Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Hotspot Südostbayern

Inzidenz über 500: Enorm viele Kinder und Jugendliche in der Region mit Corona infiziert

Zwei Schulkind führen in einem Klassenraum einen Corona-Schnelltest bei sich durch.
+
Zwei Schulkinder führen in einem Klassenraum einen Corona-Schnelltest bei sich durch.

Betrachtet man ganz Deutschland, stagnierten die Corona-Fallzahlen zuletzt. Doch je nach Alter und Region sind die Entwicklungen ganz verschieden. Vor allem unsere Region hat weiter mit enorm hohen Inzidenzen zu kämpfen. Auffällig ist zudem, dass sich vor allem immer mehr Kinder und Jugendliche mit dem Virus infizieren.

Südostbayern - Erstmals seit Mai liegt die Corona-Inzidenz in Bayern wieder über 100. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete am Freitagmorgen einen Wert von 100,2 für den Freistaat. Zuletzt hatte Bayern am 13. Mai über 100 gelegen. Bundesweit weist der Freistaat damit die laut RKI zweithöchste Inzidenz hinter Thüringen auf.

Das Robert Koch-Institut (RKI) registriert in einzelnen Regionen Deutschlands besonders viele Corona-Ansteckungen bei Kindern und Jugendlichen. In acht Landkreisen liege die Sieben-Tage-Inzidenz derzeit bei den zehn- bis 19-Jährigen bei mehr als 500, twitterte das RKI am Donnerstagabend zu einer Auswertung im neuen Corona-Wochenbericht

Drei dieser Kreise bzw. Städte befinden sich in unserer Region. Sowohl der Landkreis Berchtesgadener Land, der Kreis Traunstein als auch die Stadt Rosenheim meldet in diesem Altersbereich eine Inzidenz von über 500. Und auch die Kreise Rosenheim, Altötting und Mühldorf weisen in der Altersgruppe zwischen zehn und 19 Jahren Inzidenzen zwischen 250 und 500 auf. Dieser Trend setzt sich auch bei den 20 bis 29-Jähren fort. Dort liegen in der gesamten Region die Werte zwischen 250 und 500.

„Verstärktes Infektionsgeschehen an Schulen“

Wenngleich die Inzidenzen in den weiteren Altersgruppen nur bedingt abnehmen, ist ein klarer Trend zu erkennen. Immer mehr Kinder und Jugendliche kommen mit dem Virus in Kontakt. Bereits seit einiger Zeit werden zahlreiche Corona-Infektionen insbesondere bei Kindern ab dem Schulalter und bei Jugendlichen festgestellt. Das Landratsamt Berchtesgadener Land - Kreis mit der höchsten Inzidenz in ganz Deutschland - bestätigte am Donnerstag (14. Oktober) diese Entwicklung. Wörtlich hieß es von Seiten der Behörde: „Nach wie vor ist dabei ein verstärktes Infektionsgeschehen insbesondere an Schulen, aber auch an Kindergärten erkennbar.“

Corona-Lage in der Region

Erstmals seit Mai hat ein bayerischer Landkreis die Inzidenzschwelle von 300 überschritten: Für Berchtesgadener Land meldete das RKI einen Wert von 312,2 Infektionen pro Woche und 100 000 Menschen. Das ist auch bundesweit der höchste Wert.

Derzeit sind neun der zehn deutschlandweit höchsten Inzidenzen in Bayern zu finden. Auf den Plätzen zwei bis vier liegen der Landkreis Traunstein mit 259,2, der Stadtkreis Rosenheim mit 235,9 und der Landkreis Straubing-Bogen mit 226,1.

Das RKI registrierte zum Beispiel in den vergangenen vier Wochen bundesweit 188 übermittelte Kita-Ausbrüche. Der weitere Verlauf des Infektionsgeschehens in Kitas könne wegen noch eingehender Nachmeldungen jedoch nicht gut bewertet werden. Seit dem Vorjahr nahm der Anteil der 0- bis 5- jährigen Fälle an allen in Kita-Ausbrüchen beteiligten Fällen kontinuierlich zu: Von etwa 35 Prozent während der zweiten Welle und etwa 45 Prozent während der dritten Welle auf zuletzt etwa 60 Prozent im August/September 2021. 

636 Corona-Ausbrüche an Schulen

In den Schulen zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Die Zahl der übermittelten Schulausbrüche habe von Anfang August bis Ende September 2021 wieder sehr deutlich zugenommen. Bisher wurden 636 Schulausbrüche für die letzten vier Wochen (MW 37-40/2021) übermittelt, doch auch hier sind insbesondere die letzten zwei Wochen noch nicht bewertbar.

Von März 2021 bis Mitte Juni 2021 betrafen die meisten übermittelten Fälle in Schulausbrüchen Kinder im Alter von 6-10 Jahren (6-10: 41 %; 11-14: 18 %; 15-20: 21 %; ab 21: 20 %). Seit Anfang August 2021 werden überwiegend Fälle im Alter von 6 bis 14 Jahren in Schulausbrüchen übermittelt, während der Anteil der 15-20-jährigen und vor allem der über 20-jährigen Fälle abnimmt (6-10: 41 %; 11-14: 36 %; 15-20: 15 %; ab 21: 8 %).

Zu den Landkreisen und deren jeweiligen Zahlen bzw. zu möglichen Hintergründen machte das RKI jedoch keine konkreten Angaben. Die Gründe für die steigenden Fallzahlen bei Kindern und Jugendliche könnten allerdings auf der Hand liegen. An Kitas und Schulen wird regelmäßig auf das Virus getestet, die Testaktivitäten wurden also deutlich ausgeweitet. Zudem spielt die leichtere Übertragbarkeit der Delta-Variante eine übergeordnete Rolle. Der Anteil der Delta-Variante beträgt derzeit über 99 Prozent der Corona-Fälle, wie das RKI im aktuellen Wochenbericht darstellt.

Keine Masken mehr in Schulen und Cluböffnungen

Seit 4. Oktober müssen in Bayerns Schulen am Platz auch keine Masken mehr getragen werden. Weiter haben seit Anfang diesen Monats die Diskotheken und Clubs im Freistaat wieder geöffnet - wenngleich unter Voraussetzungen der 3G-Plus-Regel.

Bislang sind die Covid-19-Impfstoffe auch erst ab 12 Jahren zugelassen. Die Impfquote bei 12- bis 17-Jährigen ist ebenso noch wesentlich niedriger als bei Erwachsenen. Kinderärzte beobachten allerdings eine hohe Nachfrage nach Impfungen in den Praxen, seit die Ständige Impfkommission Mitte August eine uneingeschränkte Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren ausgesprochen hat. Auf die medizinische Empfehlung der Kommission hätten viele Eltern gewartet, hatte Jakob Maske, Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, gesagt.

Kinder und Jugendliche erkranken zwar deutlich seltener schwer an Covid-19 als ältere Menschen, es gibt aber noch offene Fragen rund um Langzeitfolgen.

Zwischen Durchseuchung und Vermeidungsmaßnahmen

Der Berliner Virologe Christian Drosten sagte bereits mit Schulstart Ende August, dass man bei Kindern den Mittelweg zwischen Durchseuchung und strengsten Vermeidungsmaßnahmen finden müsse. „Ein kontrolliert schwelendes Geschehen muss man akzeptieren, wenn der Schulbetrieb laufen soll. Man wird nicht jegliche Verbreitung an Schulen unterbinden können, aber möglichst eine unkontrollierte Ausbreitung.“

Ganz zentral bleibe bei den Schulen das Erwachsenen-Umfeld. Lehrer und Eltern sollten möglichst zu 100 Prozent geimpft sein, betont Drosten. Vorstellbar seien etwa Impfkampagnen für Eltern an den Schulen. Denn: „Natürlich dürfen die Schulen möglichst nicht noch einmal geschlossen werden.“ Mögliche Schulschließungen sind derzeit offenbar aber kein Thema.

Lage auf Intensivstationen

Auf den Intensivstationen zeichne sich laut RKI über die vergangenen Wochen ein Plateau bei den Fallzahlen von Patientinnen und Patienten mit Covid-19 ab, schreibt das RKI weiter. Momentan werden dort knapp 1400 daran erkrankte Erwachsene versorgt. Das Divi-Intensivregister gibt den Anteil von minderjährigen Betroffenen mit 0,7 Prozent an (Stand 14. Oktober).

In den Gruppen ab 70 Jahren, für die die Ständige Impfkommission (Stiko) mittlerweile eine Auffrischungsimpfung empfiehlt, fallen die Inzidenz-Anstiege laut Bericht größtenteils leicht aus. Größer ist er vor allem bei den Hochaltrigen über 90 Jahre - der Wert stieg von 39 auf 48 von vorvergangener auf vergangene Woche. Im höheren Alter falle die Immunantwort nach Impfungen insgesamt geringer aus und Impfdurchbrüche könnten häufiger auch zu einem schweren Verlauf führen, hieß es kürzlich in der Stiko-Begründung zu den Booster-Impfungen.

Insgesamt bewertet das RKI die Lage bei den Infektionszahlen derzeit als stagnierend. Die Entwicklungen in den einzelnen Bundesländern unterscheiden sich. Deutliche Anstiege verzeichneten im Vergleich der beiden vergangenen Wochen Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und das Saarland, heißt es im Wochenbericht. In Bayern (13 Millionen Einwohner) liegt der Wert der Covid-19-Fälle, die intensivmedizinisch versorgt werden, bei Werten zwischen 250 und 260 (15. Oktober: 256). Zum Vergleich der Wert in Nordrhein-Westfalen (knapp 18 Millionen Einwohner) liegt der Wert bei 304.

mz

Kommentare