Glaube gehört zum Brauchtum

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Sein Nachfolger, Benedikt XVI., freute sich ebenfalls immer über die vielen Begegnungen mit seinen bayerischen Landsleuten.

Trachtler sein bedeutet nicht nur Schuhplatteln und immer lustig sein. Trachtler sind auch dem Kirchenleben eng verbunden. Bereits zwei Päpste freuten sich über Geschenke und Besuche.

Rosenheim – Dabei war zu Beginn der Gründungen von Trachtenvereinen in Bayern das Verhältnis zwischen den neuen Vereinen und der Katholischen Kirche nicht ungetrübt. Das Tragen der kurzen Hosen und damit das Zeigen der „nackerten Knie“ innerhalb von Kirchengebäuden war manchem Pfarrer ein Dorn im Auge. Des Öfteren war es dann so, dass die Weihe einer ersten Vereinsfahne vom Ortspfarrer abgelehnt wurde. Mehrfach wurde deshalb in das benachbarte Österreich ausgewichen.

Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Im gesamten Kirchenjahr beteiligen sich heute die Trachtler am örtlichen Geschehen und bereichern mit ihren farbigen Trachten und Fahnen traditionelle Prozessionen. Zu jedem Trachtenjubiläum oder Gaufest gehört heute auch ein festlicher Gottesdienst.

1987 war es der Bernauer Peter Wörndl, damaliger Gaumusikwart vom Chiemgau-Alpenverband, der mit einer bayerischen Delegation mit Ministerpräsident Franz-Josef Strauß, Regierungspräsident Raimund Eberle von Oberbayern und Volksmusikpfleger Wastl Fanderl nach Rom eingeladen war. Sie wollten dem kurz zuvor nach Rom berufenen Joseph Ratzinger die Ehre zu dessen 60. Geburtstag erweisen.

Papst Johannes Paul II. scheute sich nicht, das bayerische Alphorn direkt auszuprobieren.

Als Geschenk hatte Peter Wörndl zwei Alphörner im Gepäck. Er hatte sie selbst in mühevoller Arbeit hergestellt. Ein Alphorn war für Kardinal Ratzinger und ein Exemplar überreichte er bei einer Privataudienz an Papst Johannes Paul II. Dieser wollte das Alphorn gleich probieren, doch da merkte Peter Wörndl, dass er beim Papst-Alphorn das Mundstück vergessen hatte: ein gefundes Fressen für die gesamte Welt-Presse.

Dann wurde Joseph Ratzinger als Benedikt XVI. selbst zum Papst. In den acht Jahren seines Pontifikates gab es vielerlei Begegnungen mit den bayerischen Trachtlern in Rom und in Bayern. Zum 80. und zum 85. Geburtstag waren die Trachtler unter der Leitung von Otto Dufter aus Unterwössen und von dessen Nachfolger als Landesvorsitzender Max Bertl aus Wildsteig immer wieder mit dabei. Mehrfach wurde Benedikt XVI. bei seinen Besuchen in seinem Heimatland von Trachtenkindern und Abordnungen des Bayerischen Trachtenverbandes begrüßt.

Sicherlich einzigartiger Höhepunkt der Begegnungen war im Sommer 2012, als unter anderen die Gaugruppe des Chiemgau-Alpenverbandes mit verschiedenen Musik- und Gesangsgruppen in der Ferienresidenz Castel Gandolfo eine bayerische Brauchtumsstunde mitgestaltete. Für die Dirndl und Buam der Gaugruppe waren die Darbietungen unmittelbar vor dem Papst ein unvergessliches Erlebnis. Einzigartig war für den Vorplattler Jürgen Wiedl vom Gauverband I auch eine persönliche Begegnung seiner Familie mit Papst Benedikt XVI., als er diesem das Buch „Trachtenlandschaft Bayern“ überreichte und sich Joseph Ratzinger sehr darüber freute.

Bei seiner letzten öffentlichen Audienz auf dem Petersplatz von Rom freute sich der scheidende Papst sichtlich über die Anwesenheit vieler bayerischer Landsleute und ganz besonders über die – überraschend und abweichend vom Protokoll – von der Stadkapelle Traunstein intonierte Bayernhymne. „Mein Herz schlägt immer bayerisch“, sagte Benedikt XVI. einmal. Sein Herz schlägt deshalb wohl auch für Trachtler aus dem Freistaat. hö

Schon 1000 Unterschriften

Knapp 1000 Menschen haben sich bisher dem Wunsch des Trachtengauverbands I angeschlossen, dass der Trachtenbewegung eine eigene Sonderbriefmarke gewidmet wird. Die Unterstützerliste, die im Juni dem Bundesfinanzministerium übergeben werden soll, trägt bereits prominente Unterschriften, zum Beispiel von mehreren Vertretern des Hauses Wittelsbach, vom ehemaligen Landtagspräsidenten Alois Glück, von Theodor Rasso Freiherr von Cramer-Klett, Rosenheims Stadtpfarrer Andreas Zach, den Ländräten in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land und Altötting sowie Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer. Wer die Aktion ebenfalls unterstützen möchte, kann dies im Internet unter www.rosenheim24.de/trachtenmarke tun. zip

Quelle: rosenheim24.de

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