Pressekonferenz im Krankenhaus Agatharied

"Haben regulären Klinikbetrieb quasi lahmgelegt!"

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Hausham/Bad Aibling - Das schreckliche Zug-Unglück von Bad Aibling war auch eine große Herausforderung für fast alle Kliniken zwischen München und Salzburg. Am Beispiel des Krankenhaus Agatharied bei Hausham kann man nachvollziehen, wie der Ablauf in den Kliniken in solchen Fällen ist.

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Wie ein Sprecher des Krankenhauses am späten Vormittag auf einer Pressekonferenz sagte, sei die Klinik am Dienstagmorgen um 7.30 Uhr, also knapp eine Dreiviertelstunde nach dem Unfall, telefonisch über das Unglück informiert und in Alarmbereitschaft versetzt worden. Daraufhin liefen sofort umfangreiche Maßnahmen an. „Der Alarm- und Einsatzplan hat uns geholfen, dass wir so agiert haben, wie wir agiert haben“, so der Sprecher.

150 Mitarbeiter in Alarmbereitschaft

Sprechstunden, geplante und aufschiebbare Operationen sind abgesagt worden, die für den Tag geplanten Entlassungen von Patienten seien – so weit möglich – auf den frühen Morgen vorgezogen worden. „Das war ein immenser Aufwand, aber wir mussten Platz schaffen“, so der Sprecher. Insgesamt schaffte die zu diesem Zeitpunkt fast komplett ausgelastete Klinik so Platz für bis zu 40 Unfallopfer, darunter vier Intensivplätze für Schwer- und Schwerstverletzte. Zudem seien 150 Mitarbeiter, davon 40 Ärzte und rund 70 Pflegekräfte, zusammengezogen worden.

Chefarzt Dr. Brückner erklärte anschließend, wie es weiter ging. „Wir haben nach Aktivierung des Notfallplans den regulären Klinikbetrieb quasi lahmgelegt. Wir haben uns zudem auf viele polytraumatisierte, lebensbedrohlich verletzte Patienten eingestellt.“ 35 Ärzte standen in der Notaufnahme bereit, es gab vier Versorgungsplätze für lebensgefährlich Verletzte und zahlreiche weitere Behandlungsplätze für mittelschwer und leicht verletzte Personen.

"Gesamtes Spektrum von Verletzungen!"

„Anfangs waren wir auf einem diffusen Informationsstand. Die Zahl der Verletzten stieg dann aber sukzessive an“, so Brückner. Um 9.15 Uhr wurde der Klinik ein Schwerstverletzter angekündigt, der um 9.36 Uhr in der Notaufnahme eintraf. Gegen 11 Uhr wurden sechs weitere Patienten mit Rettungswagen gleichzeitig ins Krankenhaus gebracht. „Die Patienten hatten das gesamte Spektrum von Verletzungen. Knochenbrüche, innere Blutungen oder Schädel-Hirn-Traumata“, so der Arzt weiter. Nähere Angaben machte er aus „Rücksicht auf den Datenschutz und die betroffenen Patienten“ verständlicherweise nicht.

Die Klinik kam aber unter dem Strich vergleichsweise „glimpflich“ davon. Insgesamt musste das Personal acht Verletzte (einen Schwerstverletzten, vier mittelschwer und drei leicht verletzte Personen) versorgen. Drei davon konnten nach ambulanter Behandlung das Krankenhaus gleich wieder verlassen. Um 11.35 Uhr konnte nach Rücksprache mit den Einsatzkräften am Unglücksort die Alarmbereitschaft um eine Stufe zurückgefahren werden. Gegen Mittag wurde dann der reguläre Krankenhaus-Betrieb wieder aufgenommen.

mw

Quelle: mangfall24.de

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