Tatort Internet: Polizisten jagen Kriminelle

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München - Die Kriminalpolizei bekommt Zuwachs: Bald sollen extra ausgebildete Informatiker Verbrecher im Internet jagen. Davor bekommen die Computerexperten noch eine Zusatzausbildung.

Bayern will mit speziell ausgebildeten “Internetpolizisten“ gegen die zunehmende Kriminalität im Netz vorgehen: 54 Computer- und Informatik-Experten, die zusätzlich zu Vollzugsbeamten ausgebildet wurden, treten in diesem Jahr ihren Dienst bei der Kriminalpolizei an.

Das kündigte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Dienstag in München an. “Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein“, betonte er. Der CSU-Politiker forderte dabei auch erneut eine rasche Neuregelung der Vorratsdatenspeicherung.

Internetkriminalität auf dem Vormarsch

Nach den Worten Herrmanns ist die Kriminalität im Internet weiter auf dem Vormarsch. So seien im Jahr 2010 in Bayern rund 23 000 Straftaten im Zusammenhang mit dem Internet gezählt worden. Meist gehe es dabei um Betrug, teilweise habe man es mit ganzen Betrügerbanden zu tun.

Herrmann erinnerte an eine kriminelle Bande, die im Internet mehr als 100 000 Kunden geprellt haben soll. Hier wurden im Netz Waren gegen Vorkasse angeboten, aber nie geliefert. Der entstandene Schaden werde auf rund 40 Millionen Euro geschätzt, berichtete Herrmann.

Als weitere Beispiele für die zunehmende Cyber-Kriminalität nannte Herrmann Urheberrechtsverletzungen - also Raubkopien etwa von Filmen oder Spielen -, den organisierten Handel mit illegalen Arzneimitteln und Angriffe auf Unternehmen und Behörden mit Cyber-Attacken. Und das “abscheulichste Delikt“ in der virtuellen Welt sei Kinderpornografie.

"Im Netz hilft kein Fingerabdruckpulver"

Herrmann mahnte deshalb, wenn man Spuren von Tätern im Internet sichern wolle, müsse man auf die Verbindungsdaten zurückgreifen können. Man müsse beispielsweise identifizieren können, wer hinter einer IP-Adresse stecke. “Am virtuellen Tatort hilft kein Fingerabdruckpulver“, sagte er. Deshalb müsse Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) endlich einen praktikablen Gesetzentwurf zur Vorratsdatenspeicherung vorlegen. Es sei beschämend, dass ausgerechnet Deutschland hier im Hintertreffen sei.

Der Polizeiexperte der Landtags-SPD, Harald Schneider, kritisierte: “Dass Internetpolizisten zur Bekämpfung der Cyberkriminalität nötig sind, weiß längst jeder - diese Erkenntnis von Innenminister Herrmann kommt eindeutig zu spät.“ Die Experten hätten viel früher eingestellt werden müssen, betonte Schneider.

dpa

Rubriklistenbild: © Symbolbild (dpa)

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