Neues Gesundheitszentrum als Paradebeispiel 

Ärztemangel auf dem Land - Griesstätt hält dagegen 

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Obwohl das neue Gesundheitszentrum noch nicht vollständig fertig ist, läuft der Betrieb der Praxis und der Apotheke seit 3. April. Griesstätt nimmt damit eine Vorreiterrolle ein, was den Kampf gegen den Ärztemangel auf dem Land angeht. 
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Griesstätt  - Ein Großprojekt wie das Gesundheitszentrum zu verwirklichen ist ein mutiger Schritt - einer, der gelingen kann. Das neue Ärztezentrum ist ein Paradebeispiel gegen den Ärztemangel auf dem Land und sucht wohl in weiter Umgebung vergeblich seinesgleichen. Aber zahlt sich so ein Projekt am Ende wirklich aus? 

Arztpraxen, Apotheke und Wohnungen vereint das neue Gesundheitszentrum unter einem Dach. Seit 3. April ist das Gebäude eröffnet und empfängt Kunden wie Patienten. 

Damit geht die kleine Gemeinde gezielt gegen den Ärztemangel auf dem Land vor. Dass die Hausärzte in der ländlichen Region rar werden, ist schon länger ein bekanntes Problem. Der Landkreis Mühldorf beispielsweise hat sich vor einigen Monaten dazu entschlossen, aktiv dagegen vorzugehen: Das Projekt "Gesundheitsregion plus" soll künftig die medizinische Versorgung im ländlichen Bereich dauerhaft gewährleisten. Griesstätt scheint mit den neu eröffneten Ärztezentrum bereits rundum versorgt. Und auch wenn die kleine 2858-Seelen-Gemeinde damit als gutes Beispiel voran geht, stellt sich die Frage, ob sich ein solches Großprojekt langfristig auszahlt

Hausarzt: "Bereue keinen einzigen Tag in Griesstätt"

Chia-Shun Hsieh ist glücklich über seine neue Praxis in der Alpenstraße. 

Der seit 2012 gemeindeansässige Hausarzt Chia-Shun Hsieh ist Bauherr des Projekts in der Alpenstraße und rundum zufrieden mit dem neuen Gesundheitszentrum. Bevor er in der kleinen Gemeinde Fuß fasste, praktizierte Hsieh in Wasserburg. "Der Standort Griesstätt hat sich damals spontan ergeben", erklärt der Arzt. Man habe sich rasch mit dem Vorgänger, Dr. Christian Münscher, geeinigt und so verlegte Hsieh seine Praxis nach Griesstätt. Ein Projekt wie das Gesundheitszentrum zu realisieren schwebte Hsieh lange vor. Rückenwind bekam er von der Gemeinde.

 "Hier in dem kleinen Ort wird der Hausarzt noch dringender gebraucht als in einer Kleinstadt wie Wasserburg. Ich war damals sofort willkommen, das weiß ich sehr zu schätzen und die Bürger - vor allem die älteren - danken es mir, dass ich die Praxis vor Jahren übernommen habe. Ich bereue keinen einzigen Tag, meine Zelte in Griesstätt aufgeschlagen zu haben und denke, das Gesundheitszentrum war ein wichtiger Schritt, um den Bürgern einen umfassenden medizinischen Rahmen auf dem Land zu bieten." 

Apotheker: "Dachte erst, der Ort sei viel zu klein" 

Apotheker Jörg Heider fasst nun Fuß in Griesstätt und ist optimistisch, dass das Gesundheitszentrum sich auszahlt. 

Jörg Heider, Betreiber der "Alpen-Apotheke" im Gesundheitszentrum, hegt noch leichte Zweifel, ob das Konzept wirklich aufgeht: "Griesstätt war erstmal keine Option für mich als Apotheker. Ich dachte zu Beginn, der Ort sei viel zu klein, bis ich angefangen habe zu kalkulieren. Die Nachbargemeinden Vogtareuth und Schonstett haben keine Apotheke, lediglich Rott betreibt zwei Filialen. Wir hoffen, die Bürger aus dem Altlandkreis mit ins Boot holen zu können." 

Heider ließ sich schließlich von dem Plan des Gesundheitszentrums überzeugen und ist nun optimistisch: "Ich wäre nicht hier, wenn ich das Gefühl hätte, der Laden könnte nicht laufen. Das ist mitunter ein Punkt, warum wir hier sind. Wenn jemand eine Großpraxis ins Leben ruft, dann gehört das Projekt auch unterstützt. Wir schließen damit eine nicht unwichtige Lücke in punkto Ärztemangel auf dem Land." 

Heider bietet neben der Filiale in Griesstätt auch einen Botendienst für die Bürger an. "Wir können zwar noch nicht abschätzen, wie die Bürger das neue Angebot annehmen werden, aber wir sind vor Ort für die Patienten da. Es bleibt nun abzuwarten, wie sich das Ganze entwickelt." 

Bürgermeister: "Eine Bereicherung für Griesstätt" 

Bürgermeister Robert Aßmus hat das Großprojekt von Anfang an unterstützt. 

Robert Aßmus bringt es als Bürgermeister der Gemeinde kurz und knapp auf den Punkt: "Mich freut das narrisch. Das neue Gesundheitszentrum ist eine wunderbare Sache und eine wahre Bereicherung für Griesstätt." Die Gemeinde habe dem Vorhaben Hsiehs von Anfang an den Weg zur Verwirklichung geebnet. Aßmus zollt Respekt vor dem mutigen Schritt des Arztes, sich überhaupt an das Projekt gewagt zu haben: "Ich finde es gut, dass er sich getraut hat, das Ärztehaus auf die Beine zu stellen. Mit dieser medizinischen Grundversorgung haben wir nun alles Wichtige am Ort, das man zum Leben braucht." 

Das Ärztezentrum ergänze das Modellvorhaben der Gemeinde, "Lebensqualität durch Nähe", das für die positive Entwicklung des Dorfes stehe. "Einen Arzt vor Ort zu haben, ist auf dem Land keine Selbstverständlichkeit mehr. Umso entscheidender ist es, dass Griesstätt eine Vorreiterrolle einnimmt und als Anlaufstelle sowohl für die Einheimischen als auch für die Bürger der Nachbargemeinden agiert", betont der Bürgermeister und mahnt gleichzeitig: "Wir haben seit 2002 einen großen Sprung in der Weiterentwicklung des Dorfes gemacht und so muss es auch weitergehen. Stillstand bedeutet für mich Rückschritt."  

mb

Quelle: wasserburg24.de

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