Nach tragischem Falschfahrerunfall auf A8 bei Grabenstätt

Sechs Falschfahrer pro Tag - und die meisten sind Männer

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Grabenstätt/A8 - Nach dem tragischen Unfall mit Falschfahrer auf der A8 am Mittwochnachmittag stellen sich viele Fragen. Wie verhält man sich zum Beispiel korrekt in so einer Situation? Und wie oft gibt es Falschfahrer auf deutschen Autobahnen?

Zu einem tragischen Unfall mit Falschfahrer ist es am Mittwochnachmittag auf der Autobahn A8 zwischen Bergen und Grabenstätt gekommen. Doch wie verhält man sich in so einer Situation korrekt? Falls man selber in falscher Richtung auf die Autobahn fährt, ist es wichtig, so weit wie möglich am Fahrbahnrand stehen zu bleiben und sich selbst hinter der Leitplanke in Sicherheit zu bringen, bis Hilfe eintrifft, erklärt Sprecher Simon Irger vom Polizeipräsidium Oberbayern-Süd. Auf keinen Fall sollte man versuchen, auf der Autobahn zu wenden oder die Fahrbahnen unnötig zu kreuzen.

Der ADAC gibt folgende Tipps

Sobald ein Falschfahrer über das Radio oder das Navigationssystem gemeldet wird, sollten folgende Punkte beachtet werden:

  1. Verringern Sie Ihre Geschwindigkeit.
  2. Schalten Sie die Warnblinkanlage an.
  3. Fahren Sie auf dem äußeren rechten Fahrstreifen.
  4. Überholen Sie nicht.
  5. Halten Sie ausreichend Abstand zum Vordermann.
  6. Wenn Sie sich unsicher fühlen, fahren Sie gegebenenfalls den nächsten Parkplatz an oder nutzen Sie die nächstgelegene Abfahrt.
  7. Behalten Sie den Seitenstreifen im Auge, um notfalls auf diesen ausweichen zu können.
  8. Hören Sie aufmerksam den Verkehrsfunk, um zu erfahren, wann die Gefahr vorüber ist.

Wer versehentlich selbst zum Falschfahrer wird, sollte folgendermaßen reagieren:

  1. Sobald Sie bemerken, dass Sie auf der falschen Seite unterwegs sind, schalten Sie sofort Licht und Warnblinkanlage ein.
  2. Fahren Sie umgehend an den nächstgelegenen Fahrbahnrand.
  3. Stellen Sie Ihr Fahrzeug dicht neben der Schutzplanke ab.
  4. Steigen Sie vorsichtig aus und stellen Sie sich hinter die Schutzplanke.
  5. Rufen Sie die Polizei unter dem Notruf 110 an und warten Sie auf Hilfe.
  6. Versuchen Sie NICHT zu wenden.

Verschiedene Gründe für Falschfahren

Die Gründe, warum jemand zum Falschfahrer wird, sind vielfältig. Eine aktuelle Statistik zum Thema gibt es nicht. Auswertungen des Portals Statista aus den Jahren 2005 bis 2011 zeigen, dass etwa ein Drittel der Falschfahrer 65 Jahre oder älter ist. Jeweils 16 Prozent sind den Altersgruppen 25 bis 44 Jahre und 45 bis 64 Jahre zugeordnet. Der Anteil an Falschfahrern jünger als 25 Jahre liegt bei fünf Prozent.

Doch nicht nur das Alter spielt eine Rolle bei der Falschfahrer-Thematik, erklärt Simon Irger vom Polizeipräsidium Oberbayern-Süd. Auch örtliche Unkenntnis, unübersichtliche Beschilderung, starke Sichtbehinderung durch schlechtes Wetter, aber auch Unachtsamkeit, Suizidabsicht, eine Mutprobe oder gar die Umstellung von Links- auf Rechtsverkehr können Ursachen sein, warum Autofahrer falsch fahren. "Das Alter kann auch eine Rolle spielen, aber das muss man sehr differenziert betrachten", erklärt Simon Irger.

Laut ADAC gibt es jedoch eine eindeutige Tendenz aus den Statistiken abzulesen: Mehr als 70 Prozent aller Falschfahrer sind männlich. Außerdem sind besonders an Wochenenden Falschfahrer unterwegs - 20 Prozent aller Falschfahrten sind an Sonntagen, 17 Prozent an Samstagen registriert worden. "Die anderen Wochentage kamen auf Anteile von zwölf bis 14 Prozent", heißt es. "Zwischen 5 und 9 Uhr morgens besteht das geringste Risiko, einem Falschfahrer zu begegnen. Zwischen 22 und 5 Uhr morgens ist die Gefahr am größten." Über das gesamte Jahr betrachtet, ist ein deutlicher Anstieg der Warnungen während der Sommermonate zu beobachten. Im Frühjahr hingegen gibt es laut Statistik die wenigsten Warnungen.

Mehr als 2.000 Warnungen pro Jahr

2.200 Warnungen vor Falschfahrern hat es zum Beispiel im Jahr 2016 auf deutschen Autobahnen gegeben. Aktuellere Zahlen sind unserer Redaktion derzeit nicht bekannt. "Besonders viele Meldungen wurden für Strecken in Nordrhein-Westfalen ausgestrahlt, gefolgt von Bayern und Niedersachsen", heißt es in dem Bericht des ADAC. "Bezogen auf die Länge des Autobahnnetzes gibt es jedoch für die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen die meisten Falschfahrermeldungen. Dies liegt vermutlich an der höheren Anschlussstellendichte der Autobahnen."

Dass es in der Region auf der A8, A93 oder A94 eine besonders hohe Häufung an Falschfahrern gibt, kann Sprecher Simon Irger nicht bestätigen. "Es gibt relativ häufig Warnungen vor Falschfahrern, bei denen es zu keinem Unfall kommt oder die Fahrer die Autobahn bereits wieder verlassen haben, bevor die Polizei vor Ort ist", sagt er.

ksl

Quelle: rosenheim24.de

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