Gastbeitrag einer Leserin zu Erlebnis in Kiefersfelden

"Ich glaube, der Aufzug ist steckengeblieben..."

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In diesem Fahrstuhl in Kiefersfelden steckte Daniela Uhrich fest.
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Kiefersfelden - Einen ungewollt langen Aufenthalt in einem Aufzug der Deutschen Bahn hatte kürzlich unsere Leserin Dani Uhrich. Ihr Erlebnis, das ihr sicherlich noch lange im Gedächtnis bleiben wird, beschreibt sie in einem Gastbeitrag:

"Quiiiiietsch machte es. Ich dachte noch: Das klingt aber gar nicht gut. Und da sprach die junge Frau, die mit mir in den Fahrstuhl gestiegen war, auch schon die gefürchteten Worte aus - Worte, die ich Klaustrophobiker nie hatte hören wollen: Ich glaube, der Aufzug ist steckengeblieben!

Was also tun? 

Tief einatmen, ausatmen und die Notfallnummer im Fahrstuhl drücken. Schon tönte es "Düd-düd-düd" aus den Lautsprechern – ja wunderbar, der Knopf scheint ja zumindest zu funktionieren. Eine freundliche Dame versicherte uns, dass bald jemand bei uns sein würde. 

Eine halbe Stunde später war von einem Techniker nichts zu sehen, auch nach einer Stunde und weiteren Anrufen bei der Störungshotline – nichts. Die Dame bestätigte nur immer wieder, dass der Techniker auf dem Weg sei und eine etwas weitere Anreise hätte. Gut und schön, aber eineinhalb Stunden? 

Sogar Kinder blieben stecken

In diesem Fahrstuhl in Kiefersfelden steckte Daniela Uhrich fest.

Was machen Menschen, die auf Medikamente angewiesen sind, schwanger sind oder gar ein Kleinkind dabei haben? Was machen Menschen, die nichts zu trinken im Gepäck haben, auf die Toilette müssen oder einen wichtigen Anschluss-Flug nicht verpassen dürfen? Ich war in diesen Momenten vor allem dankbar, dass ich nicht alleine eingesperrt war. 

Als der Techniker schließlich nach 75 Minuten anrückte, benötigte er weitere 15 Minuten, um uns zu befreien. Die Tür hatte sich verhakt – das kommt öfter vor. Erst kürzlich waren am Kiefersfeldener Bahnhof Kinder stecken geblieben, die von der Feuerwehr befreit wurden. Trotzdem wird der Aufzug nicht gesperrt. Dazu ist nicht einmal die Polizei befugt, denn der Aufzug ist Eigentum der Deutschen Bahn. Die hat sich übrigens dazu verpflichtet, Steckengebliebene nach spätestens 20 Minuten aus dem Fahrstuhl zu befreien, was in kleinen Ortschaften in der Regel jedoch gar nicht möglich ist, denn die Techniker sind dünn besetzt und nicht vor Ort. 

Unsere Hilfe kam extra aus Traunstein. Die örtliche Polizei rät darum, beim nächsten Mal lieber gleich die Feuerwehr zu rufen, auch wenn diese für solche Fälle eigentlich gar nicht zuständig ist. 

300 Euro pro Feuerwehr-Einsatz

Googelt man "Deutsche Bahn Aufzug stecken geblieben", dann spuckt die Suchmaschine etliche Fälle wie unseren aus. In Emsdetten in Nordrhein-Westfalen musste die Feuerwehr im Jahr 2015 ganze 15 Mal ausrücken, weil der Aufzug stecken geblieben ist, wie die Westfälischen Nachrichten berichten. Die Stadt stellt der Deutschen Bahn für solche Feuerwehr-Einsätze darum inzwischen 300 Euro pro Einsatz in Rechnung

Im niedersächsischen Northeim musste die Feuerwehr alleine im Oktober 2016 sechs Mal zu Fahrstuhl-Einsätzen ausrücken, berichtet die HNA. Auch in Limburg gelingt es der Tochterfirma der Bahn regelmäßig nicht, die 20-Minuten-Rettungsfrist einzuhalten, um Personen aus dem steckengebliebenen Aufzug zu befreien – gerufen wird darum die Feuerwehr. Auch hier stellt die Stadt der Deutschen Bahn die Einsatzdauer und Einsatzstärke in Rechnung, wie die Nassauische Neue Presse schreibt

Für die Bahn ist das anscheinend immer noch rentabler, als wenn die vielen maroden Aufzüge in den Kleinstädten ausgetauscht oder gewartet werden würden. Ich jedenfalls werde Aufzüge an Bahnhöfen in Zukunft meiden."

Gastbeitrag von Dani Uhrich aus Kiefersfelden

Außerdem interessant: Auch Finanzminister Markus Söder blieb schon im Aufzug stecken.

Lesen Sie morgen, wie sich die Deutsche Bahn zu dem Vorfall äußert.

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Quelle: rosenheim24.de

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