"Ich bin doch kein Mörder"

Laufen – Zahlreiche Medienvertreter – sogar aus Russland – sind am Montag nach Laufen gekommen. Dort hat der Prozess um den Bob-Unfall am Königssee im November 2009 begonnen.

So groß das Medieninteresse an dem Prozessauftakt war, so gering war die Anzahl der Zuhörer. Das Schicksal der 22-jährigen Bobfahrerin und ihrer drei Mannschaftskollegen scheint kaum mehr zu interessieren.

Am 23. November 2009 hatte das Training für den Bob-Europacup am Königssee begonnen. Der russische Damenbob wurde von dem russischen Herrenbob gerammt. Wie es zu diesem Unglück kam, soll der Prozess klären. Angeklagt ist ein 63-jähriger Funktionär des Internationalen Bobverbandes FIBT. Er soll die Damen von einem unteren Startplatz starten lassen haben, obwohl der Start für den regulären Bobstart freigegeben war.

„Ich bin doch kein Mörder“, betonte der Angeklagte während des Prozesses. Er rieb sich immer wieder die Augen und schüttelte bei den Zeugenaussagen immer wieder den Kopf. „Ich bin an der Geschichte nicht schuld, da ist alles Mögliche zusammen gekommen.“

Diesen Ablauf bestätigten alle geladenen Zeugen bisher. In einem Punkt scheiden sich die Geister aber deutlich. „Wir sind noch nie auf Lautsprecher-Durchsagen gestartet“, gaben Rennleiterin, Zeitnehmer und Bahnmitarbeiter zu Protokoll. Doch der Angeklagte bleibt klar bei seiner Aussage: „Die Ampelanlage war für mich am S1 nicht relevant, da es oft länger als 60 Sekunden dauert, den Bob in die Bahn zu heben.“

Lesen Sie auch:

Bobunfall: Heute beginnt der Prozess

Nachweislich ist tatsächlich ein Bob der S1-Starter bei rot gefahren. Die Zeitnahme hat dies nicht beim Starter bemängelt. Der entscheidende Fehler des FIBT-Funktionärs soll aber gewesen sein, dass er nicht angemeldet hat, dass das russische Team letztlich doch am unteren Startplatz angekommen war und nach den ersten vier Teams starten sollten.

Keiner der geladenen Zeugen konnte bestätigen, dass tatsächlich offiziell über die Bahnlautsprecher der Start vom S1 nach oben verlegt wurde. Laut dem Angeklagten habe dann die Lautsprecherdurchsage gelautet: „Bahn frei für Russland.“ Der Zeitnehmer selbst sagte aber aus, dass er den niederländischen Bob aufgerufen habe. Der Starter am Bobstart schickte aber den vereinbarten russischen Spurbob los – gleichzeitig ließ der Angeklagte das russische Damenteam in die Bahn – bei roter Ampel.

Wären die Damen nicht gestürzt, wären alle Beteiligten wahrscheinlich mit einem blauen Auge davon gekommen. So kam es aber zu dem tragischen Unfall bei dem eine russische Bobfahrerin so schwer verletzt worden ist, dass sie massivste dauerhafte Schäden davon trägt. Sie wird wohl Zeit ihres Lebens an den Rollstuhl gefesselt sein. Die anderen drei Beteiligten kamen glimpflich davon.

Ob der Prozess für den Angeklagten glimpflich ausgehen wird, ist unklar. Bisher wurden Bahnmitarbeiter, Zeitnehmer und die Rennleiterin befragt. Auch der ehemalige Bobfahrer und heutiger Trainer Christoph Langen sagte aus. Die beiden betroffenen Russinnen waren entschuldigt nicht anwesend. Ihre Aussage wurde am Nachmittag verlesen. Genau, wie die der beiden Herren des russischen Teams, die in den anderen Bob saßen. Sie erchienen nicht vor Gericht.

Der Prozess wird kommenden Mittwoch fortgesetzt. Dann soll die Beweisaufnahme mit weiteren  Zeugenvernehmungen und -aussagen abgeschlossen werden. Die Plädoyers und ein Urteil werden am Montag erwartet.

Christine Zigon/red-bgl24

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © cz

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser