Selbstmord: Wie wahrscheinlich ist das?

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Prof. Dr. Christian Pfeiffer

Rosenheim - Eine Woche nach dem Doppelmord von Rosenheim fehlt vom Täter jede Spur. Die Polizei schließt jetzt Selbstmord nicht mehr aus. Rosenheim24.de hat mit dem Kriminologen Prof. Dr. Christian Pfeiffer gesprochen.

“Es ist momentan wie die berühmte Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen“, sagte ein Sprecher der Sonderkommission (Soko) “Hochgern“ - benannt nach der Straße, in der das Verbrechen geschah - am Montag. Die Ermittler schließen inzwischen nicht mehr aus, dass der Ex-Ehemann der ermordeten 37-Jährigen Selbstmord begangen haben könnte. Ebenso könnte er sich auch ins Ausland abgesetzt haben.

Christian Pfeiffer (66) ist Kriminologe und derzeitiger Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. Von 2000 bis 2003 war Pfeiffer für die SPD Justizminister des Landes Niedersachsen.

Rosenheim24.de hat den Kriminologen Prof. Dr. Christian Pfeiffer um eine knappe Einschätzung Müllers gebeten. Was ist Franz Müller für ein Tätertyp: "Wenn ein Mann seine Exfrau umbringt, dann will er sie auf immer besitzen." Laut Pfeiffer folgen männliche Täter immer einem Grundmuster: Sie seien im Leben gescheitert und hätten in ihrer Kindheit bereits Gewalt kennengelernt.

Wie wahrscheinlich ist ein Selbstmord?

Auf die Frage nach der Wahrscheinlichkeit, dass Müller Selbstmord begangen habe, antwortet Pfeiffer: "Das ist durchaus möglich, dass Müller sich etwas angetan hat. Ihm ist klar, dass er in seinem Lebensentwurf gescheitert ist." Nach Pfeiffers Meinung suche die Polizei sowohl den Täter als auch eine Leiche. Es gibt aber noch eine andere Erklärungsmöglichkeit. Der Krimonologe: "Müller könnte auch abwarten, bis die Polizei davon ausgeht, dass er sich selbst getötet hat. Das würde ihm die Flucht erleichtern." Im Allgemeinen sei aber ein Selbstmord schwer zu prognostizieren.

Wie gefährlich ist Müller wirklich?

Im Gespräch mit rosenheim24.de stellt Pfeiffer klar, dass Franz Müller kein gemeingefährlicher Mörder sei. "Wer ihn aktiv an der Flucht hindert, muss natürlich mit Gewalt rechnen." Im Allgemeinen sei nur das Raub-, Einbruchs- und Diebstahlsrisiko erhöht. Aber: "Es ist nicht davon auszugehen, dass er anderen etwas antut."

Wieso konnte es überhaupt zu dieser schrecklichen Tat kommen?

"Frauen, die ihre Männer umbringen, wollen sich befreien. Ein Mann, der seine Frau umbringt, kann nicht konstruktiv mit einer Trennung umgehen. Männer empfinden eine Trennung als narzisstische Kränkung und verspüren eine ohnmächtige Wut, dass ihre Frau sich die Freiheit nimmt, einfach zu gehen."

Der kleine Marcus (3) musste wahrscheinlich nur sterben, weil er zur falschen Zeit am falschen Ort war. Müller hatte es auf Lacramioara abgesehen. Nicht auf auf das Kind, hier ist sich der Experte sicher.

Seit einem am Freitag veröffentlichten weiteren Fahndungsplakat gingen bei der Soko über 100 Hinweise ein. “Alle diese Hinweise werden selbstverständlich überprüft“, sagte der Polizeisprecher. Darunter seien aber sehr vage Hinweise von Bewohnern, die den Gesuchten in der Nähe des Tatortes nahe dem Rosenheimer Bahnhof gesehen haben wollen. “Auch Tipps auf leerstehende Gebäude, wo sich der Mann verstecken könnte, sind dabei“, erläuterte der Beamte.

dpa/ro24-Daniela Feigl

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser