700 Gäste geben Willy Heide das letzte Geleit

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700 Trauergäste haben dem Großgastronom und ehemaligen Wiesn-Wirt Willy Heide am Freitag auf dem Planegger Friedhof das letzte Geleit gegeben.

Die Redner würdigten den im Alter von 91 Jahren verstorbenen Wirt als Mann mit großem Herzen, dessen Augenmerk stets dem „einfachen Gast“ gegolten habe.

Ein Gewitter hatte sich am Morgen über Planegg entladen. Als Pfarrer Rainer Maria Schießler um 10 Uhr in der Aussegnungshalle das Wort ergriff, spannte sich auf einmal ein Himmel von weiß-blauer Seide strahlend über den Planegger Friedhof. Rund 700 Menschen waren gekommen, um Willy Heide die letzte Ehre zu erweisen. Die Planegger Aussegnungshalle bot nur dem kleineren Teil der Gäste Platz, selbst Münchens Landrätin Johanna Rumschöttel musste mit einem Stehplatz vor den draußen aufgebauten Lautsprechern Vorlieb nehmen.

Abschied von Willy Heide

Abschied von Willy Heide

Fahnen-Abordnungen der Planegger Vereine standen vor der Aussegnungshalle Spalier, die Leibgarde der Würmesia bewachte in würdevoller Uniform den Sarg ihres am vorigen Samstag verstorbenen Ehrenpräsidenten, sogar eine Abordnung aus der Partnerstadt Klausen wohnte der Zeremonie bei. Viele Weggefährten waren nach Planegg gekommen, ehemalige und noch aktive Wiesn-Wirte, langjährige Freunde und Gäste des beliebten Planegger Ehrenbürgers.

Pfarrer Rainer Maria Schießler, selbst jedes Jahr als Bedienung auf der Wiesn tätig und deshalb eine Idealbesetzung, würdigte den Verstorbenen als Mann, der hinter jedem Wort gestanden habe, „dessen Wort immer ein Ehrenwort war“.

Planeggs Bürgermeisterin Annemarie Detsch sprach als erste von insgesamt fünf Trauerrednern. Sie nannte Heide „eine bayerische Berühmtheit“. Sein Dreh- und Angelpunkt sei jedoch immer seine Heimatgemeinde gewesen. „Willy Heide hat Planegg geliebt. Der Kontakt mit seinen Gästen war sein Lebenselixier“, erzählte Detsch. Fast täglich habe man ihn am Stammtisch des Heide-Volm antreffen können, denn „nicht nur die berühmten Leute waren ihm wichtig, sondern auch die einfachen Gäste“, betonte Detsch. Die meisten habe Heide persönlich gekannt, stets freundlich gegrüßt und sich fürs Kommen ins Heide-Volm bedankt. Auf die Frage, ob er lieber in den Himmel oder die Hölle kommen wolle, antwortet Heide einmal: „Des is mir egal, i hab überall Freind.“

Ebendiese Freunde und besonders die Familie verbargen ihre Trauer nicht, als sie dem Sarg von der Aussegnungshalle zum Familiengrab folgten, welches mit Kränzen und Blumen geschmückt war. Begleitet von Böllerschützen wurde der Sarg in die Tiefe gelassen. Zum Abschluss der Beisetzung spielte Fred Geißer mit seinen „Ludwig-Thoma-Musikanten“ den bayerischen Defiliermarsch - unter dem weiß-blauen Himmel Planeggs. Willy Heide hätte seine Freude gehabt an dieser schönen Trauerfeier.

"Willy war unser größter Lehrmeister"

Respekt, Loyalität, Menschlichkeit – diese Worte kommen den Wiesn-Wirten beim Gedenken an Willy Heide wie von selbst über die Lippen. Für Schützenzelt-Wirt Edi Reinbold war er ein „ausgezeichneter Wiesn-Wirtesprecher und großer Lehrmeister.“ Dem stimmt auch Ochsenbraterei-Wirtin Antje Schneider zu – sie fühlte sich durch Heide perfekt in die Wiesnwirte-Gemeinschaft aufgenommen. „Er nahm auch uns junge Wirte auf Augenhöhe ernst.“

Wiesnwirte-Sprecher und Chef vom Hackerzelt Toni Roiderer: „Ich habe einen lieben Kollegen verloren. Aber er hat das schöne Alter von 91 Jahren erreichen dürfen.“ Die Größe von 1,57 Meter – das war Heides großes Markenzeichen. Löwenbräuwirt Wiggerl Hagn: „Eines Tages lief Willy durch unser Zelt. Weil er so klein war, hat man ihn zwischen den Boxen gar nicht gesehen, nur sein Gamsbart ist vorbeigewippt. Er war eine Persönlichkeit.“

An eine Wette mit ihrem „treuen Wegbegleiter“ in den 1980er-Jahren erinnert sich Tourismus-Chefin Gabriele Weishäupl: „Wir haben uns geneckt, dass wir uns nie trauen würden, eine Riesenschlange zu halten. Bei der großen Schlangenschau auf der Wiesn lösten wir die Wette ein – so mutig waren wir!“ Ihr Sohn Emanuel (20) hatte ebenfalls eine besondere Beziehung zum Verstorbenen – Willy Heide war sein Patenonkel! Als „personifizierte Erscheinung eines Wiesn-Wirts“ bezeichnet Peter Inselkammer vom Armbrustschützenzelt den Wiesnwirt. Und Toni Winkelhofer, Wirt des historischen Festzelts, hatte den „quirligen“ Heide „zum Knuddeln“ gern.

OB Christian Ude war leider verhindert, sprach mit der tz jedoch am Telefon vor seinem Urlaub über seinen zuverlässigen und stets fürsorglichen Freund: „Es war beglückend zu sehen, wie ihm da das Herz aufging, wenn er sein Solo unter dem weiß-blauen Himmel zu Füßen der Bavaria dirigiert hat. Ich bin sicher, dieses Ereignis wird er von seiner Wolke aus stets beobachten.“

Quelle: Oktoberfest live

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