+++ Eilmeldung +++

DNA-Spuren liefern Mann aus

Frau vergewaltigt, gequält, lebendig verscharrt: Täter 30 Jahre später gefasst

Frau vergewaltigt, gequält, lebendig verscharrt: Täter 30 Jahre später gefasst

Ambulanz der Heckscher-Klinik droht das Aus

"Schließung der Ambulanz wäre dramatisch"

+
Der Ambulanz der Heckscher-Klinik in Waldkraiburg droht das Aus
  • schließen

Waldkraiburg - Der Oberarzt der Ambulanz der Heckscher-Klinik warnt vor einer Schließung der Einrichtung. Von den Menschen in der Region werde man dringend gebraucht.

Dr. Thomas Schunck aus Tacherting (Landkreis Traunstein) ist eigentlich ein fröhlicher Mann. Im Gespräch macht er gerne Scherze, lächelt viel. Und nein, auch durch das drohende Aus der Psychiatrischen Ambulanz der Heckscher-Klinik in Waldkraiburg, dessen medizinischer Leiter er ist, lasse er sich die gute Laune nicht verderben. Spricht er über die Folgen einer Schließung für die Patienten wird Schunck aber sehr ernst. "Das wäre für die Leute hier dramatisch", sagt der 51-Jährige. Dramatisch, Wahnsinn - mit diesen drastischen Worten illustriert der Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, was er von einer Schließung hält. Dabei haben weder die Heckscher-Klinik noch die ihr übergeordneten Kliniken des Bezirks Oberbayern (kbo) ein Interesse daran, die Ambulanz dicht zu machen. Weil aber eine Ausnahmegenehmigung der Krankenkassen Ende Juni 2015 ausläuft, ist die Gefahr einer Schließung sehr groß.

Schließung wäre "ein ziemlicher Quatsch"

Dr. Thomas Schunck, medizinischer Leiter der Waldkraiburger Ambulanz (zum Vergrößern Bild anklicken)

"Wir rödeln hier, die Fälle werden immer komplexer", sagt Schunck. "Wir bekommen es schon so nicht geschultert. Und dann wollen die uns hier schließen?" Als Institutsambulanz bräuchte die Waldkraiburger Einrichtung eine Klinik vor Ort, um fortbestehen zu können. Das sei "mit logischem Verstand nicht nachvollziehbar", findet der 51-Jährige. Eine Klinik vor Ort sei etwa für eine chirurgische Ambulanz sinnvoll, weil diese die Infrastruktur einer Klinik benötige. Bei einer psychiatrischen Ambulanz sei das genaue Gegenteil der Fall. Gerade weil es in der Region keine Klinik gebe, sei eine Ambulanz dringend nötig, die aktuelle Ausnahmegenehmigung also berechtigt. Dass diese von der Kassenärztlichen Vereinigung in Frage gestellt werde, sei "ein ziemlicher Quatsch". Eine Schließung nennt Schunck schlicht "Wahnsinn. Das kann ich nicht anders sagen".

Schunck erinnert daran, dass es in der Region nur relative wenige Kinder- und Jugendpsychotherapeuten und gar keinen niedergelassenen Kinder- und Jugendpsychiater gebe. Die Patienten, die gegenwärtig die Waldkraiburger Ambulanz aufsuchen, müssten nach einer Schließung in Einrichtungen in Wasserburg oder Altötting gehen - mindestens. Reichen die Kapazitäten dort nicht aus, müssten manche Patienten sogar bis nach München fahren. Dabei gebe es Patienten, die sich gar keine Zugfahrkarte leisten könnten, warnt Schunck. "Hier ist ein sozialer Brennpunkt. Wir haben hier eine wichtige Funktion."

Keine alternative Versorgungsmöglichkeit

Lesen Sie dazu auch:

Stadträte gegen die Schließung der Ambulanz

Schunck zufolge gibt es sogar Patienten, die ganz spontan in der Ambulanz aufschlagen - einfach, weil sie wissen, dass es sie gibt. "Es ist nicht so selten, dass Jugendliche alleine hierherkommen, die in einer totalen Krise sind", erklärt der 51-Jährige. Wo sollten diese Menschen ab Juli hingehen? Nach Wasserburg? Nach München? Schunck befürchtet, genau diese Patienten könnten dann vielleicht gar keine Einrichtung mehr aufsuchen. "Das wird auch das Gesundheitssystem teuer kommen, wenn wir nicht mehr hier sind." Laut Schunck gibt es in der Region schlicht keine alternative Versorgungsmöglichkeit.

Nicht selten kümmert sich die Ambulanz um echte Notfälle, um Menschen, die selbst- oder fremdgefährdend sind. "In der Weihnachtszeit haben wir sieben Notfälle pro Woche", sagt Schunck. Die Ambulanz ist primär für Diagnostik und Beratung zuständig. Konkret heißt das, dass die Mitarbeiter feststellen, welche Probleme der Patient hat und wie ihm geholfen werden sollte. Für die Therapie werden die Patienten oft an passende Anlaufstellen weitervermittelt, an niedergelassene Psychotherapeuten oder an stationäre Einrichtungen. Jeder Mitarbeiter habe aber auch selbst Therapiepatienten, die wöchentlich oder alle 14 Tage kommen, erklärt Schunck.

Eng vernetzt mit Schulen, Ämtern und Ärzten

Die Patienten kommen auf unterschiedlichsten Wegen zur Ambulanz. Man sei eng vernetzt mit den Jugendämter in Mühldorf, Altötting, Traunstein und Rosenheim, mit den Schulpsychologen, den niedergelassenen Psychotherapeuten, den Kinder- und Hausärzten sowie den therapeutischen Wohngruppen in der Region. "Die Netzwerkfunktion ist nicht ohne. Ich glaube, dass viele uns einfach schätzen", sagt der 51-Jährige. Auch den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in Waldwinkel kommt die Ambulanz zugute. "Ich habe selber einen Flüchtling als Patienten, der schwerst traumatisiert ist", erzählt Schunck.

Entwicklungsstörungen wie Sprachstörungen oder Autismus, emotionale Störungen wie Depressionen oder Schulängste, Persönlichkeitsstörungen, Essstörungen, Suchtproblematiken - immer häufiger auch Mediensucht - oder schlicht und ergreifend akute Notfälle, suizidale Patienten - das Spektrum der Waldkraiburger Ambulanz ist riesig. Zwei Ärzte, fünf Psychologen, eine Sozialpädagogin, ein Logopäde und zwei Arzthelferinnen engagieren sich für die Patienten. Der Bedarf ist gewaltig, wenn man doppelt so viel Personal hätte, hätte trotzdem jeder zu tun, sagt Schunck. Vier bis sechs Monate müssen die Patienten aktuell warten, Notfälle freilich ausgenommen. "Vier bis sechs Monate. Das ist eine Zumutung."

Sollte die Einrichtung tatsächlich geschlossen werden, will die Heckscher Klinik eine Ambulanz in Wasserburg aufbauen. Schunck und seine Kollegen würden dort weiterbeschäftigt. "Das wurde uns versprochen." Für Schunck ist das aber kein Grund zur Freude. Der 51-Jährige möchte unbedingt weiter in Waldkraiburg arbeiten.

Quelle: innsalzach24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser