Windpark: Gegenwind wird stärker

Waging - Der geplante Windradpark bei Waging stößt auf immer mehr Widerstand. Nicht nur die Anwohner stellen sich gegen das Projekt - auch im Stadtrat kommt jetzt Skepsis auf.

Bei einer Infoveranstaltung am Montagabend trafen sich Gegner des Projektes und legten ihre Argumente dar. Sie befürchten vor allem einen enormen Eingriff in die Landschaft, wenn die geplanten Windräder mit einer Höhe von etwa 180 Metern

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gebaut werden.

Aber nicht nur unter den Anwohnern wächst der Widerstand gegen den Windradpark. Auch einige Stadträte stehen dem Projekt durchaus skeptisch gegenüber. CSU-Stadtrat Wolfgang Osenstätter beispielsweise ist zwar eindeutig für erneuerbare Energien, spricht sich aber deutlich gegen den geplanten Windpark aus. Wie sich das vereinbaren lässt und ob er damit nicht frei nach dem St. Florian-Prinzip ("O heiliger St. Florian, verschon mein Haus, zünd' andre an.") handelt? Wir haben ihn dazu befragt.

Sie sagen zwar einerseits, dass Sie für erneuerbare Energien sind, aber sprechen sich auf der anderen Seite gegen einen Windradpark bei Waging aus. Wie passt das zusammen?

"Die Stadt Traunstein wird ab 2011 komplett über Wasserenergie gespeist werden. Und dieses Projekt kann ich auch absolut nachvollziehen und stehe auch dahinter. Aber wir sind eine Fremdenverkehrsregion. Und da sind solche überdimensionalen Windräder meiner Meinung nach nicht tragbar. Dabei steht die Rentabilität zur Optik in keinem vernünftigen Verhältnis. Da kann ich gleich in Mecklenburg-Vorpommern bleiben. "

Welche Befürchtungen haben Sie hinsichtlich des Windparks?

"Wenn diese Windräder die Leistung erbringen würden und wirtschaftlich wären, dann hätte ich überhaupt nichts dagegen. Aber Untersuchungen der Windstärke in diesem Gebiet haben eindeutig ergeben, dass es höchst unsicher ist, ob der Windpark wirtschaftlich arbeiten würde. Und was passiert, wenn diese Windräder erst einmal aufgebaut sind und dann nicht rentabel arbeiten. Wer reißt sie dann wieder weg?"

Sie haben sich auch deutlich gegen die Rodung der Waldgebiete ausgesprochen. Allerdings will die Firma ja dafür auch eine Vergleichsfläche wieder aufforsten. Ist dies kein gleichwertiger Ersatz?

"Wir haben an diesem Standort so wunderbare Mischwälder, die sogar von Fachkräften aus München jährlich besichtigt werden. Und nun soll das alles egal sein, nur um eine Schneise hineinzuschneiden, um einen Windradpark zu errichten, der  möglicherweise gar nicht rentabel ist? Das steht für mich in keinem Verhältnis."

Es ist ja nicht das erste Mal, dass Windräder an dieser Stelle aufgestellt werden sollen. Woran ist das Projekt vormals gescheitert?

"2007 hat sich bereits der Windrad-Betreiber aus Palling an die Stadt gewandt. Er wollte an der gleichen Stelle ein 100 Meter hohes Windrad errichten. Damals haben die Stadtwerke das Anliegen untersucht und festgestellt, dass es sich nur lohnen würde, wenn das Windrad doppelt so hoch wird."

Aber die Windräder des neuen Projektes erfüllen - mit einer geplanten Höhe von 180 Metern - doch genau diese Forderung. Warum stellen Sie sich dann gegen den Windradpark?

"Die Rentabilität des Windradparks ist auch bei einer Windrad-Höhe von 180 Metern noch sehr wackelig. Außerdem steigen die Investitionskosten natürlich auch mit der Höhe. Und aus anfänglich einem Windrad sind nun schon drei geworden, da sich ansonsten die Anschlusskosten nicht rechnen würden. Wo soll das noch hinführen?"

Am Vorbild in Palling sieht man aber, dass ein Windpark durchaus rentabel und wirtschaftlich sein kann. Wieso kann dies nicht auch bei Waging funktionieren?

"Diese Windradanlage arbeitet zwar wirtschaftlich, aber worüber niemand spricht, ist der ökologische Aspekt. Vor knapp einem Jahr gingen bei einigen Windrädern in Palling die Motoren kaputt. Daraufhin mussten sechs neue Rotorblätter auf sechs Lkw aus Dänemark angeliefert werden. Zusätzlich musste noch ein Kran aus Dänemark kommen, der die Rotorblätter anbringt. Da frage ich mich, wo der ökologische Sinn steckt."

Warum sehen Sie sich in der Verantwortung, gegen den Windpark anzugehen?

"Ich habe mich bereits 2007 gegen das eine Windrad ausgesprochen. Und dafür habe ich viel Anfeindung erfahren und sogar Drohbriefe lagen in meinem Briefkasten. Aber im Nachhinein hat mir jeder recht gegeben. Auch wenn ich auf Widerstand stoße: Die Bürger haben mich gewählt, jetzt muss ich auch für ihre Interessen eintreten."

Das Interview führte Patrick Steinke

Das sagt Bürgermeister Herbert Häusl über die Pläne, bei Waging Windräder zur Stromerzeugung zu bauen:

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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