Gerichtstermin im Bordell "Bienenkörbchen" 

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Rosenheim - Gerichtspräsident zu Besuch im Puff. Was nach Skandal klingt, ist in Wirklichkeit ein außergewöhnlicher Gerichtstermin.

Nach 18 Jahren hat es sich im "Bienenkörbchen" an der Innstraße in Rosenheim ausgesummt. Das Bordell musste schließen, der Betreiberin gefällt das gar nicht. Deshalb geht es jetzt vor Gericht heiß her.

Verwaltungsgerichtspräsident Harald Geiger machte sich vor Ort ein Bild über die Situation. Nur noch wenig in dem alten Gebäude lässt derzeit auf die flotten Stunden schließen, die hier bis März 2011 verbracht wurden. Für Geiger ist die Sache klar: „Das Haus liegt in einem Wohnmischgebiet und dort dürfen keine Bordell ähnlichen Einrichtungen betrieben werden“, äußerte er sich gegenüber der AZ.

Anwalt Peter Matthias Astner, der gemeinsam mit der Bordell-Chefin gegen den Bescheid Einspruch eingelegt hat, vermutet einen anderen Grund für den Schließungsbescheid: Die Stadtverwaltung wolle Rosenheim "säubern". Die Innstraße ist in seinen Augen mehr Gewerbe- als Wohngebiet. "Es fahren dort täglich 24.000 Fahrzeuge entlang, das ist eine höhere Lärmbelastung als in einem Industriegebiet", sagt der Rosenheimer Anwalt. Autowerkstätten, Betonwerke und der Verkehr auf den Straßen seien eine weit aus größere Belastung für die Anwohner als das bisschen Verkehr im Bordell.

Erotikspielwiese wird zu Trauerweide

Nicht nur die Bordell-Betreiberin geht gegen den Schließungsbescheid vor. Auch der Hauseigentümer ist involviert, denn die Stadt Rosenheim untersagt ihm jetzt, das Objekt weiterhin an Bordell-Betreiber zu vermieten. "Durch die Lärmkulisse ist dieses Objekt jedoch nicht als Wohnhaus nutzbar", so Astner, der die Nutzungsuntersagung für nicht nachvollziehbar hält. Unweit entfernte Erotikbetriebe dürften ihre Freier schließlich auch weiterhin beglücken, denn laut Baurecht gilt die gegenüberliegende Straßenseite als Gewerbegebiet.

Insgesamt fünfzehn als Gewerbe angemeldete Bordelle und bordellartige Betriebe gibt es nach Aussagen des Ordnungsamtes Rosenheim. Monatlich kämpfen bis zu drei neue Amüsierbetriebe auf dem offiziellen Weg um eine Neueröffnung. Meist ohne großen Erfolg: Die Richtlinien für den Bordellbetrieb sind sehr streng und so dürfen nur sehr wenige ihre Pforten auch wirklich öffnen.

Den Verordnungen zum Trotz beglücken viele Betreiber ihre Kundschaft auch ohne offiziellen Gewerbeschein. Jährlich werden so zwischen zehn und 15 Verfahren für eine "Nutzungsuntersagung für Bordelle und bordellartige Betriebe" beim Verwaltungsgericht erwirkt.

Ein solches Verfahren ist sehr langwierig. Denn aufgrund der entscheidenden baurechtlichen Frage "Liegt's im Wohn- oder Gewerbegebiet?", ist jedes Rotlicht-Verfahren ein absoluter Einzelfall. In Gewerbegebieten können sich Prostituierte und deren Freier in Bordellen hemmungslos austoben. In Wohngebieten dagegen ist der Bordellbetrieb strengstens untersagt. Die Lage in den sogenannten "Mischgebieten" scheint jedoch nicht ganz so eindeutig zu sein, wie der Rechtsstreit nun zeigt.

Bis zur endgültigen Entscheidung wie es mit dem Gebäude und dem "Bienenkörbchen" weitergeht, gibt es einen Amüsierbetrieb weniger an der Innstraße. Auch wenn die Freier nun woanders die flotten Bienen besuchen müssen - zumindest Konkurrenz und Anwohner dürften die Schließung ziemlich "geil" finden.

rko/rosenheim24

Quelle: rosenheim24.de

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