Gegen Erdgasbohrung an Biotop

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Seeon - Prof. Otto Siebeck plädiert für den Verzicht auf Erdgasbohrungen im Naturschutzgebieten Eggstätt-Hemhofer Seenplatte. Risiken für Oberflächen- und Trinkwasser seien nicht auszuschließen.

Weil Risiken für Oberflächen- und Trinkwasser nicht auszuschließen seien und den besonderen Charakter des Natura-2000-Gebietes mit den Naturschutzgebieten Eggstätt-Hemhofer Seenplatte und Seeoner Seen und ihrem Umfeld gefährden könnten, plädierte Prof. Otto Siebeck für den Verzicht auf Erdgasbohrungen in der Nähe des Naturschutzgebietes und der vorhandenen Wasserschutzgebiete.

Siebeck wurde als Vorsitzender der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Limnologischen Forschungsstation Seeon (GFL) bei der Jahreshauptversammlung wiedergewählt.

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Neben seinem Bericht über die Tätigkeit der Gesellschaft im vergangenen Jahr und den Neuwahlen ihres Vorstands war die Positionierung zu den Erdgasbohrungen zentrales Thema der Jahreshauptversammlung. Siebeck referierte über Ergebnisse einer umfangreichen Studie vom Zentrum für Wasserforschung der Universität Texas, wonach die weit überwiegende Anzahl von Schäden nicht in der Tiefe der Bohrungen, sondern durch Abwässer an der Erdoberfläche zustande komme. Selbst ein Höchstmaß an Sicherheitsvorkehrungen könne Risiken nicht ausschließen. Im Schadensfall, etwa durch ausgetretenes Abwasser mit giftigen Inhaltsstoffen an der Bohrstelle, oder auf dem Weg zur Entsorgung könne in Feuchtgebieten und hohem Grundwasserstand nicht ebenso schnell und einwandfrei durch das Abtragen des Bodens reagiert werden wie auf mineralischen Böden. Solche Risiken in einem Natura-2000-Gebiet einzugehen, widerspreche allen bisherigen Bestrebungen. In dem zwischen 1996 und 2009 durchgeführten Projekt "Biotopverbund Eggstätt Hemhofer Seenplatte und Seeoner Seen" sei es den beteiligten Institutionen gelungen, die Gefährdung der Naturschutzgebiete Eggstätt-Hemhofer Seenplatte und Seeoner Seen durch einen Biotopverbund zu vermindern. Das nun geschaffene Natura-2000-Gebiet sei ein großer Beitrag zum Projekt Bayern Netz Natur. Dieser Erfolg sei nicht ohne die hervorragende Mitarbeit der Land- und Forstwirtschaft möglich gewesen.

In seinem Bericht hatte Siebeck betont, man befinde sich gegenwärtig in einer Umstrukturierungsphase, was künftige Zielsetzungen und Aktivitäten des Vereins angehe. Insbesondere sei er bei der Etablierung des Projektes "Lernen durch Forschen und Erleben" weitergekommen.

Bei den Neuwahlen für den Vorstand der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Limnologischen Forschungsstation Seeon drückte sich die große Unterstützung der Mitglieder für die Tätigkeit von Siebeck aus, der einstimmig wieder zum Ersten Vorsitzenden gewählt wurde. Dr. Alfons Regnauer bleibt Zweiter Vorsitzender, Konrad Daxenberger Kassier. Beisitzer bleiben Reinhard Heldwein, Holmer Lex, Erika Pahl und Dr. Helmut Wittmann; neu dazu kamen der Biologe Dr. Bernhard Gum und der neue wissenschaftliche Leiter der Limnologischen Forschungsstation, Prof. Herwig Stibor. Neue Kassenprüfer wurden Albert Pröller und Eugen Seil.

Dr. Herwig Stibor, Professor für "Aquatische Ökologie" und Leiter der Limnologischen Forschungsstation Seeon der Fakultät Biologie der Ludwig-Maximilians-Universität München, stellte als wichtigste Aufgabe der Forschungsstation die Grundlagenforschung vor. Gegenwärtig beschäftigten die Wissenschaftler Studien zur Biodiversität, etwa über die Fähigkeiten der mikroskopisch kleinen Algenarten, sich an die unterschiedliche Farbenzusammensetzung der Strahlung in verschiedenen Wassertiefen anzupassen. Ein weiterer Schwerpunkt werden Forschungen über die Auswirkungen des verstärkten Eintrags von Stickstoff aus der Atmosphäre auf die heimischen Seen sein.

Der Ornithologe Dr. Michael Lohmann warb für sein Konzept zur Neugestaltung des Naturschutzgebiets an der Mündung der Tiroler Ache in den Chiemsee. So gebe es ein Betretungsverbot in der Kernzone des Achendeltas, gleichzeitig immer noch Nutzungen wie Jagd, Fischerei, Kiesabbau und die Vorkehrungen zur Ölsperre der "Transalpine Ölleitung". Die Beendigung dieser Nutzungen sollte nach Ansicht von Lohmann einhergehen mit einer Heranführung der Öffentlichkeit an den Kern des Achendeltas, selbstverständlich nicht durch Öffnen der Wege für einen Massenansturm, sondern durch Stege und Aussichtstürme, die Einblick in den Naturraum gewähren. Als Teil eines sanften Tourismus könne dies eine große Chance für die Region sein.

igr/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: chiemgau24.de

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