeitung zu schätzen gelernt. Spurlos sei die "digitale Revolution jedoch nicht an den Zeitungsverlagen vorübergegangen". Aigner könne durchaus eine gewisse Existenzbedrohung ausgehend vom Umbruch im Kerngeschäft erkennen. In Bezug auf den Mindestlohn stellte die Staatsministerin die Hilfe der Politik in Aussicht. Der Verband habe die Lage gut erfasst und auch die Politikerin sehe beim Wegegeld oder den Nachtzuschlägen ernsthafte Möglichkeiten zur Kompensation der Problematik. "Wir werden das Problem lösen, dafür setze ich mich ein", versprach Aigner am Abend.

In Bezug auf die "digitale Revolution" zeigte sich Aigner von sogenannten "Cross-Media" Inhalten sehr begeistert. Die neuen Möglichkeiten würden ja schließlich auch die Reichweite der Zeitungsverlage erhöhen und hätten sich bereits jetzt als Erfolgskonzept bewiesen. Die Frage sei schlicht "wie man damit Geld verdienen kann, nicht ob". Um diese Frage beantworten zu können, wolle der Freistaat auch künftig in Forschungs- und Pilotprojekte und dem Oberbegriff "Bayern digital" investieren. Verbesserungen und Ausarbeitungen müssten jedoch im Bereich des deutschen Internetrechts vorgenommen werden. Mit Gesetzen, die "gefühlt weit vor dem Durchbruch des Internets" entstanden sind, sei man den großen Konkurrenten aus Übersee nicht mehr gewachsen. Zudem habe man den Konzern "Google" lange unterschätzt, was jedoch nichts daran ändere, dass auch dieser sich Gesetzen unterwerfen müsse "wie jeder andere auch", so Aigner. Deswegen forderte die Staatsministerin abschließend ein neues und überarbeitetes "Gesetz zur Multimedialität".

Mit aufwendigen, musikalischen Darbietungen und kulinarischen Höhepunkten ging der Abend auf Gut Immling schließlich mit angeregten Diskussionen und gelöster Stimmung zu Ende.

Einen ausführlichen Bericht zur Jahrestagung des Verbands der Bayerischen Zeitungsverleger lesen sie in der Donnerstagsausgabe der OVB-Heimatzeitungen.

Quelle: rosenheim24.de

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