"Wie in Afrika zur Regenzeit"

Hochwasser verhindert Africa-Festival

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Die überfluteten Mainwiesen in Würzburg

Würzburg - Wo vor wenigen Stunden noch afrikanische Händler ihre Waren feilboten und die Musik des Schwarzen Kontinents über die Wiesen tönte, schwappt nun braunes Mainwasser.

Das Hochwasser hat Besitz ergriffen von den Mainwiesen, auf denen seit mehr als 20 Jahren das Würzburger Africa-Festival im Frühjahr für vier Tage einen festen Platz hat. Erstmals in der Geschichte des mittlerweile größten Afrika-Festivals seiner Art in Europa fand die Veranstaltung ein abruptes Ende - zumindest zum Teil. Die Abendkonzerte konnten spontan ins Trockene verlegt werden. Fast das gesamte Rahmenprogramm fiel allerdings im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser.

Nur einen Tag nach der Eröffnung des Festivals mussten die Zelte bereits wieder abgebrochen werden. In Windeseile packten deshalb nicht nur die Basarhändler und Veranstalter all ihre Dinge zusammen, auch die Campingplatzbesucher hatten am Freitagmorgen plötzlich alle Hände voll zu tun. „Ständig gab es neue Meldungen zum Hochwasser und alle lauteten anders. Die Zeltenden haben zum Teil hektisch und panisch abgebaut“, erinnert sich Ellen Schulte aus Berlin. Die 62-Jährige kommt seit fast 20 Jahren zu dem Festival. Sie und ihre Freundinnen sind in der Turnhalle eines Gymnasiums untergekommen. Das Deutsche Rote Kreuz und die Stadt reagieren sehr schnell auf die Situation: 500 Feldbetten konnten spontan organisiert werden, mehr als die Hälfte davon ist in den Nächten belegt. „Eine klasse Leistung“, loben die Frauen.

Auf dem Zeltplatz unmittelbar hinter dem Festivalgelände steht mittlerweile hüfthoch das Wasser. Rund 1000 Camper hatten sich dort niedergelassen. „Das ging so wahnsinnig schnell. Das ist jetzt ein See. Da schwimmen mittlerweile Enten drauf“, sagt die Berlinerin. Die Stimmung lassen sich die Frauen trotzdem nicht verderben. „Es ist jetzt ein bisschen wie in Afrika zur Regenzeit. Und genau so spontan wie dort auch“, sagt Schulte.

„Wir mussten viel improvisieren und das hat wirklich gut geklappt“, sagt auch Würzburgs Kulturreferent Muchtar Al Ghusain als er sich in der Notunterkunft in dem Würzburger Friedrich-König-Gymnasium ein Bild von der Lage macht. Bürgerschaft und Stadt haben mittlerweile eine Spendenaktion angeschoben, um den finanziell gebeutelten Veranstaltern unter die Arme greifen zu können. Auch die fast 100 Händler sollen möglicherweise einen finanziellen Ausgleich erhalten. Wie groß das finanzielle Loch sein wird, das das Hochwasser gerissen hat, können Mitorganisator Stefan Oschmann und sein Team noch nicht beziffern. „Jetzt räumen wir erstmal auf und dann sehen wir weiter.“

Der thematische Schwerpunkt des diesjährigen Festivals - der Jubiläumsausgabe nach 25 Jahren - lag auf dem krisengeschüttelten Land Mali. Der Tourismus-Minister des Landes, Yehia Ag Mohamend Ali, blieb trotz der Wassermassen in Würzburg und diskutierte auch am Sonntag über die Situation in dem afrikanischen Land. „Das Festival ist eine Chance, sich auf einer internationalen Bühne zu äußern.“

Alle Musiker der offenen Bühne, darunter viele Nachwuchskünstler, sind schon jetzt für das nächste Jahr wieder eingeladen. Wo dann das Festival stattfindet, ist allerdings noch unklar. Die Mainwiesen werden es wahrscheinlich nicht mehr sein, kündigt Veranstalter Oschmann am Sonntag an.

Ellen Schulte und ihre Freundinnen werden trotz des Hochwassers das diesjährige Festival in guter Erinnerung behalten. „Sonst haben wir von Würzburg nie was mitgekommen. Dazu haben wir jetzt endlich die Gelegenheit. Ich sehe das ganz positiv.“

dpa

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