Wirtin aus Riedering ärgert sich über Corona-Maßnahmen 

"Wir sind sozusagen die letzten Deppen der Nation"

Die Gastronomin Vroni Lutz vom Cafe Stuerzer in Riedering ärgert sich über die Schließungen wegen Corona 
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Die Riederinger Gastronomin Vroni Lutz findet es ungerecht, dass Geschäfte öffnen dürfen, die Gastronomie aber geschlossen bleiben muss

Riedering - Hotels und Gaststätten gehörten zu den ersten Betrieben, die zur Eindämmung des grassierenden Coronavirus SARS-CoV-2 schließen mussten. Die Branche ist extrem betroffen. Viele Geschäfte dürfen bald schon wieder öffnen. Die Gastronomie muss geschlossen bleiben. Sehr zum Unverständnis einer Riederinger Gastronomin.

Mit demTagescafé „Stuerzer“ hat sich Vroni Lutz, Nachfahrin der Stuerzers, ihren Traum vom eigenen Café-Restaurant auf dem Grund des ehemaligen Stuerzer-Hofs erfüllt. Doch dieser Traum steht wegen der Corona-Krise auf wackeligen Beinen. Ihre Kritik gilt vor allem der Politik und deren Entscheidung, die Gastronomie weiterhin geschlossen zu halten. "Es wird über den Einzelhandel gesprochen, über Frisöre und Kirchen, aber nicht über das Gastgewerbe", ärgert sich die Riederingerin, die das Stuerzer seit eineinhalb Jahren betreibt, im Gespräch mit rosenheim24.de.


Söder: "Gastronomie war Drehscheibe für Viren"

"Gastronomie und Hotellerie müssen geschlossen bleiben", das teilte Ministerpräsident Markus Söder am 21. April in der Regierungserklärung zu den Corona-Maßnahmen mit. Dies sei für die Branche schwer. Die Gastronomie sei eine Drehscheibe für Viren“ gewesen, so Söder und führt als Beispiel Apres-Ski- oder Starkbierfeste an. Er hoffe auf Erleichterungen zu Pfingsten, dies sei aber nur eine Hoffnung. Einen Fahrplan könne es aktuell noch nicht geben. „Aber wir helfen der Gastronomie“, so der Ministerpräsident. Die Mehrwertsteuer solle dort auf sieben Prozent gesenkt werden.

"Frechheit, Wirtschaften mit Apres-Ski zu vergleichen"

Die vom Ministerpräsidenten genannten Beispiele lassen Lutz wütend werden: "Das geht gar nicht! Das ist eine absolute Frechheit, die Wirtschaften mit Apres-Ski Partys oder Starkbierfesten zu vergleichen. Ich finde es unmöglich, dass wir im Endeffekt das ausbaden, wo andere Versäumnisse gehabt haben und sich nicht an Vorgaben gehalten haben. Ich glaube, ich spreche da für alle Gastronomen, dass man sehr wohl die hygienischen Standards einhalten kann." Wenn im Supermarkt die Leute aneinander vorbeigehen interessiere es keinen. Jeder wäre gewillt, sich an Vorschriften oder Auflagen zu halten, "aber wir bekommen nicht mal die Chance dazu", sagt Lutz. 


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Ihr Vorschlag wäre, dass die Mitarbeiter natürlich Mundschutz tragen sollen und die Tische weit auseinander zu stellen. Normalerweise hat das Stuerzer 50 Sitzplätze, hier könne man auch abspecken. Außerdem würde die Wirtin Desinfektionsmittel auf die Tische stellen und diese jedes Mal desinfizieren, wenn die Gäste gegangen sind. "Das würden wir alles freiwillig machen, wenn wir die Chance dazu bekommen würden." Sie ist auch der Meinung, dass in einem Bekleidungsgeschäft die Gefahr sogar größer sei als in der Gastronomie. "Wenn man sich ein Kleid über das Gesicht streift, ist das auch ein Risiko und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass eine Umkleidekabine jedes Mal desinfiziert wird, wenn ein Kunde drin war. Wir sind sozusagen die letzten Deppen der Nation, die nicht aufmachen dürfen." Man müsse einfach schauen, dass alles geregelt abläuft. Man dürfe sich ja jetzt sowieso mit einer Person außerhalb des Haushaltes treffen und man habe den Gastraum ja immer im Blick, so dass man beispielsweise bei Grüppchenbildung gleich eingreifen könne. "Ich finde es einfach unfair, dass andere aufmachen dürfen, die die Vorgaben nicht so gut einhalten können."

Hilfsmaßnahmen teilweise nur Aufschieben des Problems

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Viele Wirte wegen Coronavirus vor ungewisser Zukunft

Aktuell ist es Gastronomen möglich, ihre Pacht zu stunden. Aber das sei für die Wirtin nur ein aufgeschobenes Problem. "Irgendwann geht es ja dann los, dass die Pacht nachgezahlt werden muss. In der Gastronomie ist die Kalkulation bei wahrscheinlich 80 Prozent so eng gestrickt, dass das vielen glaube ich einfach das Genick brechen wird." Auch die Soforthilfen helfen ihr nur zwei oder drei Wochen drüber hinweg und bei Leuten die viel Pacht zahlen müssen helfe das wenn überhaupt, dass sie die Pacht zahlen können. Außerdem sei es ein großer bürokratischer Aufwand und dauere bis es ausgezahlt werde. "Auch die Sieben-Prozent-Regelung ist kein neues Thema. Die Gastronomie ist keine einfache Branche und die sieben Prozent wurden von uns schon lange gefordert. Ich sehe einfach keinen Grund, warum wir nicht aufmachen dürfen", sagt die Riederingerin.

Kritik auch vom Branchenverband Dehoga

Hotels und Gaststätten hätten unter den Beschränkungen während der Corona-Pandemie besonders stark zu leiden, sagte der Präsident des Branchenverbands Dehoga, Guido Zöllick. Er wünsche sich, dass die Politik der Branche Perspektiven aufzeige – etwa durch einen gesonderten Rettungsfonds.

Quelle: rosenheim24.de

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