Gemeinsam gegen die Katastrophe

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Der Chiemsee am Mittwochnachmittag vom Rastplatz an der A8 aus fotografiert. Das Bild gelang Leserreporter Stephan Momberg aus Bad Tölz.

Rosenheim - Drei Tage nach dem schweren Unwetter mit Sturmböen, Starkregen und tischtennisballgroßen Hagelkörnern werden die Schäden langsam sichtbar. Vor allem die Land- und Forstwirte im Gebiet um Riedering haben herbe Verluste zu beklagen.

Josef Häusler, Bürgermeister der Gemeinde Riedering, ist 52 Jahre alt. In seinem ganzen Leben, sagt Häusler, hat er so etwas wie am Mittwochnachmittag nicht erlebt. "Und die Älteren im Dorf auch nicht!"

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Keine Gemeinde hat das Unwetter so schwer erwischt wie Riedering. Auch am Freitag musste Häusler eine Krisensitzung leiten. "Zumindest sind die Straßen wieder befahrbar", schnauft Häusler durch. Bis alle Gemeindeeinrichtungen wie Bushäuschen, Verkehrsschilder, der beschädigte Wertstoffhof oder das ramponierte Feuerwehrhaus wieder wie neu sind, werden aber noch 14 Tage vergehen müssen. Immerhin, so Häusler: "Stand heute ist die Wasserversorgung nicht gefährdet." Die teilweise abgedeckte Kirche sei provisorisch abgedichtet worden, derzeit laufe die Schadensaufnahme. Aber damit - Häusler klingt fast erleichtert - hat die Gemeinde nichts zu tun, das macht die Kirche. Das größte Problem in Riedering sind derweil die gesperrten Wander- und Waldwege. Häusler: "Uns gehen schon die Hinweistaferl aus. Wir appellieren daher an die Vernunft der Benutzer, alle Wanderwege der Gemeinde zu meiden!"

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Georg Kasberger, Leiter der Abteilung Forsten im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, gehört als Riederinger selbst zu den vom Sturm Betroffenen. Nach einem Hubschrauberrundflug über das zerstörte Gebiet geht er von 50 Hektar zerstörter Waldfläche und mindestens 30 000 Festmetern kaputtem Holz aus. "Klar, auf den Landkreis bezogen ist das nicht so arg viel, aber für das getroffene Gebiet eine Katastrophe."

Zwei Drittel des vom Sturm verwüsteten Waldgebiets, schätzt Kasberger außerdem, seien Bruchholz, das heißt, das Holz ist nur noch als Brennholz verwendbar. Nur ein Drittel des zerstörten Waldes ist sogenanntes Wurfholz, was bedeutet, dass der Baum mitsamt der Wurzel umgeworfen wurde und daher noch als Nutzholz verwendet werden kann.

Was das Unwetter besonders verheerend gemacht habe: "Der Wind kam zwar aus einer Richtung, aus Westen, aber er drehte in sich noch sehr stark." Dadurch seien punktuell regelrechte Verwüstungs-Nester entstanden. Dennoch, so Kasberger, hätte es die Waldbauern noch schlimmer treffen können, wenn das Unwetter im Frühjahr passiert wäre. Dann nämlich wäre die Borkenkäfer-Brut noch nicht ausgeflogen gewesen und hätte in den kaputten Stämmen einen idealen Lebensraum gefunden. Wenn das kaputte Holz in den kommenden Wochen gründlich aufgeräumt werde, bestehe keine Gefahr einer übermäßigen Ausbreitung des Schädlings.

Kreisbrandrat Sebastian Ruhsamer hatte Kasberger beim Rundflug über das Katastrophengebiet begleitet. Auch Ruhsamer ist der Meinung: "Riedering hat's am schlimmsten erwischt. Ich schätze, ein Viertel des Waldbestands dort hat's zamghaut." Für ihn, den obersten Feuerwehrmann des Landkreises, steht jedoch die Arbeit seiner Wehren an jenem Mittwoch im Vordergrund. Und die war, findet Ruhsamer, "sehr gut. Es ist gut gelaufen. Mehr wär an dem Tag einfach nicht gegangen." Jeder, der die Feuerwehr um Hilfe gebeten hätte, habe Hilfe bekommen. Und, was ebenfalls sehr wichtig sei: "Den Kameraden im Einsatz ist nichts passiert."

Josef Bodmaier, Kreisvorsitzender des Bauernverbands, freut sich natürlich ebenfalls, dass Leib und Leben der Riederinger und Rosenheimer Bürger am Mittwoch kaum zu Schaden kamen. Wirtschaftlicher Schaden sei jedoch sehr großer entstanden, und zwar den Landwirten. Erntebereite Wiesen etwa - "finito". Die hätten den Hagel nicht überstanden. Auch Maisfelder seien in den Hagel- und Sturmzentren "zu 100 Prozent kaputt". Getreide mit ausgewachsenen Ähren sei ebenfalls "sehr schlecht" davongekommen. Aber, so Bodmaier, müsse auch bedacht werden, dass gerade Getreide und Mais im Regelfall hagelversichert seien. Der sogenannte Grünlandaufwuchs sei derzeit gerade einmal 15 Zentimeter hoch, "der erholt sich relativ schnell wieder". Und auch den Mais könne man nachsäen - wenn auch die Ernte nicht mehr das Ergebnis verspreche wie der ursprünglich angebaute Mais.

Jetzt, drei Tage nach dem Sturm, kommt auch Bürgermeister Häusler langsam dazu, durchzuatmen und - auch abseits der materiellen Schäden - zu bilanzieren. Klar, der Sturm war schrecklich, aber immerhin förderte er eine Erkenntnis zu Tage: "Im Dorf hat jeder jedem geholfen. Die Bevölkerung ist ruhig geblieben, das hat mich fasziniert. Respekt für die gemeinsame Leistung!"

re (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

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